Lokales

Zweiter Prozess folgt

Nürtinger Drogenbrüder sind verurteilt

Wegen Handeltreibens mit Rauschgift in großen Mengen muss ein 45-jähriger Mann aus Nürtingen zwei Jahre und vier Monate lang hinter Gitter. Sein 38-jähriger Bruder kam gestern nach wochenlanger Verhandlung am Stuttgarter Landgericht wegen Drogenbesitzes mit einer 16-monatigen Bewährungsstrafe glimpflich davon. Beide müssen sich demnächst erneut wegen Drogenhandel vor Gericht verantworten.

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BERND WINCKLER

Nürtingen. In der dicken Anklageschrift war noch die Rede von Marihuana im Bereich von bis zu 30 Kilogramm, von tausenden Ecstasy-Tabletten und verbotenen Amphetaminen sowie Kokainhandel. Dafür hätte es fast zehn Jahre Haft setzen können, meinte ein Gerichtssprecher.

Doch nach Anhörung eines Nürtinger Drogen-Aussteigers, der sich der Staatsanwaltschaft als Kronzeuge zur Verfügung stellte, sah die Beweislage anders aus. Die Aussagen des Zeugen waren widersprüchlich und nur teilweise verwertbar. Geblieben waren Rauschgiftmengen von insgesamt zwei Kilogramm minderer Qualität, die sich der 45-Jährige von einem Kurier aus den Niederlanden in seine Nürtinger Wohnung liefern ließ. Von dort aus wurde das Rauschgift zu 90 Prozent an Süchtige im ganzen Kreis Esslingen verkauft. Aufgrund seines vollen Geständnisses urteilten die Juristen milde und beließen es bei zwei Jahren und vier Monaten Haft, die der Mann jedoch verbüßen muss.

Sein Bruder war am Handel nicht beteiligt, galt also nur noch als Rauschgiftbesitzer. Er durfte den Stuttgarter Gerichtssaal als freier Mensch verlassen, nachdem er eine Bewährungsstrafe von 16 Monaten auferlegt bekommen hatte. Als Bewährungsauflage muss er allerdings eine Geldbuße in Höhe von 1 500 Euro an die Stuttgarter Bewährungshilfe zahlen.

Damit sei aber der Fall noch nicht zu Ende, erklärte der Vorsitzende Richter bei der gestrigen Urteilsverkündung. Ein zweiter Zeuge, den inzwischen eine andere Stuttgarter Strafkammer wegen Drogenhandels zu neun Jahren Haft verurteilt hat, hat in seiner glaubhaften Aussage nicht nur sich selbst, sondern auch die Nürtinger Brüder in weiteren 21 Fällen des Rauschgifthandels schwer belastet. Daraufhin erstellte die Staatsanwaltschaft eine dicke Nachtragsanklage.

Die jedoch konnten die Richter aus formaljuristischen Gründen jetzt nicht mitverwerten. Nach einer neuen Ermittlungszeit wird ein neuer Prozesstermin anberaumt. Darin soll es nach vorläufiger Auskunft der Anklagebehörde um Rauschgift im Bereich von 135 Kilogramm, um 15 000 Ecstasy-Tabletten und 30 Kilogramm Amphetamine gehen.