Lokales

Zuschuss für Kläranlage

Land bezahlt 1,24 Millionen Euro

Einen Zuschuss von rund 1,24 Millionen Euro erhält die Gemeinde Lenningen für die Sanierung und Erweiterung der Kläranlage in Gutenberg.

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Iris Häfner

Lenningen. Umweltministerin Tanja Gönner und Regierungspräsident Johannes Schmalzl haben grünes Licht für die Erweiterung und den Umbau der Kläranlage in Gutenberg gegeben. „Landesweit ist ein hoher Standard in der Abwasserbeseitigung erreicht. Trotzdem ist es für die Städte und Gemeinden immer wieder erforderlich, bestehende Anlagen zu erneuern und auszubauen, um den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden“, heißt es dazu in der Pressemitteilung des baden-württembergischen Umweltministeriums. Nur durch laufende Erneuerung und Modernisierung sowie Anpassung der Anlagen an die aktuellen Belastungssituationen könne die Qualität von Bächen und Flüssen im Land erhalten beziehungsweise weiter verbessert werden.

Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht freut sich über den Zuschuss, relativiert aber: „Wir haben uns etwas mehr erhofft und versuchen deshalb nachzufassen.“ Die Gesamtinvestitionskosten für die Sanierung liegen nach derzeitigem Stand bei 2,2 Millionen Euro, weshalb Lenningen den Antrag auf 1,75 Millionen Euro gestellt hat. „Wenn 350 000 Euro fehlen, ist das für uns ein ordentlicher Betrag, den wir nicht so ohne Weiteres wegstecken können“, so Michael Schlecht.

Die Kläranlage, die im Jahr 1978 fertiggestellt wurde, reinigt die Abwässer der Lenninger Teilorte Gutenberg, Schlattstall und Schopfloch. Ausgerichtet war sie auf 4 200 Einwohnerwerte und ist nun durch die Menge des Abwassers hydraulisch überlastet. „Die Erweiterung und Modernisierung der Kläranlage in Gutenberg ist dringend erforderlich“, so Umweltministerin Tanja Gönner. Nach der Fertigstellung handelt es sich um eine Anlage mit 6 500 Einwohnerwerten.

„Die Kläranlage hat die Grenze ihrer Kapazität erreicht. Hätten wir keinen Zuschuss erhalten, hätten wir uns zwischen zwei Alternativen entscheiden können: Alles alleine finanzieren oder abschalten“, erklärt Michael Schlecht. Das Abwassernetz einer Flächengemeinde wie Lenningen lässt sich mit einem städtischen nicht vergleichen. Auf wenige Meter Stadtkanal kommen viele Anschlüsse, in Lenningen ist es genau umgekehrt: Ein langes Kanalnetz und vergleichsweise wenige Anschlüsse. Dies schlägt sich auch auf die Gebühren nieder. „Eine gewisse Höhe der Abwassergebühr muss erreicht sein, um überhaupt in den Genuss von Fördergeldern kommen zu können“, erläutert Michael Schlecht. Entlastet werden dadurch die Gebührenzahler. „Das Abwasser soll für die Bürger, die dafür schon viel Geld bezahlen, nicht noch teurer werden“, verdeutlicht der Schultes das Prinzip.

„Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung hat unter anderem ergeben, dass ein zusätzliches Belebungsbecken sowie ein zusätzliches Nachklärbecken die wirtschaftlichste Variante darstellt“, wird Johannes Schmalzl in der Pressemitteilung zitiert. Geprüft worden sei auch die Möglichkeit, die Kläranlage in Gutenberg aufzugeben und an die Kläranlage Oberlenningen anzuschließen. Dies habe sich jedoch unter anderem aufgrund der guten baulichen Substanz der Gutenberger Anlage und der hohen Investitionen zum Ausbau der Kläranlage Oberlenningen als wirtschaftlich nicht vertretbar erwiesen. Mit der Maßnahme werde die Gewässergüte der Lauter weiter verbessert, ist sich der Regierungspräsident sicher.

Michael Schlecht indessen ist auf das Genehmigungsverfahren gespannt. „Hier prallen Umweltschutz und Naturschutz aufeinander“, befürchtet er. Da sich die Kläranlage im Vogelschutzgebiet befindet, kommt in diesem Fall zudem auch europäisches Recht zum Tragen. Schon im Jahr 2007 wollte Lenningen die Sanierung in Angriff nehmen, wegen der fehlenden Zuschüsse wurde die Maßnahme jedoch verschoben. Nun sollen die Planungen zügig vorangebracht werden, damit so schnell als möglich mit dem Umbau begonnen werden kann.