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Zwei Klaviere auf der Bühne

Zwei Klaviere auf der Bühne das hat es in der nunmehr 40-jährigen Geschichte des clubs bastion noch nicht gegeben, und dass Axel Zwingenberger, einer der weltbesten Boogie-Woogie-Pianisten dem altehrwürdigen Gewölbekeller die Ehre geben würde, das hätten die Veranstalter vor einem Jahr noch kaum zu träumen gewagt.

USCHI NEROLADAKIS

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KIRCHHEIM Zu verdanken ist dies Frank Muschalle, ebenfalls ein herausragender Pianist, der in den letzten Jahren schon mehrfach mit seinem Trio im club bastion gastierte und offenbar hervorragende Kontakte zu seinem Freund und Kollegen hat. So konnte schließlich dieses musikalische Gipfeltreffen zweier Boogie-Woogie-Größen in Kirchheim vorbereitet werden und zwar gleich für zwei Abende dass diese rasch ausverkauft sein würden, war vorhersehbar.

Die beiden Künstler wurden mit begeistertem Beifall des Publikums empfangen und begannen den Abend vierhändig und temperamentvoll swingend an zwei Klavieren.

Danach konnte "Nesthäkchen" Frank Muschalle die Besucher mit seinem solistisches Programm beeindrucken. Als echter "Schnulzenfan" wechselte er zwischen flotten Boogie-Stücken, zum Teil aus eigener Feder, und wunderbar schmachtendem Blues wie etwa dem "Blues hang over" von Lloyd Glenn und überzeugte durch technische Brillanz und mitreißende Spielfreude. Er verstand es auch dieses Mal, mit humorvollen Anekdoten und lockeren Sprüchen das Publikum für sich zu gewinnen.

Axel Zwingenberger gehört unbestritten zur Weltspitze und arbeitete auch schon mit Größen wie Lionel Hampton, Big Joe Turner und Champion Jack Dupree zusammen um nur einige zu nennen. Er ist ein exzellenter Boogie-Virtuose und tritt seit Jahren nur noch in großen Sälen auf, aber um es mit Frank Muschalle zu sagen "dieses Mal spielt er auch gern in der Carnegie-Hall von Kirchheim".

Zwingenberger spielte als Solist hinreißende eigene Stücke wie "Lexington Avenue Patrol" und "Little Eva's Dance", ein Stück, das er seiner Tochter gewidmet hat, aber auch Klassiker wie zum Beispiel Hersal Thomas' "The Fives" und von C. C. Davenport den "Cow Cow Blues".

Zu Axel Zwingenbergers Markenzeichen gehören immer auch auffallende Schuhe, und so stampfte er in Kirchheim im Gewölbekeller mit feuerrotem Schuhwerk den Takt zu Albert Ammons' "Boogie Woogie Stomp". Als begeisterter Dampflok- Experte ließ er in seiner Komposition ,,Thundertrain" einen Zug energiegeladen über die Tasten rollen und das begeisterte Publikum wurde von dieser Dynamik regelrecht mitgerissen. Da wurde geschnipst, geklatscht, gejohlt und gepfiffen es war wohl keiner im Raum, der da noch ruhig sitzen konnte.

Dem Mann, der in früheren Zeiten die Menschen seiner Heimatstadt Hamburg am meisten geärgert hat, widmete er auch ein Stück: den "Störtebecker Stomp".

An beiden Abenden im club bastion gab es bei der herbeigeklatschten Zugabe ein besonderes Schmankerl: einen dritten Pianisten. Am Freitag war es der 14-jährige Sascha, ein Schüler von Steve "Big Man" Clayton, der in der Bastion auch kein Unbekannter ist, und am Samstag Julian Phillips, ein englischer Pianist, der zurzeit noch mit Frank Muschalle unterwegs ist.

So bot sich vor allem den Zuschauern auf der Galerie ein unvergleichliches Bild: drei Pianisten bewiesen ihre Fingerfertigkeit an zwei Klavieren und gelegentlich sah man sogar sechs Hände auf einem Instrument. Die Musiker feuerten sich gegenseitig an und das Publikum ging begeistert mit.

Es bleibt zu hoffen, dass nicht nur dem Publikum dieser Abend als ein unvergleichliches Ereignis in Erinnerung bleibt und sich diese fantastischen Musiker irgendwann wieder zu einer willkommenen "Wiederholungstat" im Gewölbe der Bastion treffen werden.