Lokales

Zum Tag der Menschenrechte

Heute vor 57 Jahren, am 10. Dezember 1948, haben die Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet.

Geschichtlich betrachtet haben sich die Kirchen über weite Zeiträume hinweg keineswegs als Verfechter der Menschenrechte hervorgetan. Mehr noch: Die Gültigkeit von Menschenrechten musste oftmals gegen Kirchen erstritten werden. Die "Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Menschen" (Menschenrechtserklärung von 1948) hat jedoch Grund im 1. Kapitel der Bibel: "Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde. Zum Bilde Gottes schuf er ihn" (1. Mose 1, 27). Und beim jüngsten Advent wenn Gott bei den Menschen angekommen sein wird werden die Christenmenschen sich die Frage gefallen lassen müssen, ob sie in hungrigen, durstigen, fremden, beschämten, frierenden, kranken oder gefangenen Menschen Christus wiedererkannt haben (Matthäus 25, 40). "Der Kampf der Christen um Menschenrechte ist eine grundlegende Antwort auf Jesus Christus", hieß es 1975 bei der Fünften Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen.

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Wo Menschen Advent feiern, da sind kranke und sterbende Menschen nicht allein. Da erhalten die Opfer von Gewalt Gehör und Unterstützung. Da finden sich für schuldig gewordene Menschen Wege zur Umkehr. Da ist Zuflucht für Heimatlose und Bereitschaft zum Teilen mit denen, die weniger haben. Wo Menschen heute in Deutschland Advent feiern, da richtet sich ihr Blick an den Himmel: Gott sei Dank sind die Flugzeuge mit Folteropfern und abgeschobenen Flüchtlingen nicht das einzige, was sich dort oben bewegt.

Die adventliche Ansage, dass Gott kommt, befreit Christenmenschen dazu, mit Menschen anderen Glaubens oder anderer Ideologien zusammenzuarbeiten, die wie sie für die Würde der Menschen eintreten. Reimar Krauß Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Notzingen