Lokales

Zweite Runde für Ärzteproteste

Kommende Woche bleiben viele Arztpraxen in ganz Baden-Württemberg geschlossen. Die Mediziner werden politisch aktiv. In Kirchheim und Umgebung können sich Patienten mit akuten Leiden am Montag, 16. Januar, und am Freitag, 20. Januar, an die Notfallpraxis im Krankenhaus wenden.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Statt sich den weißen Kittel anzuziehen und den Rezeptblock bereitzulegen, strömen die niedergelassenen Ärzte zu einer Vollversammlung in die Kirchheimer Stadthalle. Bei dieser Veranstaltung mit verschiedenen Fachleuten aus dem Bereich Gesundheit und mit Politikern, die am Montag, 16. Januar, um 11 Uhr beginnt, sind auch interessierte Bürger willkommen.

Dabei wird es ausgiebig um die brennenden Probleme der Gesundheitspolitik gehen. "Wir stellen unseren Forderungskatalog vor", kündigt Dr. Martin Häberle vom Ärzteverband Medi NT an. Dazu gehört der Abbau unsinniger Bürokratie ebenso wie das Ende der Budgetierung bei Arzneien und Heilmitteln. Statt dessen werden unter anderem feste Honorare und mehr Transparenz verlangt.

Die Niedergelassenen verweisen auf immer schlechtere Rahmenbedingungen, die bis zu konkreten Existenzsorgen führen. Das bekommen auch die Patienten zu spüren. Aktuell sorgt die für den Arzneimittelbereich geplante Bonus-Malus-Regelung für zusätzlichen Ärger unter den Medizinern. In einem offenen Brief an die hiesigen Bundestagsabgeordneten hatten die Ärzte diese Regelung als "Offenbarungseid der Gesundheitspolitik" bezeichnet. Die Kritik der Ärzte richtet sich unter anderem darauf, dass Ärzte mit einem finanziellen Bonus geködert würden, wenn sie Kosten an den Patienten einsparten, beziehungsweise Bestrafung erführen bei Mehrausgaben.

All dies wird Thema der Veranstaltung am Montag in der Stadthalle sein. Auf dem Podium sitzen Vertreter der Kreisärzteschaft und des Medi-NT-Verbundes. Als Gäste haben sich bereits Professor Kolkmann, Ehrenpräsident der Landesärztekammer, Dr. Kaiser von der Landesapothekerkammer, eine Vertreterin des Arzthelferinnenverbandes, Dr. Fabian vom Marburger Bund, der Vertretung der angestellten Ärzte, AOK-Vorstandsmitglied Heinz Decker, CDU-MdB Michael Hennrich und SPD-MdL Carla Bregenzer angekündigt.

In der gesamten kommenden Woche erfolgen im Land Baden-Württemberg tageweise Praxisschließungen, nach Regionen geordnet. Das haben die niedergelassenen Ärzte, als sie am 14. Dezember erstmals die Pforten ihrer Praxen schlossen, gemeinsam so bestimmt. Den Anfang macht am Montag die Region Nordwürttemberg, zu der auch Kirchheim und Umgebung gehört. Am Dienstag folgt Nordbaden, am Mittwoch Südbaden und am Donnerstag Südwürttemberg. Am Freitag, 20. Januar, schließen die Niedergelassenen ihre Praxen landesweit, um bei einer Großveranstaltung in Sindelfingen über einen neuen Forderungs- und Maßnahmenkatalog abzustimmen.

INFONotfälle werden natürlich behandelt, auch an den Streiktagen. In Kirchheim und Umgebung können sich Patienten an die Notfallpraxis im Kirchheimer Krankenhaus wenden. Die Telefonnummer lautet 07021/19292.Der ärztliche Notdienst für Ebersbach und Schlierbach ist wie folgt geregelt: Am Montag sind Dr. Schinkmann und Dr. Hock dienstbereit. Am Freitag ist ganztägig Dr. Kling der richtige Ansprechpartner für Notfälle, vormittags auch Dr. Schüle. Alle praktizieren in Ebersbach.