Lokales

Zwei Bahnhöfe rüsten sich für die S-Bahn

"PRICE" nennt sich das Projekt der Europäischen Union, durch das die Stadt Kirchheim die Bahnhofsumfelder in Kirchheim und Ötlingen auf Vordermann bringen will. Wenn es gut geht, kann Kirchheim tatsächlich eine Art Preis gewinnen: Fördermittel in Höhe von über 300 000 Euro. Der Verband Region Stuttgart unterstützt die Stadt bei der Antragstellung.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM So viel steht für Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker fest: "Im September 2009 soll beziehungsweise wird die S 1 in Kirchheim einfahren." Aus diesem Grund sollen auch die Bahnhofsumfelder in Ötlingen und Kirchheim überholt und aufgewertet werden. Die Pläne dafür liegen schon seit einiger Zeit vor. In der jüngsten Gemeinderatssitzung ging es deshalb hauptsächlich um die Teilnahme am EU-Projekt sowie um Detailfragen zu den einzelnen Planungen. Was allerdings auch für die Oberbürgermeisterin noch nicht feststand, war die Frage, ob die erwünschten Fördergelder tatsächlich fließen werden: "Wir müssen noch darum kämpfen und sind noch lange nicht am Ziel." Dennoch bestehe berechtigte Hoffnung auf eine entsprechende Zuteilung aus den Fördertöpfen.

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Dr. Jürgen Ludwig, Europakoordinator beim Verband Region Stuttgart, sprach ebenfalls von einem "hochwettbewerblichen Verfahren", in dem sich Kirchheim und die Region mit zahlreichen anderen Regionen im Konkurrenzkampf um knappe Mittel befänden. Die Höchstförderquote liege zwar bei 50 Prozent der benötigten Mittel, aber die Stadt Kirchheim tue gut daran, vorsichtig zu kalkulieren und maximal 40 Prozent als Förderung einzukalkulieren. Bei dem gesamten Projekt gehe es aber nicht nur ums Geld, sondern auch um den Erfahrungsaustausch mit anderen beteiligten Regionen in Nordwesteuropa.

Ein wichtiges Ziel des Projekts "PRICE" bestehe darin, "die Hochgeschwindigkeitsverkehre auf der Schiene mit der Steigerung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit zu verknüpfen". Vor allem solle die Verkehrsinfrastruktur stärker in den Raum hineinwirken. Für Kirchheim und Ötlingen bedeute das konkret, dass durch die S-Bahn eine bessere Verbindung zum Hochgeschwindigkeitsverkehr entsteht sei es über den Stuttgarter Hauptbahnhof als Knotenpunkt oder über den neuen Bahnhof auf den Fildern. Auch Jürgen Ludwig erwähnte "Risiken" im Wettbewerb um die Fördergelder, zeigte sich aber ebenfalls zuversichtlich, was die Kirchheimer Bewerbung betrifft: "Damit kann man ins Rennen gehen."

Kirchheims Planungsamtsleiter Dr. Hermann-Lambert Oediger stellte anschließend die Maßnahmen noch einmal kurz vor. Am Kirchheimer Hauptbahnhof gehe es jetzt darum, den östlichen Teil des Eugen-Gerstenmaier-Platzes umzugestalten. Dabei soll unter anderem das Kioskgebäude abgerissen werden. Die Unterführung unter den Bahngleisen wird außerdem umgestaltet. Die Treppe ist zu erweitern, und in die Unterführung soll mehr Licht fallen.

Am Ötlinger Bahnhof werden unter anderem rund 40 neue Parkplätze entstehen. Die Bushaltestelle wird verlegt und der Straßenverlauf begradigt. Auch in Ötlingen geht es darum, die Unterführung aufzuhellen und bessere Einblicksmöglichkeiten zu schaffen. Ortsvorsteher Hermann Kik zeigte sich im Gemeinderat erfreut, dass der "Schandfleck" am Ötlinger Bahnhof bald der Vergangenheit angehören werde. Schließlich sei Ötlingen "auch schienenmäßig das Eingangstor zur Großen Kreisstadt Kirchheim". Der Ötlinger Ortschaftsrat, der den Planungen einmütig zugestimmt habe, hoffe auf eine pünktliche Umsetzung der Maßnahmen.

Die Redner der einzelnen Fraktionen und Gruppierungen im Gemeinderat begrüßten den möglichen europäischen Geldsegen für Kirchheim. Für Andreas Schwarz von der Grünen Alternative war es besonders wichtig, die "Funktionalität und Attraktivität" der beiden Bahnhöfe zu verbessern und damit den ÖPNV zu stärken. Birgit Müller (Frauenliste) bedauerte, dass sich die geplante Rampe an der Kirchheimer Bahnhofsunterführung nicht verwirklichen lasse. Die angekündigten Schienen für Fahrräder oder Kinderwagen an der erweiterten Treppe hielt sie aber für einen "gangbaren Weg".

Auf die Eigenbeteiligung der Stadt Kirchheim in Höhe von 570 000 Euro verwiesen die Stadträte Hagen Zweifel (Freie Wähler) und Bernhard Most (FDP/KiBü). Hagen Zweifel sah aber den entscheidenden Vorteil, dass die "jahrzehntelangen Versuche, die S-Bahn nach Kirchheim zu bekommen", nun von Erfolg gekrönt zu sein scheinen. Und Bernhard Most betonte, dass die Stadt auch ohne Fördermittel nicht um die Maßnahmen an den beiden Bahnhöfen herumkommen würde.

In den Wettbewerb um die europäischen Fördermittel wollten alle Fraktionen uneingeschränkt eintreten: Der Beschluss, am EU-Projekt "PRICE" teilzunehmen und die Kirchheimer Eigenmittel in den Haushaltsplan für 2008 aufzunehmen, fiel einstimmig.