Lokales

Zwischen Nahrungsmitteln, Quarantänestation und Biogas-Anlage

Die Aufgaben des Amtstierarztes sind vielfältig, sei es die Kontrolle von Lebensmitteln, die Überprüfung der Einfuhr von Tieren und tierischen Produkten, oder die Überwachung von Biogas-Anlagen. Amtstierarzt Dr. Stehle ließ sich einen Tag auf die Finger schauen.

JANOSCH SCHENK

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KREIS ESSLINGEN Die Fleischwarenfabrik Rehm in Aichwald-Aichschieß bildete den Auftakt der Tour mit Gerhard Stehle. Hier hat der Amtstierarzt und sein Team von Veterinären und Lebensmittelkontolleuren mehrmals in der Woche zu tun, hauptsächlich zur Ausstellung von Exportzeugnissen und der Überprüfung der Unterlagen der hauseigenen Laborwerte. Denn die Firma Rehm ist wie viele andere Unternehmen auch von der Wichtigkeit von laufenden Qualitätskontrollen überzeugt und unterhält daher ihr eigenes Labor.

Im Frachtzentrum des Stuttgarter Flughafens befindet sich die tierärztliche Einfuhrstelle, die vom Landkreis Esslingen betrieben wird. Hier werden Tiere und tierische Produkte aus Nicht-EU-Staaten vor der Einfuhr kontrolliert. Der Import von Hunden, Katzen und anderen Haustieren ist an strenge Bedingungen geknüpft. So müssen die Tiere gekennzeichnet sein, sei es mit einer Tätowierung oder mit einem implantierten Microchip. Für die Tiere müssen die üblichen Impfungen nachgewiesen werden.

Sollten die Tiere diese Bedingungen nich erfüllen, so werden die Tiere beschlagnahmt und in der Quarantänestation der Grenzkontrollstelle untergebracht. Die Kosten hierfür hat der Besitzer des Tieres zu tragen. Da die Summen für die Unterbringung, die tierärztliche Untersuchung und die obligatorischen Impfungen, leicht eintausend Euro übersteigen, geben viele Menschen die Besitzrechte an ihren Tieren auf. In diesem Fall wird versucht, die Tiere ins Herkunftsland zurückzusenden, was sich in der Praxis mangels Ansprechpartner oft als schwierig erweißt. "Es ist auch schwer für die Tiere, einen Platz im Tierheim zu finden, da das Heim dann die Kosten zu tragen hat", berichtet Dr. Gerhard Stehle, "in der letzten Konsequenz sieht der Gesetzgeber vor, die Tiere einzuschläfern, aber meist findet sich ein Tierschutzverein, der sie aufnimmt."

Aber nicht nur lebende Tiere muss Stehle und sein Team untersuchen. Auch tierische Produkte, wie zum Beispiel Fleisch, Jagdtrophäen oder Knopfrohlinge aus Horn werden überprüft.

"Alles in allem kommen jährlich ungefähr 250 Sendungen zusammen. Damit sind wir im Vergleich mit Frankfurt eher eine kleine Dienststelle", erklärt Dr. Stehle.

In Ostfildern-Kemnat befindet sich der Hof der Familie Gehrung. Auf ihrem 50 Hektar großen Areal betreiben sie neben der Milchviehwirtschaft auch eine Schweinezucht mit 500 Tieren. Gehrung sammelt in der Umgebung die Speisereste der Gaststätten und Betriebe ein, um diese an die Schweine zu verfüttern. Bis zu 700 Tonnen kommen so im Jahr zusammen. Da die Europäische Union das Füttern mit Speiseresten ab Ende Oktober verbietet, musste sich der Landwirt nach anderen Verwendungsmöglichkeiten der Abfälle umsehen. Daher investierte er eine halbe Million Euro in eine Biogas-Anlage, die im Kreis Esslingen ihresgleichen sucht. Das Besondere an seiner Anlage ist, dass man neben den üblichen Betriebsmitteln wie Gülle oder Mais- und Grassillage auch verkochte Speisereste vergären kann. Diese müssen zuerst mit einem Schredder "Marke Eigenbau" zerkleinert werden, bevor man sie erhitzt, verkocht und in den Fermenter pumpt. In diesem 800 Kubikmeter fassenden Gärkessel bleibt das Gemisch aus Gülle, Speiseresten und Gras- oder Maissillage 60 Tage. Das entstehende Gas, das zu 65 Prozent aus Methan besteht, wird im Blockheizkraftwerk mit Hilfe eines Gasmotors in elektrische Energie und Heizwärme umgewandelt. Gehrung hofft, dass sich die Investitionen in elf bis zwölf Jahren amortisieren.

Da das Endsubstrat ein hervorragender Dünger ist, kann er den Mineraldünger einsparen, zudem erzeugt er seinen eigenen "grünen" Strom und Wärme. "Ich habe mich schon gefreut, als ich bei meiner Stromversorgung den Anschluss kündigen konnte und ihm gesagt habe, dass ich in Zukunft einspießen werde", berichtet Gehring mit einem Lächeln. Sobald die Biogas-Anlage Ende Oktober unter Volllast läuft, soll der überschüssige Strom ins öffentliche Netz eingespeist werden.

Die Aufgaben von Dr. Stehle beschränken sich auf dem Hof von Rainer Gehrung auf die Kontrolle der Laborunterlagen. Gehrung muss regelmäßig Proben ziehen und diese untersuchen lassen, da in der Anlage mit 38 Grad Celsius, für Bakterien optimale Lebensbedingungen herrschen. Sollte eine Beanstandung vorliegen, darf nämlich auch das Substrat nicht mehr zum Düngen verwendet werden. Aufgrund der Hygienebestimmungen sind die Biogas-Anlage inklusive der Verarbeitung sowohl räumlich als auch personell von den Ställen getrennt. "Höchstes Ziel sind Hygiene und Sicherheit", bemerken Dr. Gerhard Stehle und Rainer Gehrung unisono, die Bestimmungen seien in den letzten 40 Jahren immer strenger geworden.