


Zur Arbeit des Vorführers gehört es, die Filme, die nicht mehr gezeigt werden, auseinanderzuschneiden. Sie werden in Kartons gepackt und um 2 Uhr nachts vom Spediteur abgeholt, der sie durch die neuen Filme ersetzt. Jeder Polyesterstreifen beinhaltet Bild- und Tonspur für zirka 20 Minuten Film. Am nächsten Morgen werden diese vom Vorführer zusammengeklebt.

Ein bisschen verschlissen sieht das Central-Kino schon aus. Gerne würde der Kinobesitzer investieren, vielleicht 3D einführen. Aber lohnt sich das? Es sieht schlecht aus, wenn das große Kino auf dem Ficker-Areal gebaut wird. Um das Tyroler macht sich Eberhard Frech aber keine Sorgen. Die Filme, die dort gezeigt werden, sind ganz andere als bei den großen Kinoketten.
Hinter den Kulissen des Kinos ist es eng. Es stapeln sich Getränkekisten. Eine schmale Treppe führt zum Raum, in dem steht das Filmteller-System: drei große, waagrechte Metallplatten übereinander. Eine zur Aufbewahrung eines Films, eine für den gerade gespielten Film und eine, um den Film wieder so aufzurollen, dass man ihn nicht nach jeder Vorstellung wieder zurückspulen muss. Es schwirren gerade Filmbänder zu Harry Potter durch die Luft. Nebenan, von wo das Bild nach draußen projiziert wird, ist es brütend heiß, dank der Projektionsgeräte. Die produzieren, abgesehen von Film, hauptsächlich eines: Krach. Es rattert und knattert so laut, dass man kaum glauben kann, dass die Zuschauer im Saal gar nichts bemerken. Ungefähr 20000 Euro ist eine solche Projektionsmaschine wert. Für Werbung wird die ältere der beiden Maschinen benutzt, für den Hauptfilm die neue.
Am späten Nachmittag öffnet auch das Tyroler-Kino seine Pforten. Es ist ein sogenanntes „Art House“, also ein kleines Kino, das künstlerisch anspruchsvolle Filme zeigt. Es hat eine beschauliche Sitzanzahl von 56 Plätzen. Eben ein privater Betrieb, viel persönlicher und gemütlicher als die Kinoketten, in denen man für einen Pack Haribo 30 Minuten anstehen muss. Eine sehr alte Kinomaschine steht im Foyer. An ihr zeigt Eberhard Frech Schulklassen, wie früher Kino gemacht wurde.
Obwohl es immer heißt, Kino.to und andere Portale würden echte Kinos in den Ruin treiben, kann sich Eberhard Frech nicht beschweren. Die Zuschauerzahlen sind gewachsen, wenn ihnen die Einführung von 3D auch zwischenzeitlich einen kleinen Dämpfer verpasst hat. Gegen den Charme, den so ein kleines, privates Kino hat, können langsame DivX-Ladezeiten eben nichts ausrichten. Nach zweieinhalb Stunden intensiver Kinokunde trete ich die Heimreise an. Es regnet in Strömen, der Kinobesitzer bietet an, mich nach Hause zu fahren. Das wäre mir in einem großen Kino vermutlich auch nicht passiert.
Fotos: Jörg Bächle
