Lokales
Der Tod der Phantasie

Bücher zu verfilmen ist meistens keine gute Idee, findet Max Bartelt. Wenn man von „Der Herr der Ringe“ einmal absieht.

Im Filmewunderland Hollywood wird heute alles verfilmt, was nicht niet- und nagelfest ist und auf irgendeine Weise eine Fanbase haben könnte. Da ist es natürlich auch naheliegend, ein Buch zu verfilmen, oder? FALSCH. Das Schöne an einem Buch ist letztlich doch, dass sich die Handlung ohne aufwendige Spezialeffekte wie ein Film im Kopf abspielt, aber mit deinen eigenen Regeln und besser, als jede Kamera das je bewerkstelligen könnte. Und vor allem wird die Handlung des Buchs nicht von über 700 Seiten auf 120 Minuten gekürzt. Das ist in etwa so, als würde man die Mona Lisa von einem Siebenjährigen abzeichnen lassen und das Ergebnis als schon ganz passabel oder gar als gute Umsetzung bezeichnen.

Zugegeben, nicht alle Buchverfilmungen sind totaler Mist. „Der Herr der Ringe“ war, und das werden viele bestätigen, ganz außergewöhnlich. Aber trotz der fantastischen Umsetzung fehlen doch viele Aspekte der Bücher gänzlich. Okay, seien wir fair, um Tom Bombadil und wie sie alle heißen auch noch unterzubringen, hätte man die drei Teile erneut in drei Teile à neun Stunden teilen müssen. Was ich persönlich natürlich vollkommen unterstützt hätte. Das Hauptproblem mit Buchverfilmungen ist für mich aber einfach, dass man, wenn man den Film gesehen hat, das Buch nie wieder so lesen und sich vorstellen kann wie zuvor. Hollywood brennt sich durch die Netzhaut direkt in dein Fantasiezentrum und tritt es, bis es wimmernd am Boden liegt.