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Zwischenbilanz der Kampagne "Rücken-Wind"

Den zwanzigsten Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl nahm der Kreisverband der Grünen zum Anlass, eine Zwischenbilanz derer Kampagne "Rücken-Wind" zu ziehen. Mit dieser Ökostrom-Kampagne konnten die Kreisgrünen bislang 320 Haushalte und Gewerbetreibende sowie zwei Kommunen, Esslingen und Ebersbach, dazu bewegen, den Stromlieferanten zu wechseln.

HEINZ BÖHLER

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NÜRTINGEN Kampagnenleiter Jürgen Menzel und die Vorstandsmitglieder Heike Habermann und Matthias Weigert hatten zu einem Gespräch in ihren Geschäftsräumen in Nürtingen eingeladen. Dort wurde auch ein Preis für den Stromkunden mit dem niedrigsten Jahresverbrauch an den Esslinger Dominik Schilling überreicht. Die Jahresabrechnung für seinen Singlehaushalt wies 628 Kilowattstunden (kWh) auf, etwa die Hälfte des Durchschnittsverbrauchs pro Person.

"20 Jahre Tschernobyl sind kein Jubiläum zum Feiern, sondern ein Ereignis, das es immer wieder ins Gedächtnis zu rufen gilt." Matthias Weigert wies darauf hin, dass es den Grünen in erster Linier darum ging, den Bestrebungen der Politiker, nun doch die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern, ein Signal entgegenzusetzen. Nicht ohne Stolz verkündete der Leiter der Kampagne, Jürgen Menzel, dass die beiden zertifizierten Stromlieferanten "Elektrizitätswerke Schönau" (EWS) und "Naturstrom AG" den insgesamt 333 Neukunden im letzten Jahr 2,53 Millionen kWh für 440 000 Euro hätten liefern können.

Erzeugt werde der Strom zu etwa 60 Prozent aus Wasserkraft und der Rest aus Blockheizkraftwerken, die mit fossilem Brennstoff befeuert werden, oder von erneuerbaren Energieträgern. Sieben Photovoltaik-Solaranlagen habe man seit dem Start von "Rücken-Wind" auf Dächern privater und öffentlicher Gebäude im Kreis errichtet, verkündete Weigert. Zusammen mit einem privat betriebenen Blockheizkraftwerk konnten so allein 104 000 kWh atomstromfrei erzeugt werden, die ins Netz eingespeist und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet werden.

Der Lieferantenwechsel sei kinderleicht gewesen, er habe lediglich ein Formular ausgefüllt, gibt Preisträger Schilling seine Erfahrungen weiter. Sein Credo: Nicht verbrauchte Energie muss gar nicht erst erzeugt werden, weshalb er seinen Haushalt konsequent nach Sparmöglichkeiten durchforscht und alles Überflüssige, beispielsweise die Tiefkühltruhe, verbannt habe.

Bei den Grünen ist man zufrieden mit der Entwicklung der Kampagne. "Das ist eine echte Erfolgsstory", zeigte sich Heike Habermann erfreut über die Entwicklung. Zudem sei seit Beginn der Regierungsbeteiligung der Grünen der Anteil der erneuerbaren Energien im bundesweiten Strom-Mix von unter fünf auf mittlerweile elf Prozent angestiegen. Und der Trend scheint anzuhalten.

"Als nächstes", kündigte Matthias Weigert an, "wollen wir verstärkt um Kommunen werben, die ihre Beteiligungen an den zur EnBW gehörenden Neckarwerken verkauft haben. Diese Unabhängigkeit könnte sich jetzt auszahlen." Gemeinderäte seien vor allem dem Argument "Euro" zugänglich, und davon lasse sich "bei bestimmten Gebäudestrukturen" im Fall eines Umstiegs auf atomstromfreie Lieferanten der eine oder andere einsparen.