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Zwei Drittel wählen Susanne Jakob

Bürgermeisterwahl in Holzmaden entscheidet sich bereits im ersten Wahlgang

Holzmaden bekommt eine Bürgermeisterin: Susanne Jakob konnte sich bereits im ersten Wahlgang mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gegen ihre vier Mitbewerber durchsetzen. Im April kann sie die Nachfolge des scheidenden Bürgermeisters Jürgen Riehle antreten.

Bürgermeisterwahl Holzmaden
Bürgermeisterwahl Holzmaden

Holzmaden. Vor den Augen einer großen interessierten Öffentlichkeit ist im Sitzungssaal des Holzmadener Rathauses, der zuvor noch als Wahllokal gedient hatte, ab 18 Uhr die Auszählung zügig vorangegangen. Die einzelnen Haufen auf dem runden Ratstisch ließen schon nach kurzer Zeit erahnen, dass der erste Wahlgang auch der letzte sein dürfte: Bei jeder einzelnen Zählgruppe zeigte sich jeweils ein Stimmzettel-Stapel, der deutlich höher war als alle anderen.

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Welcher Name aber auf diesen Zetteln angekreuzt war, das blieb noch im Unklaren – bis Jürgen Riehle, Bürgermeister und Wahlleiter in einer Person, um 18.32 Uhr das Endergebnis der Bürgermeisterwahl verkündete. „Halb sieben hatten wir uns als sportliches Ziel gesetzt, um mit der Auszählung fertig zu sein. Das haben wir nicht ganz erreicht“, flachste er, bevor er bekannt gab, wer seine Nachfolge antreten wird.

Nicht von hinten nach vorn, wie es dem Show-Prinzip entsprechen würde, sondern ganz sachlich und amtlich mit der höchsten Stimmenzahl beginnend, las er die Namen der Kandidaten und ihre Ergebnisse vor. Auf die Aussage, dass Susanne Jakob 830 Stimmen und damit 67,5 Prozent aller gültigen Stimmen erhalten hatte, folgte im Ratssaal lang anhaltender Beifall. Das wesentliche war damit gesagt, denn die absolute Mehrheit – 50 Prozent plus eine weitere Stimme – war mehr als erreicht. Statt der notwendigen Hälfte aller Wähler hatten sich sogar über zwei Drittel für die 28-jährige Naberner Ortsvorsteherin entschieden.

Applaus gab es im Anschluss auch für die weiteren Bewerber und deren Ergebnisse: Markus Ocker hatte 316 Stimmen erhalten, was 25,7 Prozent der gültigen Stimmen entspricht. Deutlich abgeschlagen landete Jörn Schlicher mit 52 Stimmen (4,2 Prozent) auf Platz drei, gefolgt von Florica-Valentina Strauß (22 Stimmen; 1,8 Prozent) und Hans-Jörg Nordmeyer (5 Stimmen; 0,4 Prozent). Weiteren Beifall erhielt Jürgen Riehle, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Wahl angetreten war, als er hinzufügte: „Ich selbst darf mich für die restlichen vier Stimmen bedanken.“

Noch bevor Susanne Jakob den obligatorischen Blumenstrauß für ihren Wahlsieg überreicht bekam, setzte sie im Sitzungssaal zu einer ersten Ansprache an die Holzmadener an. „Über dieses Wahlergebnis bin ich mehr als überrascht“, sagte sie und ergänzte: „Positiv überrascht. Das hätte ich mir so nicht erträumt.“ Ihren Wählern dankte sie für das entgegengebrachte Vertrauen, und denjenigen, die sie nicht gewählt hatten, versprach sie: „Ich werde in den nächsten Jahren alles dafür tun, um mir auch Ihr Vertrauen zu erwerben.“

Ein weiterer Dank der designierten Bürgermeisterin galt den zahlreichen Wahlhelfern, und abschließend würdigte Susanne Jakob die Wahlbeteiligung, die bei 69,4 Prozent lag: „Die hohe Wahlbeteiligung ist überwältigend. Das ist ein guter Tag für Holzmaden. Es ist ein Zeichen für eine lebendige Demokratie und für ein lebendiges Dorfleben.“

Von 1 727 Wahlberechtigten waren 1 230 auch zum Wählen gegangen. Ein Stimmzettel war ungültig, sodass es insgesamt 1 229 gültige Stimmen gab. In der Tat kann sich diese Wahlbeteiligung sehen lassen, vor allem auch im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Bürgermeisterwahlen in Holzmaden: Als Jürgen Riehle 1998 zum Nachfolger von Jürgen Berner gewählt worden war, lag die Wahlbeteiligung bei 70,8 Prozent und damit nur unwesentlich höher als gestern. Bei Jürgen Riehles Wiederwahl 2006 hatten 64,8 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht.

Neu war bei dieser Bürgermeisterwahl, dass erstmals auch 16-Jährige zum Urnengang aufgerufen waren. Mit Beginn des Jahres 2014 ist das Alter der Wahlberechtigten bei Kommunalwahlen in Baden-Württemberg von 18 auf 16 Jahre gesenkt worden. In Holzmaden waren 52 Jugendliche von dieser Regelung betroffen. Wie viele von ihnen sich wirklich an der Wahl beteiligt haben, das müsste gegebenenfalls noch zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet werden. Auf jeden Fall stellte Bürgermeister Riehle in seiner Eigenschaft als Wahlleiter fest: „Wir sind wohl eine der ersten Gemeinden im ganzen Land, in denen 16-Jährige bei einer Bürgermeisterwahl wählen konnten.“

Das Holzmadener Rathaus dürfte sich im April in ein „Frauenhaus“ verwandeln, denn von der Chefin bis zur Auszubildenden wird es ausschließlich Mitarbeiterinnen geben, sobald Jürgen Riehle die Kommandobrücke verlässt – von den zwei Mitarbeitern des Bauhofs einmal abgesehen.

Und Nabern? Dort wird die Ortsvorsteher-Stelle neu auszuschreiben sein. Das ist der übliche Vorgang, der auch dieses Mal wieder routiniert ablaufen dürfte. Helmut Kapp, stellvertretender Ortsvorsteher in Nabern, hat sich bereits darauf eingestellt, dass er in nächster Zeit wieder mehr zu tun bekommt als kommissarischer Ortsvorsteher. Das war schon 2006/2007 so, nachdem Nicolas Fink Bürgermeister von Aichwald geworden war, und 2010, nachdem Clemens Moll seinen Posten als Bürgermeister in Amtzell angetreten hatte. „Ich mach‘ das jetzt auch gerne für Susanne Jakob, sie hat‘s verdient“, sagte Helmut Kapp gestern im Holzmadener Rathaus – kurz bevor auf dem Vorplatz der Musikverein zum traditionellen Ständchen ansetzte.