Lokales

Zunahme liegt über dem Landes- und Bundesdurchschnitt

Das Autobahnpolizeirevier Mühlhausen ist im Zuge der Verwaltungsreform zum 1. Januar 2005 in die Polizeidirektion Göppingen integriert worden. Die 48 Polizeibeamten sind für die Bundesautobahn 8 zwischen Wendlingen und Ulm-Ost für genau 63,472 Autobahnkilometer mit einem Verkehrsaufkommen von täglich rund 68 000 Fahrzeugen zuständig.

MÜHLHAUSEN Im Zuständigkeitsbereich des Autobahnpolizeireviers Mühlhausen haben sich 2004 insgesamt 808 Verkehrsunfälle ereignet. Im Jahr zuvor waren es noch 686, was einen Anstieg von rund 17 Prozent bedeutet. Dieser negative Trend wird durch eine deutliche Steigerung von Kleinstunfällen begründet. Die Zunahme der Verkehrsunfälle allgemein liegt über dem Landes- und Bundestrend, was die Autobahnen betrifft. Im Zuständigkeitsbereich des Autobahnpolizeireviers wurden 47 Personen schwer (2003/31) und 188 leicht (2003/203) verletzt. Bedingt durch die Zunahme der Kleinstunfälle stieg der Sachschaden zum Vorjahr um 7,4 Prozent von 4,82 auf 5,17 Millionen Euro.

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Im Bereich der schweren Unfälle mit Verletzten konnte die Polizei durch gezielte, verkehrslageorientierte Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen eine erfreuliche Trendwende bei den Unfällen mit Personenschäden herbeiführen (Abnahme um 10,8 Prozent, von 139 auf 124 Unfälle). Die Anzahl der Verkehrstoten mit drei (2003/3) veränderte sich nicht und liegt gemessen an der Entwicklung der Vorjahre relativ niedrig.

Tötliche Unfälle: Am 18. Mai gegen 14.30 Uhr fuhr ein 46-jähriger Lenker eines Personenwagens bei Ulm/Jungingen auf dem linken Fahrstreifen mit einer Geschwindigkeit von rund 120 km/h, als er ohne erkennbaren Grund urplötzlich auf den rechten Fahrstreifen wechselte und ungebremst gegen das Heck eines dort ordnungsgemäß fahrenden Lastwagens prallte. Der 56-jährige Beifahrer im Personenwagen, ein Verwandter des Fahrzeugführers, wurde so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle verstarb. Bei dem leicht verletzten Lenker wurde an der Unfallstelle noch erhebliche Alkoholbeeinflussung festgestellt.

Am 11. Juni gab es bei einem Unfall auf Höhe der Gemarkung Weilheim einen Unfall mit zwei Toten. Durch einen vorausgegangenen Unfall gegen 11 Uhr, bei welchem ein Personenwagen in Folge von Wasserglätte ins Schleudern geriet und von einem nachfolgenden Lkw gestreift wurde, waren der 29-jährige Lkw-Fahrer und ein unbeteiligter 30-Jähriger als Unfallhelfer auf dem Standstreifen neben dem verunglückten Personenenwagen gestanden. Plötzlich kam in Folge Aquaplanings vom linken, dem dritten Fahrstreifen, ein von einem 58-Jährigen gelenkter Ford quer über den mittleren und rechten Fahrstreifen angeschleudert und prallte gegen den Personenwagen und die auf dem Standstreifen stehenden Personen, welche beide auf der Stelle getötet wurden. Die Insassinnen des zuerst verunglückten Pkw erlitten schwerste Verletzungen.

Durch diese seit Jahren bekannte und bautechnisch sehr schwierige Aquaplaningstelle bei Kilometer 170 Richtung München verloren tragischerweise zwei Menschen das Leben. Hier sind weitere erhebliche bauliche Maßnahmen erforderlich, um diese Gefahrenstelle zu beseitigen.

Weitere örtliche Unfallschwerpunkte (im Gegensatz zu Unfallhäufigkeitsstellen) sind wie jedes Jahr die insgesamt neun Anschlussstellen im Zuständigkeitsbereich. Zusätzliche deutliche Unfallhäufungen sind das Nadelöhr bei Gruibingen (Verschwenkungsstelle) sowie im weiteren Verlauf zwischen Gruibingen und der Anschlussstelle Mühlhausen feststellbar. Hier ist es vor allem die zweispurige Autobahn ohne Standstreifen, die immer wieder eine Häufung von Auffahrunfällen aufweist.

Wegen der hohen Gefahr von Aquaplaningunfällen durch die erheblichen Spurrillen auf der A8 hat die Autobahnmeisterei in Dornstadt für 2005 ein Fahrbahnerneuerungsprogramm vorgesehen, das in der Konsequenz zu erheblichen Verkehrsstaus und Umleitungsverkehr im Landkreis Göppingen führen wird.

Unverändert sind die Hauptunfallursachen auch 2004: Zu geringer Sicherheitsabstand, zu dichtes Auffahren, was ja in besonderen Fällen eine Nötigung ist, führt die Rangliste mit 139 Fällen an. Geschwindigkeit und Abkommen von der Fahrbahn mit 122 Fällen folgen. Unachtsamer Fahrstreifenwechsel wurde in 67 Fällen gezählt. Die sonstigen Ursachen wie Übermüdung, Alkohol, Ladungsfehler sind keine herausragenden Unfallursachen.

Die aktuellen winterlichen Verkehrslagen auf den Autobahnen weisen besonders auf die alte Erfahrungstatsache hin, dass eine zweispurige Autobahn ohne Standstreifen besonders störanfällig ist. Hier genügen kleinste Ursachen wie zum Beispiel Pannenfahrzeuge, die das Gesamtsystem Autobahnverkehr zusammenbrechen lassen. Leider spielen viele unvernünftige Lkw-Fahrer und sonstige Fahrzeuglenker mit sommerbereiften Fahrzeugen eine sehr unrühmliche Rolle. Schon aus diesem Grunde wäre es nach Ansicht der Autobahnpolizei Mühlhausendringend erforderlich, eine Winterreifenpflicht einzuführen.

Das Autobahnpolizeirevier Mühlhausen hat 2004 trotz schwieriger Personallage die Anzahl der Verkehrsordnungswidrigkeiten und der Sicherheitsleistungen, die insbesondere ausländische Kraftfahrzeuglenker erfasst, einen konsequent und zielgerichteten Kontrolldruck über das Jahr hinweg ausgeübt. Die Ordnungswidrigkeiten stiegen von 3227 auf 3656, die Zahl der Sicherheitsleistungen von 889 auf 1098.

Eine besonders sensible Angelegenheit und ein Trauma für jeden Autofahrer sind Geisterfahrer auf der Bundesautobahn A8. Dies wird von der Autobahnpolizei Mühlhausen sehr konsequent im Auge behalten. In einem Fall wurde eine 18-jährige betrunkene Autofahrerin im Ulmer Bereich als Geisterfahrerin in einen Unfall verwickelt, der allerdings glimpflich ablief. Die Risikobereiche, wo Geisterfahrten entstehen, sind der Autobahnpolizei bekannt. Hier wurden 2004 zusätzliche Gefahren abwehrende Maßnahmen ergriffen. Die Anzahl der gemeldeten Fälle konnte in diesen Bereichen verringert werden, wogegen sie in anderen Bereichen leicht anstieg. Waren 2003 noch acht Geisterfahrer zu verzeichnen, so belief sich diese Zahl 2004 auf elf.

pm