Lokales

Zweite Runde für zehn "starke Helfer"

Vielerorts setzen sich Einzelpersonen und ganze Gruppen für eine gute Nachbarschaft ein. Das beweist die Resonanz auf den Ehrenamtspreis "Starke Helfer" 2005, der heuer unter dem Motto "Netzwerk Nachbarschaft" steht. Zehn Projekte wurden jetzt aus den Reihen der Einsendungen für die zweite Runde ermittelt.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Eines hat der Preis jetzt schon ergeben: Allerorten wird eifrig von engagierten Menschen am "Netzwerk Nachbarschaft" geknüpft. Die Auswahl unter den eingereichten motivierten Projekten fiel wahrlich schwer, doch nun sind die Würfel gefallen. Die zehn Projekte der zweiten Runde werden innerhalb der nächsten Wochen ausführlich im Teckboten vorgestellt. Danach ermittelt die Jury den oder die Gewinner des diesjährigen Ehrenamtspreises Starke Helfer, ausgelobt von der Stiftung Kreissparkasse und dem Teckboten. Im folgenden werden die Projekte kurz umrissen.

Vorgeschlagen wurden die Nachbarn der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung in der Kirchheimer Saarstraße. Seit dem Einzug der 24 Erwachsenen mit Behinderung in das dortige Wohnheim vor zehn Jahren erfahren Bewohner, Mitarbeiter und Leitung große Unterstützung durch Menschen aus der Umgebung. Beispielsweise engagieren sich Nachbarn im Cafe Paradiesle der Lebenshilfe oder planen mit Bewohnern Veranstaltungen und Feste. Eine Nachbarin begleitet den Heimbeirat, und auch der Alltag ist mit gelegentlichen Schwätzle und einem selbstverständlichen Miteinander von guter Nachbarschaft geprägt.

Noch neu und hochmotiviert ist der Dettinger Verein "Forum Altern", der mit vorbildlichem Engagement zu einer besseren Nachbarschaft in der Gemeinde beiträgt. Mit über einem Dutzend ehrenamtlicher Helfer bietet der Verein Möglichkeiten der Begegnung, Betreuung und Hilfe für Ältere, Beratungen, Begleitung, Besuchsdienste, Ausflüge und vieles mehr. Mit diesem Engagement trägt "Forum Altern" auch dazu bei, dass Dettinger Senioren so lange wie möglich ihre Selbstständigkeit in nachbarschaftlicher Eingebundenheit erhalten können und ihre Lebensqualität verbessert wird.

Im Deutschkurs-Projekt "Klein anfangen" sind 16 Frauen aus ganz verschiedenen Berufen engagiert, um Frauen aus Migrantenfamilien Deutsch beizubringen. Natürlich gehen die Kontakte dabei über die bloße Sprachvermittlung hinaus. Längst sind enge persönliche Kontakte entstanden, die ehrenamtlich Engagierten stellen eine "Brücke" für die Migrantinnen in die deutsche Gesellschaft dar. Gemeinsam erfolgt der Gang auf Ämter, in die Schule und vieles mehr. Erreicht werden durch dieses Angebot auch Frauen, die bisher nur Kontakte innerhalb ihrer eigenen ethnischen Gruppe hatten.

Ein Paradebeispiel für ganz persönliches nachbarschaftliches Engagement ist Hannelore Kurz, die sich in vielen Bereichen in Kirchheim unauffällig aber intensiv einbringt. Vorgeschlagen wurde sie von einer Frau, der sie persönlich ohne eigene Interessen bei der Bewältigung ihres Alltags unter die Arme greift.

An vielen Stellen engagiert ist auch das vielköpfige Team vom Bürgerbüro Kirchheim. Alle Angebote dort sind kostenlos und werden ausschließlich von Ehrenamtlichen betreut. Vorbildlichen Einsatz im Sinne nachbarschaftlicher Unterstützung liefert das Bürgerbüro-Projekt WOKI Wohnen in Kirchheim. Es handelt sich dabei um ein Modell für generationsübergreifendes gemeinschaftliches Wohnen. Regelmäßig finden sich Menschen zusammen, deren Ziel selbstbestimmtes Wohnen mit praktizierter lebendiger Gemeinschaft ist. Dabei spielen gegenseitige Hilfeleistungen einerseits und gemeinsames Feiern andererseits eine wichtige Rolle.

Mit dem Kleinreparaturdienst "Senioren helfen" hat Jörg Leiber mit seinem Team schon so manchem einsamen Senior aus der Patsche geholfen. Der Dienst unter dem Dach der evangelischen Gesamtkirchengemeinde hilft bei Kleinigkeiten, etwa beim Abschneiden wilder Ranken, beim Aufhängen von Bildern und ähnlichen Verrichtungen. Natürlich geht es dabei auch um Kontakte.

Schon mehrfach ins Licht der Öffentlichkeit getreten mit Nachbarschaftsprojekten ist die Gruppe Klosterviertel. Im gleichnamigen Kirchheimer Stadtteil veranstaltet sie Feste und fördert die Kommunikation untereinander. Seit Anfang 2004 sind hier auch geschulte Mentoren aktiv. Die Themenfelder, die gemeinsam beackert werden, umfassen auch Ideen für verkehrsberuhigende Maßnahmen oder Impulse zum Älterwerden. Außerdem treffen sich Nachbarn aber auch einfach so zur Freizeitgestaltung wie zum Beispiel im Rahmen eines Lauftreffs.

Neue Wege beschreitet bekanntlich das Jugendhaus Linde unter dem Titel Linde Jugend & Kultur. Sie versteht sich als Einrichtung des Gemeinwesens, als eine Art Marktplatz mit Treff- und Kontaktmöglichkeiten. Der Fokus zahlreicher Projekte liegt klar auf dem nachbarschaftlichen Gemeinwesen und der ehrenamtlichen Arbeit von Jugendlichen. Angeboten wurden bereits Internet- und Handykurse für Senioren, aber auch Kinderprogramme oder Treffs für Frauen und junge Mütter.

Die Ökumenische Besuchsdienstgruppe in Gutenberg umfasst 15 Frauen und Männer verschiedenen Alters, die ältere, kranke und behinderte Einwohner in den Lenninger Ortsteilen Gutenberg, Krebsstein und Schlattstall besuchen. Hier gibt es viele persönliche Patenschaften zwischen den ehrenamtlichen Helfern und Einwohnern, die ihre Wohnung kaum noch oder gar nicht mehr verlassen können. Über diese Besuche und Hilfsdienst hinaus steigen auch regelmäßig Sonderprojekte und Aktionen wie zum Beispiel Ausflüge.

Fünf starke Helfer sind aus dem Tätigkeitsbereich des KIZ, des Kommunikationszentrums für interkulturelle Zusammenarbeit in Kirchheim erwachsen. Sie gestalten Jugendtreffs in Kirchheim aktiv ehrenamtlich mit und sind Ansprechpartner beispielsweise am Rambouilletplatz. Es handelt sich dabei um Niko Steinhauer, Sergej Maisner, Waldemar Kolomiez, Marina Katsnelson und Angelika Gölz.