Lokales

Zweiter Versuch

Weilheim hat sie, Nürtingen, Plochingen, Schorndorf, Ebersbach und viele andere auch: die "nette Toilette". "Warum schafft das Kirchheim nicht?" fragte CIK-Vertreter Wolfgang Schuler fassungslos im Ratsrund. Nun will sich der angehende Rentner "Ich hab ja bald mehr Zeit" persönlich für das Projekt engagieren.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM 78 000 Euro hatte die Verwaltung zusätzlich im Haushalt für eine WC-Anlage bei der Tiefgarage Schweinemarkt beantragt. Eine Steilvorlage für die drei überzeugten Anhänger der "netten Toilette", neben Wolfgang Schuler noch die beiden "geistigen Mütter" der Idee von der Frauenliste. In der Hoffnung, "nicht nur Not macht erfinderisch, sondern auch Notdurft", hatten sie vor gut einem Jahr angeregt, dass Geschäftsleute für Geld ihre Örtlichkeiten zur Verfügung stellen sollten die "nette Toilette" war geboren.

Die Idee stieß auf Gegenliebe, doch an der praktischen Umsetzung hapert es. Wiederholt hatte Schuler sind nach dem Stand der Bemühungen erkundigt. Kürzlich war nun endlich ein Termin mit Gastronomen anberaumt. "Eingeladen waren alle, aber nur ich war da", erzählte Melanie Kübler (CDU) und betonte: "So etwas kann man niemandem aufbürden." Der Hotel- und Gaststättenverband warne seine Mitglieder davor aus Angst, jeder werde langfristig gezwungen, eine öffentliche Toilette vorzuhalten. Die Stadt hatte für das kundenfreundliche Angebot geworben und je nach Lage eine Entschädigung von zehn bis 50 Euro pro Monat angeboten. "Es haben sich nur zwei Wirte mit fünf Gaststätten bereit erklärt, mitzumachen", berichtete Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker. "Vielleicht sollten wir es damit versuchen", gab Ralf Gerber (Freie Wähler) zu bedenken. Denn der Handlungsdruck ist groß: Die öffentlichen Toiletten sind abschreckend, ihre Unterhaltung kostenintensiv. Beim Thema selbst reinigende Toilettenhäuschen winkte Geschäftskreisleiter Martin Zimmert gleich ab "viel zu teuer". "Wir brauchen einen Toilettenentwicklungsplan", trieb Peter Bodo Schöllkopf die Problematik auf die Spitze.

Das sah Wolfgang Schuler angesichts der finanziellen Not anders. Den Antrag auf einen neuerlichen Versuch, Gastwirte und Geschäftsleute zu überzeugen, verknüpfte er mit der Bereitschaft zu persönlichem Engagement. Der Vorschlag fand große Zustimmung. Die 78 000 Euro für die neue WC-Anlage wurden aber ebenfalls in die Planung aufgenommen.