Lokales

Zuversichtlich, dass Vernunft über Terror siegt

Ossama bin Abdul Majed Shobokshi, Botschafter des Königreichs Saudi-Arabien, sprach in Dettingen über die Lage im Nahen Osten

Auf Einladung des CDU-Stadtverbands Kirchheim-Dettingen sprach der saudi-arabische Botschafter in Deutschland, Ossama bin Abdul Majed Shobokshi, in der Dettinger Schlossberghalle. Sein Thema lautete: „Die Position des Königreichs Saudi-Arabien zu einigen regionalen und internationalen Fragen“.

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Andreas Volz

Dettingen. Zuerst stellte der promovierte und habilitierte Mediziner, der in Kiel und Erlangen studiert hat, sich und sein Land vor: 1995 war Ossama bin Abdul Majed Shobokshi Gesundheitsminister in Saudi-Arabien geworden, 2003 schließlich Berater des Königs. Seit 2004 vertritt er sein Land als Botschafter in Berlin. „Saudi-Arabien ist ein ödes Land, das zu 90 Prozent aus Wüste besteht“, sagte er zunächst wenig werbewirksam. Zugleich sei sein Land aber auch die Wiege der arabischen Sprache und des Islam – nicht zuletzt wegen der beiden heiligen Städte Mekka und Medina. Saudi-Arabien vertreibe 25 Prozent des Erdöls weltweit, die Reserven reichen nach Angaben des Botschafters noch 80 bis 100 Jahre. „Wir sind aber nicht am Preis des Öls in Ihrem Land schuld“, betonte Shobokshi, bevor er ein sehr ernsthaftes Thema kurz ansprach: „Wir tauschen gerne Öl gegen frisches Wasser.“

Anschließend ging der Botschafter auf den Terrorismus ein, distanzierte sich aber deutlich von seinem einstigen Landsmann, dessen Name wie kein zweiter für Terror steht: Osama bin Laden. „Saudi-Arabien befindet sich schon lange im Kampf gegen den Terrorismus. Wir sind selbst ein Opfer.“ Damit war Seine Exzellenz bereits mitten im Thema. Für mitteleuropäische Ohren mögen die Namen mancher Staaten exotisch klingen, doch zeigte sich schnell, wie viele Krisenregionen in direkter Nachbarschaft der Saudis liegen: Israel, Libanon, Iran, Irak, Somalia, Sudan.

Alle diese Staaten sprach Ossama Shobokshi kurz an, wobei er stets betonte, dass Saudi-Arabien für Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Region stehe. Bei vielen seiner Feststellungen wird ihm jeder bedenkenlos zustimmen können, etwa wenn er sagte: „Der arabisch-israelische Konflikt hat viel Schmerz verursacht und viele Opfer gekostet.“ Daran lässt sich nicht rütteln, aber je nach Perspektive sehen Schuldzuweisungen sehr unterschiedlich aus. Der Diplomat vermied Schuldzuweisungen natürlich, forderte aber gleiches Recht für alle: Wenn arabischen Ländern im Nahen Osten das Recht auf Nutzung der Atomkraft abgesprochen werde, müsse das auch für Israel gelten.

Im Kampf gegen den Terrorismus sieht der Botschafter allerdings die Weltgemeinschaft vereint, denn „wenn der Terrorismus Opfer sucht, dann unterscheidet er nicht zwischen Zivilisationen, Religionen oder politischen Systemen“. Terroristen seien nur an Zerstörung und Tötung inte­ressiert. Ossama Shobokshi sieht die Lage realistisch, bleibt aber doch Optimist: „Der Kampf gegen den Terrorismus wird lange und schwierig sein. Wir sind aber zuversichtlich, dass am Ende die Vernunft siegen wird.“

Auf kritische Nachfragen reagierte der Botschafter oft mit unerwarteten Antworten, die zeigten, wie schwierig es ist, mit europäischen Augen auf die Lage im Nahen Osten zu blicken. So sagte Shobokshi zur Rolle der Frau in seinem Heimatland: „Saudi-Arabien ist ein Frauenland. Frauen sind die herrschenden Figuren in der Familie, sie entscheiden über alles.“ Es gebe immer mehr Ärztinnen, Lehrerinnen oder Stewardessen: „Wir begrüßen es, wenn Frauen vorwärtskommen.“

Zum „Problem“ der absoluten Monarchie sagte Shobokshi, dass das Kabinett immer wieder auch gegen den Wunsch des Königs stimmen würde. Und was die radikale Hamas im Gazastreifen angeht, meinte Seine Exzellenz: „Wie sollen sie anders reagieren als extremistisch? Sie wurden demokratisch gewählt, die Vereinten Nationen haben die Wahlen beobachtet. Jetzt wird die Hamas boykottiert, was sollen sie da machen?“

Das Beispiel Hamas war auch für den Kirchheimer CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich ein „Schlüsselerlebnis“, wie er in der Gesprächsrunde betonte: „Eine der Kernbedingungen der USA, der UNO und der EU sind freie Wahlen. Die hat die radikale Organisation Hamas gewonnen. So haben die freien Wahlen statt Stabilität ein deutlich höheres Maß an Instabilität gebracht.“ Stabilität sei aber ein wichtiger Faktor im Nahen Osten und möglicherweise wichtiger als Demokratie nach westlichen Vorstellungen.

Dazu erwähnte der Botschafter wiederum, dass der Demokratisierungsprozess in Europa ein jahrhundertelanger Kampf gewesen sei: „Das können wir nicht in ein paar Jahren schaffen. Außerdem wollen wir aus Saudi-Arabien gar kein europäisches Land machen. Wir müssen uns allerdings am 21. Jahrhundert orientieren und aus unseren Fehlern lernen. Ich hoffe, dass wir da auf dem richtigen Weg sind.“ Verbal zumindest ist der Vertreter des Königreichs in Deutschland auf dem richtigen Weg, wenn er – auf das Thema „Hass“ angesprochen – erwidert: „Wir hassen niemanden in Saudi-Arabien, höchstens die Armut und die Ignoranz.“