Lokales

Zweites Portal für Biosphärengebiet

Das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb als ein Portal für das geplante Biosphärenreservat rund um den ehemaligen Münsinger Truppenübungsplatz: Esslingens Landrat Heinz Eininger sieht darin die Zukunft der bewährten Einrichtung.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN Das Schopflocher Naturschutzzentrum könnte ein Tor zu dem vom Ministerium für Ernährung und Ländlicher Raum verfolgten Biosphärengebiet im nahe gelegenen Landkreis Reutlingen werden. Bereits seit dem Frühjahr verhandelt der Esslinger Kreisverwaltungschef mit dem Tübinger Regierungspräsidium, um dieses Ziel zu erreichen. Einbezogen in das projektierte Biosphärengebiet sind bislang unter anderem Bad Urach, Münsingen und Römerstein.

Bisher wird die Stiftung Naturschutzzentrum auf der Schopflocher Alb zu 30 Prozent vom Landkreis Esslingen finanziert, 70 Prozent kommen vom Land. "Meine Sorge ist, dass das Land irgendwann sagen wird, so wenige Kilometer neben dem Biosphärenreservat brauchen wir kein weiteres Zentrum, das sich um die Belange des Naturschutzes kümmert", befürchtet Heinz Eininger. Dagegen geht er davon aus, dass das Land für einen gewissen Ersatz für die wegbrechende Kaufkraft durch den Abzug der Soldaten im Umland des Münsinger Truppenübungsplatzes sorgen wird. "Da kann man sich ausrechnen, was im staatlichen Haushalt passiert", gab er zu bedenken. Mit dem Naturschutzzentrum in die Offensive zu gehen hält er deshalb für die beste Strategie.

Eininger war mit der Information in jüngster Sitzung des Technischen Ausschusses des Esslinger Kreistags rausgerückt, weil ein Antrag der SPD-Fraktion im Zusammenhang mit dem Haushalt 2006 in genau diese Richtung gezielt hatte.

Nicht nur das Naturschutzzentrum könnte einbezogen werden. Neben Teckberg und Limburg sollen auch die Naturschutzgebiete Oberes Lenninger Tal, Torfmoor und Randecker Maar sowie der gesamte Albtrauf integriert werden. Die Albkante als "Alleinstellungsmerkmal", weil bundesweit einzigartig, könnte entscheidend dazu beitragen, dass das Biosphärengebiet überhaupt als solches ausgewiesen wird.

Der UNESCO zufolge muss das Reservat mindestens 30 000 Hektar Fläche umfassen. Dazu fehlen dem Landkreis Reutlingen derzeit noch ein paar Hektar, sodass das Tübinger Regierungspräsidium an der Hereinnahme von Flächen des Nachbarlandkreises interessiert ist. "Die brauchen außerdem ein zweites Portal in das Gebiet", erklärte Eininger. Und das könnte der Kreis mit dem Naturschutzzentrum zur Verfügung stellen. Der Landrat setzt unter anderem auf eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, zudem seien verschiedene Gespräche unter Federführung des Regierungspräsidiums Tübingen anberaumt.

Marianne Gmelin begrüßte für die SPD-Fraktion die Bemühungen des Landrats, bat jedoch um regelmäßige Information. Auch Alfred Bachofer von den Freien Wählern bestärkte die Verwaltung, "damit die Entwicklung des Naturschutzzentrums nicht zu Ungunsten des Kreises läuft".

Mit den Bürgermeistern der betroffenen Kommunen hat der Landrat bereits das Gespräch gesucht und ihnen vor Augen geführt, welche Chancen sich mit dem Biosphärengebiet für den Landkreis und insbesondere für das Naturschutzzentrum auftun. Wie Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht dem Teckboten gestern auf Anfrage mitteilte, steht die wohl am stärksten betroffene Gemeinde dem Projekt positiv gegenüber. Große Teile der fraglichen Flächen stehen bereits unter besonderem Schutz. Es sei nicht zu erwarten, dass die Auflagen für das Biosphärengebiet strenger seien, meinte der Schultes. "Endgültig werden wir aber erst entscheiden, wenn wir den Entwurf der Verordnung auf dem Tisch haben." Mit einer Portion Pragmatismus erhofft sich Schlecht von dem Biosphärenreservat sogar, dass öffentliche Gelder für Pflegemaßnahmen fließen. Diese Chance sieht auch Weilheims Rathauschef Hermann Bauer für die Gebiete wie Zipfelbachtal und Limburg.

Keine Vorbehalte hat Owens Bürgermeister Siegfried Roser dem Vorhaben gegenüber. "Grundsätzlich positiv" sieht auch Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle die Pläne. Allerdings möchte er wie sein Lenninger Kollege erst den genauen Gesetzestext abwarten.

INFODie UNESCO weist weltweit Biosphärenreservate im Rahmen des Programms "Mensch und Biosphäre" zum Schutz typischer Kulturlandschaften aus. Das Programm wurde 1970 als zwischenstaatliches, interdisziplinäres Wissenschaftsprogramm gestartet. Ziel ist unter anderem der Schutz von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt. Die Kernzonen sind in der Regel von jeglicher Nutzung ausgeschlossen, in den angrenzenden Pflegezonen ist eine schonende, naturnahe Landnutzung erlaubt. In den Entwicklungszonen ist eine nachhaltige Bewirtschaftung vorgesehen.