Lokales

Zur Integration gehört auch Information

„buefet“ gestaltete für Migranten einen Nachmittag mit dem Schwerpunkt Pflegeversicherung

Älter werden in Deutschland, das ist nicht nur für Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit ein immer präsenter werdendes Thema, es beschäftigt auch zunehmend ältere Migranten. Allen gemeinsam ist die Problematik, sich in einem oftmals verwirrenden Angebot der Unterstützungsmöglichkeiten zurechtzufinden. Der Verein „buefet“ ist auch hier in der Lage, kompetent Hilfestellung zu leisten.

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barbara ibsch

Kirchheim. Es hat sich herumgesprochen, dass auf „buefet“ Verlass ist. Hinter dem pfiffigen Kürzel steht kein beliebiger Selbstbedienungsladen, sondern das konkrete Angebot der „Beratung und Experteninforma­tion für eine selbstständige Lebensführung“. Zielsetzung ist die Verbesserung der Lebenssituation von versorgungs-, betreuungs- und pflegebedürftigen Menschen sowie deren Angehörigen. Ein Thema, das auch für Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund von immer größerem Interesse wird. So auch innerhalb der italienischen Gemeinde in Kirchheim, für die von der Diözese Rottenburg alle vierzehn Tage ein Nachmittag gestaltet wird. Der Verein „buefet“, 2001 entstanden mit fi­nanzieller Unterstützung der Teck­boten-Weihnachtsaktion, gestaltete jetzt einen Informationsnachmittag mit dem Schwerpunkt Pflegeversicherung.

Gabriele Burger und Gertraud Sieler von „buefet“ durften sich über ein „volles Haus“ freuen. Sie erlebten aber auch, dass es öfters einer Übersetzung bedurfte. Obwohl die italienischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in zweiter oder bereits dritter Generation hier leben, ist ihr Deutsch eher als mangelhaft zu bezeichnen. Dem Interesse am Thema Pflegeversicherung tat dies keinen Abbruch.

Auf die Frage „Was haben Sie über das Pflegegeld oder die Pflegeversicherung schon gehört?“ gab es keine Wortmeldung. Niemand hatte Erfahrung damit. Ebenso wenig kannte jemand eine Person, die von professionellen Diensten gepflegt wird. Italienische Senioren gehen offensichtlich wieder in ihr Heimatland zurück, um dort versorgt zu werden. „Wer würde Sie pflegen, wenn Sie Hilfe bräuchten?“ Auf diese Frage gab es rundum die überzeugte Antwort: „Meine Kinder.“

Die von „buefet“ ausgearbeitete Powerpoint-Präsentation informierte generell über das breit gefächerte Angebot von Dienstleistungen für Menschen mit Hilfebedarf in Kirchheim. Sie wandte sich aber vor allem der aktuellen Pflegeversicherung zu. Durch die Darstellung und die Übersetzung kamen dann auch die Fragen der Anwesenden in Gang und es entwickelte sich zudem ein reger interner italienischer Austausch, der für die „buefet“-Vertreterinnen zumindest in Teilen übersetzt wurde.

Eine wichtige Frage war, ob man auch Pflegegeld bekommt, wenn man in Italien gepflegt wird und nicht mehr in Deutschland lebt. Die Recherchen ergaben, dass dies für das europäische Ausland zutrifft. Vorausgegangen war eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes: Hat ein Pflegebedürftiger seinen Wohnsitz in einem Land der Europäischen Union, besteht grundsätzlich Anspruch auf Pflegegeld.

Der von „buefet“ gestaltete Informationsnachmittag ist bei der italienischen Gemeinde gut angekommen und beim anschließenden Kaffee wurde noch lebhaft weiterdiskutiert.

Für viele Mitbürger wie ein Buch mit sieben Siegeln

Bei „buefet“ sind daraus Überlegungen entstanden, ob es die Pflegedienste gewohnt sind, auf die kulturellen Unterschiede in den Bedürfnissen der Pflege sensibel einzugehen. Zudem wird angestrebt, entsprechende Informationen auch anderen Migranten anzubieten.

Ein Vorschlag, der bei Roland Böhringer auf große Zustimmung stößt. Er ist Sozialamtsleiter und Integrationsbeauftragter der Stadt Kirchheim in Personalunion und begrüßt den Vorstoß von „buefet“. Für ihn ist gut informiert zu sein eine wichtige Voraussetzung für gelingende Integration. Er weist in diesem Zusammenhang aber auch darauf hin, dass soziale Leistungen für die meisten einem Buch mit sieben Siegeln gleichkommen. Die Mitbürger ausländischer Herkunft würden sich besonders schwer tun, die richtigen Informationen und Beratungen zu bekommen. So sei bei Migrantenfamilien in fast allen Bereichen ein großes Informationsdefizit festzustellen. Die deutsche Presse werde von ihnen zu wenig gelesen und auch mit entsprechenden Broschüren seien noch zu wenige zu erreichen.

Roland Böhringer sieht einen erfolgreicheren Weg darin, mit Informationsgesprächen beispielsweise über Suchtprävention oder Ausbildungschancen gezielt in die Migrantenvereine zu gehen. Die ausländischen Mitbürger sollen also dort erreicht werden, wo sie sich aufhalten. Zudem soll demnächst die Qualifizierung von Multiplikatoren mit Migrationshintergrund fortgesetzt werden.

Das Thema „kultursensible Altenhilfe“ beschäftigt die Stadt Kirchheim schon seit Längerem. Dazu hat sich der Integrationsausschuss vor einiger Zeit über die Situation in Pflegeheimen kundig gemacht. Eine türkische Frauengruppe ließ sich zwischenzeitlich über die ambulanten Hilfen bei Pflegebedürftigkeit informieren. Weitere Veranstaltungen sollen folgen und dafür betrachtet der Integra­tionsbeauftragte den Verein „buefet“ als einen „kompetenten Partner, der mit seinen ehrenamtlich tätigen Fachleuten aus Pflege und Sozialarbeit hervorragende Aufklärungsarbeit leistet“.