Lokales

"Zynische Kampagne" zur Mitgliederwerbung

Vor einer Kampagne einer Tarnorganisation von Scientology, der "Jugend für Menschenrechte", warnt die sektenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Carla Bregenzer.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Post von Scientology, der Sekte mit den Krakenarmen, wie Kritiker sie nennen, flatterte den Stadtoberhäuptern im Landkreis Esslingen auf die Tische der Amtsstuben. In den aufwendigen und bunten Hochglanzmappen bot eine Organisation, die sich "Youth für Human Rights International" nennt, zu deutsch "Jugend für Menschenrechte", eine DVD, Broschüren und Unterrichtsmaterial an.

Angelika Matt-Heidecker, Oberbürgermeisterin von Kirchheim, ließ das Material mit dem Anschreiben der Scientologin und Präsidentin von "Youth for Human Rights International" aus Los Angeles unbeeindruckt der Sektenpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Carla Bregenzer, zukommen.

"Wer das menschenverachtende System von Scientology kennt, der weiß, wie zynisch diese Kampagne ist", so Sektenexpertin Bregenzer. Schriften des Begründers von Scientology und Groschenheftchen-Romanschreibers L. Ron Hubbard, interne Papiere und Aussagen von Aussteigern machten immer wieder mehr als deutlich, dass Scientology nichts weniger als die Menschenrechte im Sinn habe. Dies gelte vor allem für Kinder, deren kleine Körper in der Ideologie der aus Amerika kommenden Organisation ja lediglich als Hüllen für "Thetanen" gelte.

"Es geht Scientology und dieser angeblichen Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Los Angeles und München lediglich darum, Geld zu machen und Menschen dieser Organisation zuzuführen", kennt die Sektenexpertin die Werbemethoden von Scientology aus ihrer langjährigen Erfahrung.

Seit der Verfassungsschutz die Organisation beobachte, seien die Menschen im Land deutlich vorsichtiger geworden, weiß Carla Bregenzer. Es werde daher für Scientology immer schwieriger, neue Mitglieder zu gewinnen und Bücher sowie Kurse zu verkaufen. Deshalb verlege man sich zunehmend auf Aktivitäten von Tarnorganisationen und auf Hochglanzbroschüren, in der Hoffnung, dass gutmeinende und uninformierte Menschen darauf hereinfallen. Dabei scheut sich Scientololgy nicht, Zitate von Mahatma Gandhi, Voltaire und Martin Luther King im gleichen Atemzug mit L. Ron Hubbard zu nennen. Tatsächlich gehe es aber der Sekte nur darum, sogenannte Unterrichtsmaterialien, Broschüren und DVDs, die 20 Dollar das Stück kosteten, zu verkaufen und auf diesem Wege möglichst noch Mitglieder zu gewinnen.

Die Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer befürchtet nun, dass das Werbematerial nicht nur Stadtverwaltungen zuging, sondern auch Schulen im Landkreis und darüber hinaus. Aufklärung sei daher dringend geboten. "Nur durch permanente Aufklärung über die wahren Ziele von Scientology und aller dazugehörigen Organisationen können wir die Menschen in unserem Land vor diesen Scharlatanen schützen," begründet Carla Bregenzer ihre kleine Anfrage an die Landesregierung zu dieser brisanten Thematik.