Lokales

Zur Sommerfrische in verschiedene Schlösser

Nicht nur wegen des "Henriettenjahrs" 2007 lädt die Volkshochschule ins Kirchheimer Schloss ein. Vielmehr heißt das Schwerpunktthema "Schlösser und Residenzen". Exkursionen führen nach Ludwigsburg, an die Donau und die Altmühl, nach München, Berlin, Tschechien und Südengland. Vorträge und Seminare über die Romanows, Carl Eugen oder die Musik am Hof der Wittelsbacher runden das Thema ab.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Schlösser und Residenzen sind zwar eng mit Architektur, Garten- und Landschaftsbau sowie mit städtebaulichen Entwürfen verbunden. Aber der besondere Schwerpunkt des neuen Kirchheimer Volkshochschul-Themas liegt sicherlich auf der Geschichte. So geht es in München um die Dynastie der Wittelsbacher, und bei der Donau- und Altmühlreise unter anderem um Höchstädt und Neuburg und damit um europäische Geschichte: 1704 besiegten Prinz Eugen und der Duke of Marlborough im Spanischen Erbfolgekrieg ein französisch-bayerisches Heer in der Schlacht bei Höchstädt beziehungsweise Blindheim. In Neuburg an der Donau wiederum residierte einst der Pfalzgraf Ottheinrich und betätigte sich dort ebenso als Renaissance-Bauherr wie später am Heidelberger Schloss.

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Die Exkursionen der Kirchheimer Volkshochschule im Rahmen des neuen Semesterschwerpunkts sind "Reiseleiter" Gerhard Fink zufolge "ein Angebot, das man nicht an jeder Ecke bekommt". Dazu zähle auch die Studien- und Festspielreise, die im August unter dem Titel "Sommerfrische im Habsburgerreich" nach Böhmen führt. Diese Reise führt die Teilnehmer unter anderem mitten hinein in den Dreißigjährigen Krieg, als die Residenzen innerhalb weniger Jahre mehrmals die Besitzer wechselten. Zunächst waren "Wallenstein und seine Genossen" die großen Profiteure, wie Gerhard Fink erläutert. Nach 1634 profitierten dann allerdings diejenigen, "die Wallenstein auf dem Gewissen hatten".

Kriegerischen Zwecken diente auch die Anlage des Kirchheimer Schlosses, dessen Kasematten ebenfalls zum Besichtigungsprogramm der Volkshochschule im Sommer gehören. In Potsdam dagegen pflegte sich der preußische König Friedrich der Große von seinen eigenen Kriegszügen zu erholen. Der Schlosspark von S

anssouci steht im Mittelpunkt eines verlängerten Wochenendes im September. Das eigentliche Ziel dieser Foto-Exkursion der Volkshochschule besteht aber nicht in der Erholung, sondern darin, möglichst viele außergewöhnliche Motive zu suchen und abzulichten. Besondere Motive bietet sicherlich auch die Reise nach Sussex und Kent, die wie bereits im vergangenen Jahr wieder in verschiedene Schlösser und Parks Südenglands führt, dieses Mal übrigens zur Zeit der Rosenblüte.

Notwendige Sprachkenntnisse können sich die Reiseteilnehmer natürlich gleich im Rahmen eines Volkshochschulkurses aneignen: Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, für die Reise oder für den Beruf alles gibt es in den unterschiedlichsten Variationen, tagsüber, abends, gedehnt oder kompakt, für Anfänger und Fortgeschrittene. Zu den seltener unterrichteten Sprachen gehören im kommenden Semester Chinesisch, Neugriechisch und Schwedisch. Schnupperangebote gibt es im Sommer für Koreanisch, Tschechisch und Ungarisch. Wer nicht selbst verreist, dafür aber im Juli mehrwöchigen Besuch aus dem Ausland bekommt, kann diesen gleich zu einem Deutsch-Intensivkurs anmelden, der jeden Tag am Vormittag stattfindet.

Wer fremdsprachige Filme sehen möchte, hat dazu in der Regel einmal im Monat die Gelegenheit, beispielsweise heute Abend um 20.15 Uhr: In Kooperation mit der Volkshochschule zeigt das "Tyroler" in Kirchheim die englische Originalversion des Films "Der Teufel trägt Prada".

Was die Kunstgeschichte betrifft, steht im kommenden Semester die Architektur des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt, vor allem Le Corbusier und die Stuttgarter Weißenhof-Siedlung. Weitere Kunstreisen führen nach Rechberghausen zur Ausstellung "Musen, Modelle, Malerlegenden von Matisse bis Warhol" oder zur Museumsinsel Hombroich bei Neuss.

Eigene künstlerische Ambitionen lassen sich bei der vhs im Sommersemester ebenfalls weiter voranbringen. Vom Ölmalkurs über Stricken und Filzen bis zum Buchbinden reicht die Angebotspalette. Auch das Reisen ist mit künstlerischer Produktion in Einklang zu bringen: In den Herbstferien führt eine Studienreise nach Marokko. In einem Künstlerdorf in der Nähe von Marrakesch können die Teilnehmer Kontakte zu Künstlern knüpfen und auch gleich vor Ort die touristischen Höhepunkte kreativ in Kunst umsetzen.

Durch Malerei zu Erkenntnissen über die eigene Person zu kommen, ist das Ziel des Kurses "Ausdrucksmalerei". Ähnlich geht es auch beim "kreativen Selbstcoaching" zu, bei dem die Teilnehmer durch kreative Tätigkeiten trainieren, auf ihre inneren Stimmen zu hören, wie Volkshochschulleiterin Susanne Voigt erläutert. Dass bei diesem Seminar hart gearbeitet wird, betont sie ebenfalls: "Coaching kommt nicht von Couch." In anderen Bereichen sieht das vhs-Programm aber durchaus Angebote zur Entspannung vor. Unter dem Motto "Uns geht's gut" sowie unter dem Gießbert-Logo kooperieren die Volkshochschulen im Land mit SWR 4 und der Gmünder Ersatzkasse bei Gesundheitskursen, in denen es außer um die Entspannung auch um Bewegung und Ernährung geht. Der erste dieser Kurse startet Anfang Februar. Er soll vor allem Menschen ab 50 dazu animieren, das Richtige für ihre Gesundheit zu tun.

An jüngere Menschen wendet sich der kostengünstige Kurs "Altersvorsorge macht Schule", den die Volkshochschule in Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung im März anbietet. Umfassend, aber neutral informiert dieser Kurs über die Versorgung im Alter sowie über die Notwendigkeit und die Möglichkeiten, privat vorzusorgen. Der Kurs gewährt eine Übersicht über das gesamte Thema, ohne dass dabei die Interessen eines speziellen Unternehmens mit im Spiel wären. "Die wollen einem nichts verkaufen", versichert die zuständige Fachbereichsleiterin der Kirchheimer Volkshochschule, Dr. Iris-Patricia Laudacher.

Von fürstlichen Residenzen bis hin zur privaten Altersvorsorge von "Otto Normalverbraucher" reicht also die Angebotspalette der vhs Kirchheim im Sommersemester. Im Programm blättern und nach Details zu einzelnen Kursen, Vorträgen und Exkursionen forschen, das können alle Interessierten ob langjährige Kunden oder potenzielle Neueinsteiger von der kommenden Woche an, wenn das neue Volkshochschulprogramm aufliegt. Ab 18. Januar sollte es überall erhältlich sein.