Lokales

Zwei schwebende "Betrachter" zwischen altem und neuem Rathaus

Bögen als Beziehungselemente, die sich wiederholende Figur des sitzenden "Betrachters" der Künstler Andreas Grunert hat für den Erweiterungsbau des Weilheimer Rathauses ein Konzept entwickelt, das die Bewertungskommission überzeugte. Die vier Teile seines Entwurfs greifen auf unterschiedliche Art das Thema Kommunikation auf.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Die Übereinstimmung von Form und Inhalt in der Arbeit von Andreas Grunert aus Hechingen-Beuren war es unter anderem, die die Jury aus Bürgermeister, Architekt Karl-Heinz Single, vier Gemeinderäten sowie den Professoren Johannes Hewel und Werner Pokorny überzeugte. Dazu die leise Ironie der an Scherenschnitte erinnernden Figuren, die sich wie ein "roter Faden" durch die vier künstlerischen Arbeiten am neuen Rathaus ziehen werden.

Bereits vor einem Jahr hatte der Gemeinderat beschlossen, entgegen der Faustformel, für Kunst am Bau zwei Prozent der Bausumme auszugeben, angesichts knapper Kassen auf ein Prozent oder 50 000 Euro herunterzugehen. "Dafür haben wir recht viel bekommen", meinte Bürgermeister Hermann Bauer in der jüngsten Gemeinderatssitzung in schwäbisch-sparsamer Manier. Beschränkten sich die übrigen fünf eingeladenen Künstler mit ihren Entwürfen meist auf die Gestaltung eines Bereichs, so werden Grunerts Schattenrisse Passanten ebenso begegnen wie Gemeinderäten in ihren Beratungen. Die Form des runden Tisches aufnehmend soll ein zu einem Oval verformter Kreis aus einem teleskopartigen Fernrohr aus fünf Millimeter dickem Eisenstahl den Raum schmücken. "Am Ende schaut das Fernrohr die Person wieder an, die am Anfang hineinschaut", erklärte der 58-jährige Künstler zu dem Relief. "Die Menschen im Sitzungssaal kreisen in gewissem Sinn mit Worten und Argumenten; am Schluss steht vielleicht auch die Selbstbefragung."

Je ein gestaltetes lichtundurchlässiges Fenster in der Glasfassade von Bürgerbüro an der Nordwestecke und Stadtinfo an der Südwestecke des Sonderbaukörpers werden ebenfalls Aspekte der Kommunikation aufgreifen: Zum einen eine Figur, die in eine Art Füllhorn oder Trichter bläst beziehungsweise spricht, zum anderen zwei Spindeln, Kreisel oder Sicherungen, die dem Künstler zufolge an Energieaustausch erinnern sollen. Zudem tauchen hier wieder die typisch Grunertschen "Betrachter" auf im Sessel sitzende Figuren, die die Szenerie auf sich wirken lassen. Sie finden sich auch, verbunden durch einen feinen "Steg", vor einem wolkigen graublauen Hintergrund auf dem oberen Teil der Glasfuge zwischen neuem und altem Rathaus. Diese "Brücke" animierte auch das Gros der übrigen fünf Künstler. Zur genauen Farbgebung einzelner Elemente wollte sich Grunert noch nicht festlegen, sondern abwarten, bis der Bau steht und die Räume gestaltet sind.

Trotz frühzeitig angeleiertem Wettbewerb: Einer der Entwürfe fiel durch, weil er nicht realisierbar gewesen wäre. Ein an den Aufzug gekoppelter Kronleuchter in der Mitte des Langhauses, der zwischen den Stockwerken rauf und runter gefahren wäre. In den Decken eingezogene Leitungen vereitelten die Machbarkeit dieser pfiffigen Idee.

"Die große Mehrheit der Jury hat sich für die Arbeit von Andreas Grunert entschieden", sagte Hermann Bauer auch in der gestrigen Pressekonferenz. Seiner Ansicht nach besticht der Entwurf "durch Nachhaltigkeit, geistigen Anspruch, einen gewissen Witz und weil er den Betrachter herausfordert". Auf dem zweiten Rang des beschränkten Wettbewerbs landete Christina Bäuerle aus Ludwigsburg, Mirja Wellmann aus Stuttgart wurde mit ihrem Entwurf Dritte. Bei zwei Enthaltungen nahm der Weilheimer Gemeinderat vom Ergebnis Kenntnis.

INFODie sechs eingereichten Arbeiten werden am kommenden Samstag, 19. November, von 10 bis 12 Uhr und am Sonntag, 20. November, von 15 bis 18 Uhr in der Mörikestube im Bürgerhaus am Marktplatz ausgestellt.