Basketball

Ein Abstiegskandidat will aufsteigen

Basketball Der VfL Kirchheim trifft im ersten Qualifikationsspiel um den Einzug in die Oberliga morgen zu Hause auf den TSB Schwäbisch Gmünd. Zugetraut hat das den Kirchheimern lange Zeit niemand. Von Ulrich Tangl

Marco Wanzke (Mitte) ist Abteilungsleiter, Trainer und Spieler in Personalunion.Foto: Markus Brändli
Marco Wanzke (Mitte) ist Abteilungsleiter, Trainer und Spieler in Personalunion. Foto: Markus Brändli

Es ist ein Showdown in zwei Folgen: Am morgigen Sonntag um 17.30 Uhr bestreiten die Basketballer des VfL Kirchheim mit einem Heimspiel in der Sporthalle Stadtmitte den ersten Teil im Kampf um den Aufstieg in die Basketball-Oberliga gegen den Landesliga-Zweiten TSB Schwäbisch Gmünd.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist die Schnittstelle zwischen Landes- und Oberliga neu organisiert: Gab es bisher Relegationsspiele zwischen zwei Nichtabsteigern und den Vizemeistern, entscheiden nun zwei Spiele zwischen den Zweitbesten der Landesligen, wer in der nächsten Saison in der höchsten Klasse Württembergs spielen darf.

Der VfL kam dahin durchaus überraschend: Zu Weihnachten noch am Rechnen, wie man den Abstieg in die Bezirksliga verhindern könnte, legte das Team um Abteilungsleiter und Spielertrainer Marco Wanzke (25) eine Aufholjagd hin, die bis zum Schluss kaum als solche zu erkennen war. Denn die Illusion, dass man noch am Aufstieg schnuppern könnte, hatte wirklich niemand. Also siegte man fröhlich weiter, von den neun Rückrundenspielen wurde nur ein einziges, beim Angstgegner TV Derendingen (81:83), verloren. Erst als dann eine Woche vor Saisonschluss Ljubomir Petkovic vom bereits feststehenden Meister TS Göppingen bekanntgab, dass er nicht aufsteigen wolle, ergab sich die Chance. Und die wurde mit dem denkwürdigen 68:66 im Endspiel beim SB Heidenheim auf spektakuläre Weise genutzt.

Woran lag es aber, dass aus dem Abstiegskandidaten ein Aufstiegsaspirant wurde? Eine wichtige Rolle spielte Erik Weßelborg: Der 22-jährige Ex-Oberligaspieler aus Essen heuerte bei den Knights als Physiotherapeut an - und verhalf der Kirchheimer Ersten zu deutlich mehr Stabilität. Im Training und im Spiel, wo er regelmäßig punktete (14,1 im Schnitt) und trotz seiner lediglich 1,92 Meter Körpergröße zweistellig Rebounds holte. Einziges Problem: Weßelborg wird morgen wegen einer Fortbildung vermutlich fehlen. Mit ihm wohl auch der verletzte Topscorer Marco Gligoric (22 Punkte). Dafür kehrt Center Cveti Bozic (19,2 Punkte im Schnitt bei vier Spielen) zurück ins Team. Trotz der Ausfälle ist die Stimmung beim VfL gut: „Durch die erfolgreiche Rückrunde sind wir selbstbewusst geworden und vertrauen einander“, sagt Spielertrainer Marco Wanzke.

Absteiger Gmünd will zurück

Und der Gegner? Der will nach dem Abstieg im vergangenen Jahr wieder zurück in die Oberliga. Auch beim TSB hat mit dem 35-jährigen Viktor Buchmiller ein Spielertrainer das Sagen. Seine erste Fünf hat ein Durchschnittsalter von 33,4 Jahren, allerdings fehlen zwei davon: Scharfschütze Pierre Lovic (2,7 Dreier pro Spiel) und Florian Fischer (14,5 Punkte pro Spiel). Von den letzten acht Spielen in der Landesliga verlor der TSB drei und rettete sich mit einem hauchdünnen 63:62 beim Tabellenletzten Titans Stuttgart 2 gerade noch über die Ziellinie. Buchmiller gibt sich trotzdem optimistisch: „Unsere jungen Spieler sind scharf auf den Aufstieg und erste Oberligaerfahrungen.“

Im Duell der Spielertrainer scheint Kirchheims Marco Wanzke („Wir haben sehr gut trainiert in den letzten zwei Ferienwochen“) also die Nase knapp vorn zu haben. Doch abgerechnet wird zweimal: am Sonntag und dann zwei Wochen später in Schwäbisch Gmünd. Wanzke: „Wir freuen uns riesig auf den Sonntag, auf deutlich mehr Zuschauer als bisher und auf ein echtes Spektakel in der Sporthalle Stadtmitte.“

So wollen sie spielen

VfL Kirchheim: Auerbach, Bozic, Engonidis, L. Haziri, M. Haziri, Palmieri, Schmauder, Schmidt, K. Wanzke, M. Wanzke, Weßelborg

Zwischen Landesliga und Profibetrieb

Chris Schmidt ist der, der bei den Knights die Fäden zieht. Nicht auf dem Parkett, sondern hinter den Kulissen. Morgen geht der Sportchef der Ritter selbst auf Korbjagd. Als Teil der Landesliga-Mannschaft des VfL verbindet der 35-jährige Fachmann für Sportmarketing Freizeitspaß und Leidenschaft, die für ihn zum Beruf geworden ist. Schmidt, der bei seinem Heimatverein TSGV Albershausen mit Basketball begann und dort ebenfalls in der Landesliga spielte, stieg erst im vergangenen Sommer beim VfL ein und brachte es in zehn Spielen immerhin auf 6,8 Punkte im Schnitt. „Wir haben eine coole Truppe, mit der es Spaß macht“, meint der „nur“ 1,80 Meter große Guard, der allenfalls bei einer möglichen Aufstiegsparty in zwei Wochen Probleme bekäme: Schmidt ist überzeugter Abstinenzler. bk

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