Jasmin Kühnle informierte Nürtinger Gemeinderat über Tourismusaktivitäten und Übernachtungszahlen
Drei-Sterne-Hotel für Hölderlinstadt?

Über das touristische Konzept der Stadt, Angebote, Übernachtungszahlen und das zunehmende Interesse an den Stadtführungen informierte Jasmin Kühnle im Nürtinger Gemeinderat. Mit Engagement und Herzblut versucht die Tourismusförderin, die Stärken der Hölderlinstadt herauszuarbeiten und Gäste für einen Aufenthalt zu interessieren.

Nürtingen. Was macht Nürtingen aus? Jasmin Kühnle muss nicht lange überlegen, wenn sie die Vorzüge ihrer Heimatstadt aufzählen soll: „Die Landschaft, die Nähe zur Schwäbischen Alb, der Neckar, die Streuobstwiesen, der römische Guts­hof, die Altstadt oder die attraktiven Kunstausstellungen.“ Die Liste könnte sie noch beliebig fortsetzen: „Die Vielfalt ist unser Alleinstellungsmerkmal.“

Standortfördernde Angebotsfaktoren sieht die engagierte Mitarbeiterin des Stabsteams aus touristischer Sicht in der günstigen Verkehrsanbindung. „Die schnelle und bequeme Erreichbarkeit über die A 8, den Flughafen oder die Bahn ist ein wichtiger Faktor für die Reiseentscheidung“, so Kühnle in ihrem Bericht. Diese Nähe zur Autobahn zum Beispiel wirke sich insbesondere bei Seminar-, Tagungs- und Kurzaufenthalten aus. „Nürtingen ist ein idealer Standort für Hotels.“ Derzeit gibt es in Nürtingen fünf Hotels und das Gästehaus am Lerchenberg. Leistungsträger, denen die steigenden Übernachtungszahlen zu verdanken sind.

Laut Statistischem Landesamt liegt die Gesamtbettenzahl in Nürtingen bei 446. 2011 ist es gelungen, die durchschnittliche Bettenauslastung um fünf auf insgesamt 43 Prozent zu steigern. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste lag bei 2,3 Tagen. Insgesamt wurden 70 182 Übernachtungen registriert. Diese Zahl verdeutlicht, dass es in erster Linie Geschäftsreisende sind, die in Nürtingen übernachten. Doch auch Privatvermieter sind nachgefragt. Sie sind vor allem im Sommer, in der Urlaubszeit, ausgelastet. Diese Unterkünfte sind bei Radfahrern beliebt.

Aktuell stehen in der Liste der Stadt Nürtingen 15 Vermieter, die Ferienwohnungen oder Privatzimmer anbieten. Hier liegt die durchschnittliche Auslastung bei 65 Prozent. „Weiterer Bedarf ist vorhanden.“ Deshalb hat Jasmin Kühnle im Mai einen Aufruf gestartet, um weitere Nürtinger für die Privatvermietung zu gewinnen. „Wir sind im Gespräch“, sagt Tourismusförderin Jasmin Kühnle und hofft, dass es bis zur nächsten Radsaison gelingt, die Zahl der Privatquartiere zu erhöhen. „Wer mit dem Rad unterwegs ist, sucht ein günstiges Quartier“, weiß Kühnle.

Der Neckartalradweg, der Museumsradweg und der Hohenzollern-Radweg sind in der Hauptsaison recht gut frequentiert. Peter Rauscher, Nürtinger Liste/Grüne, regte an, die Radwege miteinander zu verbinden und entsprechend auszuschildern. Gut nachgefragt ist im Sommer auch der Reisemobilstellplatz auf dem Oberensinger Festplatz. Rund 1 100 bezahlte Übernachtungen werden pro Jahr registriert.

Mit einer gewissen Genugtuung nahmen die Kommunalpolitiker zur Kenntnis, dass Nürtingen zwar weniger Übernachtungsmöglichkeiten als Kirchheim (598 Betten) aufweist, aber bei der Auslastung mit 43 Prozent deutlich vor der Nachbarstadt (25,9 Prozent) liegt.

Gern gebucht werden in Nürtingen Stadtführungen. Eine Steigerung konnte vor allem mit den Themenführungen erzielt werden. 2011 haben die Stadtführer 188 Gruppen die Sehenswürdigkeiten gezeigt, davon waren 35 Themenführungen. 2012 waren es 51 Gruppen, die mit dem Nachtwächter unterwegs waren oder sich auf die Spuren der Beginen oder von Hölderlin und Mörike begaben.

Werbung macht Nürtingen nicht nur auf der CMT, man ist auch bei verschiedenen touristischen Vereinen Mitglied. So zum Beispiel bei der Römerstraße Neckar-Alb-Aare, beim Schwäbischen-Alb-Tourismus, beim Schwäbischen Streuobstparadies, bei der Regio Stuttgart, beim Verkehrsverein Teck/Neuffen und bei der Württembergischen Weinstraße. „Die jeweilige Mitgliedschaft ermöglicht vor allem eine breite Außenwirkung“, so Kühnle.

Vor dem Hintergrund der steigenden Übernachtungszahlen regte CDU-Fraktionschef Thaddäus Kunzmann an, die Gespräche für ein zusätzliches Hotel wieder aufzunehmen. Über einen weiteren Hotelstandort diskutiert wurde schon in den Jahren 2008/2009. Man habe das Thema aber aufgrund der Wirtschaftskrise, mangels eines geeigneten Standorts und wegen eines fehlenden Investors („damals richtete sich das Interesse auf die neuen Bundesländer“) zurückgestellt, so OB Heirich. Angesichts der veränderten Situation hält es der Rathauschef indes für angebracht, das Thema neu anzugehen. „Wir brauchen ein Hotel in der Drei-Sterne-Kategorie.“