Lokales

Zwischen Maisfeld und Wildschweingrenze

OBERSTEINBACH "Vorsicht Kinder" warnt ein selbst gemaltes Schild am Straßenrand. Erstmal scheint das ziemlich verwunderlich, da weit und breit kein einziges Haus geschweige denn andere Menschen zu sehen sind. Doch gleich hinter dem großen Maisfeld wird klar, wo

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SARAH MEDER

sich die angekündigten Kinder verstecken. Ein großes Haus steht auf einer Wiese am Waldrand, rechts daneben sind 13 weiße Zelte aufgebaut, auf der linken Seite hebt sich ein kleines, buntes Zirkuszelt von dem grünen Gras ab. Davor sind einige Kinder zu sehen, die barfuß über einen Haufen grüner Glasscherben gehen. Daneben steht ein ebenfalls barfüßiges Mädchen seelenruhig auf einem Nagelbrett. "Da kann nichts passieren. Durch die Menge an Glasscherben oder Nägeln, verteilt sich das Gewicht auf die gesamte Fläche", erklärt Andrea Hommel. Die gelernte Erzieherin leitet nun schon seit sieben Jahren das Sommerlager in Obersteinbach, das vom Kreisjugendring Esslingen organisiert wird. Unterstützt wird sie dabei von 24 weiteren Mitarbeitern. Bei denen legt sie großen Wert darauf, dass sie stets für die Kinder präsent sind und natürlich gut mit ihnen umgehen können. Schließlich sollen sich die Kinder auf dem Lager wohlfühlen. Dass sie das tun, hat sich für Andrea Hommel auch dieses Jahr wieder bestätigt. "Wir haben unter den 105 teilnehmenden Kindern nur 20 Neulinge. Der Rest sind Wiederholungstäter."

Heimweh sei kaum ein Problem, meint die Leiterin weiter. Kein Wunder, bei dem umfangreichen Programm, das die Kinder geboten bekommen. Morgens gibt es Neigungsgruppen, für die sich die Kinder eintragen können. Dort können sie dann Fakir, Zauberer oder Jongleur spielen und alles was sonst noch mit Zirkus zu tun hat. Am Nachmittag stehen Workshops auf dem Programm. Dann werden Perlen zu bunten Krokodilen aufgereiht, mit farbigem Sand und Kleber entstehen individuelle Karten, aus großen Kalenderblättern werden mit Lineal, Schere und Kleber Tüten gebastelt, bunte Kerzen werden gezogen, Emailanhänger im eigenen Ofen selbst gebrannt und aus schwarzem Bastelpapier entstehen elegante Zylinderhüte. Wem es doch mal langweilig werden sollte, kann im angelegenen Wald auf einer von der Natur gebauten Wippe, einem umgefallenen langen Baum seine Zeit vertreiben. " Wir dürfen aber immer nur zu dritt in den Wald und nicht weiter als bis zur Wildschweingrenze", erklärt die elfjährige Jule.

Ein paar Jungs haben eine andere Beschäftigung gefunden. Eine große, graue Schlammpfütze die sich einige Meter quer durch den Wald zieht. Abwechselnd springen sie von der einen Seite zur anderen über ein morsches Brett, das in der Mitte liegt. Plötzlich landet einer der Jungs mitten in der dreckigen Brühe. "Mist! Jetzt muss ich mich umziehen", meint er, während er aus dem Loch watet und sich wie ein kleiner Hund ausschüttelt.

Auch eine Lagerzeitung wurde gegründet, die die Kinder jeden Tag selbst an einer großen Pinnwand am Haus gestalten. Für die Beiträge, wie Interviews, Gedichte, Geschichten oder den Wetterbericht erhalten die Kinder dann jeweils Gutscheine über ein paar Cent, die sie am Kiosk gegen Süßigkeiten einlösen können.

Bis zur Abreise wollen die Kinder noch ihr selbst entworfenes Mosaik fertig haben und vor dem Eingang des Hauses einbauen. Alle Steine sind schon so weit gestaltet, es fehlt nur noch der letzte Schliff, den die Mitarbeiter den bunten Vierecken gerade noch verpassen.

Für die Kinder ist heute Schluss, aber die Betreuer haben noch weitere zwei Wochen vor sich. Im zweiten Abschnitt des Camps, dem Sommerlager zwei, reisen nämlich nochmal90 Kinder an. "Es macht mir nach wie vor sehr viel Spaß hier mit den Kindern, aber nach vier Wochen ist dann auch genug", meint Andrea Hommel. Die Kinder können gar nicht genug bekommen. "Ich war schon zweimal hier und nächstes Jahr will ich auf jeden Fall auch wieder dabei sein", bestätigt Jule.