Lokales

Zweite Bluttat schnell gesühnt

Der 28-jährige Pole Darius S., der vom Stuttgarter Landgericht zusammen mit zwei weiteren Mitbeschuldigten wegen des Mordes an einem 62-jährigen Strickmeister in dessen Gartengrundstück in Weilheim zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, ist von einem dänischen Schwurgericht in Kopenhagen erneut wegen Mordes zu weiteren zwölf Jahren Haft verdonnert worden.

BERND WINCKLER

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WEILHEIM/KOPENHAGEN Die Dänische Justiz benötigte nur vier Prozesstage, um den Mord an einem 17 Jahre alten Afrikaner aufzuklären und zu sühnen. Darius S., den die 4. Große Strafkammer in Stuttgart am 8. Dezember letzten Jahres wegen heimtückischen Habgiermordes zu lebenslang, plus Schulderschwernis (heißt keine Freilassung nach 15 Jahren) aburteilte, hatte in einem zweiten Mordprozess in Dänemark ein Geständnis abgelegt, während er in Stuttgart die Ermordung des 61-jährigen Weilheimers seinen beiden Mitangeklagten zuschob. Sein mitangeklagter Landsmann Marius K. wurde zu 7 Jahren Haft und die damals 19-jährige Freundin von S. zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die 19-Jährige durfte nach der Stuttgarter Urteilsverkündung wieder in ihre polnische Heimat reisen.

Darius S. hingegen wurde an die Dänische Justiz ausgeliefert. Das 17-jährige Opfer hatte er nach seiner Flucht nach dem Weilheimer Mord in Kopenhagen in einem Hotel kennengelernt. Nach dem gemeinsamen Rauchen von Haschisch in dem Hotelzimmer hatte der Pole den Afrikaner mit einer Schere erstochen. Die dänische Polizei hatte Darius S. schnell gefasst und auch schnell festgestellt, dass er auch wegen des Weilheimer Mordes international gesucht wurde. Man lieferte ihn zunächst nach Stuttgart aus.

Nachdem die hiesige vierte Strafkammer in einem aufwendigen Prozess, der von Befangenheitsanträgen und Beweisanträgen geprägt war, dann doch noch vor Jahresende ein Urteil fällen konnte, ging die vergitterte Reise des Polen wieder zurück nach Kopenhagen. Dort wird er vorerst die nun gegen ihn verhängte zwölfjährige neue Haftstrafe verbüßen. Erst danach soll er in Deutschland sein Lebenslang antreten. Allerdings läuft wegen dieses Urteils noch eine Revision beim Bundesgerichtshof. Sollten die Karlsruher Richter diese Revision verwerfen, würden die dänischen Richter sogar auf die Vollstreckung ihrer zwölf Jahre ganz verzichten. S. würde das aber nicht viel bringen. Schließlich muss er dann wegen des Weilheim-Mordes zunächst 15 Jahre einsitzen. Danach bleibt er auf unbestimmte Zeit hinter Gittern so will es das Gesetz der "Besonders schweren Schuld".