Lokales

Zwischen Zirkustradition und Tierschutzinteresse

Derzeit gastiert der Zirkus Barelli in Wendlingen mit einem kleinen Zirkusprogramm und einem Freizeitpark mit Tierschau. Letztere rief nun einen Tierschützer auf den Plan, der die Haltung der Tiger kritisierte. Seine Vorwürfe jedoch haben sich bislang nicht bestätigt.

CHRISTA ANSEL

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WENDLINGEN Am Wochenende hatte der Freizeitpark des Zirkus Barelli auf dem Otto-Gelände in Wendlingen erstmals geöffnet. Harry Spindler-Barelli war mit dem ersten Besucheransturm vollauf zufrieden. Jeweils von Mittwoch bis Sonntag wird eingeladen in den Freizeitpark, in dem vor allem die exotischen Tiere im Mittelpunkt stehen, und zweimal täglich gibt es an diesen Tagen, um 11 und um 15 Uhr, kleine Vorstellungen im Zirkuszelt. Gezeigt wird ein kleiner Teil des großen Barelli-Programms. Ansonsten wolle man den über hundert Tieren jetzt vor allem Ruhe gönnen, die Ferienzeit der Artisten mit dieser ungewöhnlichen Tierschau nutzen. Das hat jetzt einen Nürtinger Tierschützer dazu veranlasst, den Zirkus anzukreiden. Bis jetzt haben sich die Vorwürfe nicht bestätigt.

Frank Albrecht, Nürtinger Tierrechtler, hat in seiner Kritik den in Wendlingen gastierenden Zirkus als groben Fall von Tierquälerei bezeichnet und wollte beim Veterinäramt Esslingen und bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Anzeige erstatten. Die Kritik des Tierschützers richtet sich vor allem gegen die Haltung der bengalischen und sibirischen Tiger. Albrecht sieht in der Haltung dieser Tiere erhebliche Mängel gegen geltende Haltungsrichtlinien und Zirkus-Leitlinien.

Diese Tiere haben im Zirkus Barelli in zwei jeweils 20 Meter langen Wagen ihre Schlafplätze. In einem aufgebauten Freigehege haben die Tiger Auslauf und können ein Bad nehmen. Ihre eigene Entscheidung ist es, im Wagen zu bleiben oder sich draußen aufzuhalten, die Zugänge sind ständig geöffnet. Penibel abgesichert wurde vom Zirkus der Zugang der Besucher. Die haben rund um das Freigehege Gelegenheit, die meist im Zirkus zur Welt gekommenen Tiere mit dem gebührenden Abstand zu beobachten. Im täglichen Zirkusprogramm sind die Tiger nicht eingebunden. In Wendlingen hat der Zirkus Barelli bewusst nur ein kleines Zelt aufgestellt und zeigt den Besuchern nur einen Teil des großen Zirkus-Programms.

Die Kritik der Tierschützer, weiß Harry Spindler-Barelli, wiederhole sich an jedem Standort aufs Neue. Zuletzt sei dies beim Gastspiel in Waiblingen auch wieder der Fall gewesen. In Waiblingen hat der Zirkus mit seinem kompletten Artisten-Programm gastiert, wurde dort sogar von Oberbürgermeister Andreas Hesky im Rathaus empfangen. Der frühere Wendlinger Bürgermeister posierte mit Dromedaren, obwohl der persönlich ganz und gar kein Fan von Zoos und Zirkussen sei. Die Kritik in Waiblingen hatte vor allem eine Zirkus-Nummer im Visier, auf der ein Tiger auf einem Pferd reitet. Diese Nummer wird es bei den Vorstellungen in Wendlingen nicht geben. Die Tiere haben hier weit gehend Sommerpause.

Peter Keck, Pressesprecher des Landkreises Esslingen, kennt den Zirkus Barelli. Zu Jahresbeginn hat dieser auch in Esslingen-Zell gastiert. Dort hätten Gutachter gegen die Dressur-Nummer mit dem auf dem Pferd reitenden Tiger keine Einwände erhoben. Beanstandet worden seien beim Esslinger Gastspiel vom Veterinäramt der fehlende Auslauf und die Käfiggröße der Tiger. Diese nicht gravierenden Mängel seien aber sofort verbessert worden. Auch beim folgenden Auftritt des Zirkus Barelli in Böblingen habe es keine Beanstandungen gegeben. Das Veterinäramt werde den jüngsten Vorwürfen aber nachgehen.

Solange die Fußballweltmeisterschaft läuft, so lange möchte der Zirkus Barelli in Wendlingen bleiben und allen, die einmal Zirkusluft schnuppern wollen, diese Möglichkeit dazu bieten. Der Eintritt in den Freizeitpark mit über 100 Tieren ist kostenlos. Eintritt dagegen kostet das Zirkus-Programm im kleinen Zelt, in dem Ausschnitte aus dem großen Programm gezeigt werden. Gezeigt wird hier aber auch, wie mit den zu dressierenden Tieren gearbeitet wird. Für Harry Spindler-Barelli hat die Peitsche hier keine Berechtigung. Alle Kritiker sollten sich diesen Blick hinter die Kulissen einmal unvoreingenommen anschauen. Dann würden sie auch sehen, dass die vielen Pferde in ordentlichen und sauberen Boxen stehen, keinen Hunger leiden, die Tiere täglich bewegt würden und es zu Kritik keinerlei Anlass gebe.

Am heutigen Mittwoch übrigens feiert der Araberhengst Nero ein ungewöhnliches Fest: er wurde vor 40 Jahren im Zirkus Barelli in Nürnberg geboren und erhält mittlerweile sein Gnadenbrot. In der Vorstellung um 15 Uhr soll dieses Jubiläum mit Geburtstagsüberraschungen für das Pferd gemeinsam mit den Besuchern gefeiert werden.