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Zunächst Einweisung in Anstalt

Wegen schwerer Brandstiftung muss nach dem Urteil des Stuttgarter Landgerichts ein 53-jähriger Neuffener Konstrukteur dreieinhalb Jahre hinter Gitter. Er hatte in seiner Verzweiflung darüber, dass die Ehefrau sich von ihm trennte, sein Einfamilienhaus in Neuffen angezündet und einen Schaden von 300 000 Euro verursacht. Zusätzlich wurde seine Einweisung in die Psychiatrie angeordnet.

BERND WINCKLER

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STUTTGART/NEUFFEN Überraschender Weise schlossen die Richter bereits am Donnerstagabend das Verfahren gegen den 35-Jährigen per Urteil ab. Dabei stellten die Juristen nach mehreren Prozesstagen mit Hilfe eines psychiatrischen Gutachters fest, dass sich der Angeklagte bei der Tat im Zustand einer manischen Depression mit Krankheitswert befand. Damit verbunden war ein starker Realitätsverlust, auch ausgelöst durch seine Verzweiflung über die Ehe-Umstände. Die Frau hatte sich Wochen zuvor mit den drei Kindern von ihm getrennt.

Wegen der Tilgungszahlungen für das Haus war es zum Streit des Ehepaares gekommen. Als Frau und Kinder am 21. August in den Urlaub fuhren, besorgte sich der Mann eine Kanne Öl und steckte damit an fünf Stellen das Haus in Brand, sparte aber die Kinderzimmer aus. Dann wollte er sich das Leben nehmen.

Alle diese Umstände hatten jedoch die psychische Krankheit bei dem Angeklagten nicht allein ausgelöst. Er litt schon seit Jahren an der Depression, die auch behandelt wurde. Am Tattag jedoch hatten sich die Ereignisse für ihn überstürzt. Er hatte keinen Lebenswillen mehr, wie er in seinem Geständnis selbst betonte. Daraus schloss der Psychiater auch die krankhafte Realitäts-Verzerrung, die strafrechtlich gesehen als verminderte Schuldfähigkeit galt. So verhängten die Richter eine dreieinhalbjährige Freiheitsstrafe, die im unteren Bereich angesiedelt ist. Allerdings muss der Mann zuerst in eine geschlossene psychiatrische Anstalt, in der man seinen psychischen Defekt zu heilen versucht. Es habe keinen Sinn, ihn in eine Haftzelle zu sperren, und erst nach der Haftverbüßung mit der Behandlung zu beginnen, sagte der Strafkammervorsitzende in der Urteilsverkündung. Die Unterbringungszeit im Krankenhaus wird auf die Freiheitsstrafe voll angerechnet.

Inzwischen lebt das Paar in Scheidung. Ob den Brandschaden am Haus die Versicherung übernimmt, ist ungewiss. Bei Brandstiftungen weigern sich die Versicherer in der Regel zur Schadensregulierung.