Fussball Bezirksliga

Großes Kino an der Schönbuchstraße

Fußball-Bezirksliga Der TV Neidlingen bietet zum Saisonfinale nochmals besondere Kost und verabschiedet Meister Frickenhausen mit einem 5:1 in die Landesliga. Von Reimund Elbe

Dennis Heilemann und die Neidlinger haben es im letzten Spiel nochmal krachen lassen. Foto: Markus Brändli

Besser kann der Ausstieg aus dem aktiven Fußball kaum glücken. Als Neidlingens Routinier Heiko Kölle am Pfingstsamstag unter Applaus des Publikums und herzlichen Worten von Stadionsprecher Reiner Kuch bei seiner Auswechslung vom Rasen marschierte, führte der TV Neidlingen gegen Meister FC Frickenhausen 4:0 - Kölle selbst hatte mit dem 3:0-Treffer zum furiosen Rundenausklang an der Schönbuchstraße beigetragen und sich so den Abschied in den fußballerischen Ruhestand verschönert.

Großer Bahnhof für Heiko Kölle, großes Kino zudem, was die Neidlinger gegen nicht mehr hundertprozentig fokussiert wirkende Frickenhausener Meisterkicker boten. „Priorität eins war der Klassenerhalt“, blickte TVN-Abteilungsleiter Steffen Kuch auf eine zunächst nicht ganz sorgenfreie Runde zurück. Das Ziel Ligaverbleib erreichte der TVN jedoch früher als gedacht. Mit dem 5:1 gegen den FC Frickenhausen gelang am letzten Spieltag sogar noch der Sprung in den einstelligen Tabellenbereich. Das Team von Spielertrainer und Top-Torjäger Patrick Kölle beendet die Runde wie vergangenes Jahr als Neunter - allerdings mit drei Zählern mehr auf dem Konto (47) als im Juni 2018.

Bei der Schlussfeier nach Spiel­ende herrschte nicht nur große Freude über das Erreichte vor, sondern auch Optimismus. Spielermangel? Kein Thema in Neidlingen. Vereinzelt hatte es in TVN-Kreisen Überlegungen gegeben, für die kommende Runde eine dritte Mannschaft zu melden. Der Gedanke wurde freilich verworfen. „Fakt ist, dass wir mit der Leistung unserer zweiten Mannschaft mit 35 Punkten in dieser Kreisliga B-Runde als auch mit der Trainingsbeteiligung hochzufrieden sind“, betont Steffen Kuch. 15 bis 20 Kicker tummeln sich regelmäßig im Training - eine Zahl von der andere „Zweite“-Trainer nur Träumen können. „Bei uns geht was“, frohlockt Kuch.

VfL erfolgreich mit Jugendstil

Der VfL Kirchheim spielte zwar in Sachen Titelvergabe in dieser Saison keine Rolle, immerhin festigte der Ex-Regionalligist am letzten Spieltag den sechsten Tabellenplatz - und dies mit einer exzellenten Vorstellung. Trainer Michel Forzano bewertete das 4:1 beim TV Nellingen umso höher, weil personell absoluter Notstand herrschte. Mit Hussein Atwi und Julian Kahdemann („sie haben ihre Sache gut gemacht“) akquirierte der Coach kurzfristig vor Spielbeginn per Smartphone zwei A-Junioren. Auch Forzano selbst musste 90 Minuten ran. Auf der Bank tummelte sich Torwart Marco Habram. „Der wäre freilich als Feldspieler eingewechselt worden, falls es geklemmt hätte“, erklärte Forzano.

Mit dem Verlauf der Saison zeigte sich Michel Forzano nicht unzufrieden. „Es war tabellarisch eine stabile Saison, auch wenn wir natürlich gerne noch etwas höher platziert ins Ziel gekommen wären“, sagte der einstige Oberliga­kicker. Für die kommende Runde sind die Planungen weitgehend abgeschlossen. Ziel sei es, mit einem 23 Mann starken Kader zu starten. Für die neue Runde rechnet Forzano wieder mit Sascha Flegel, der aktuell noch mit den Folgen eines Schulterbruchs zu kämpfen hat. Am 8. Juli bittet der Coach zum ersten Training an der Jesinger Allee. Vom 11. bis 14. Juli folgt ein Kurztrainingslager in Bozen/Südtirol.

SGEH lässt es locker auslaufen

Für die SGEH gab es bereits vor dem letzten Saisonspiel gegen Kuchen tabellarisch nicht mehr zu verschönern, der letzte Tick Konzentration fehlte folglich bei der 0:3-Schlappe gegen den Tabellenelften. „Wir sind mit unserem Auftritt in Kuchen nicht zufrieden“, sagte SGEH-Sprecher Florian Lenuzza. Mit Mohammad Tello (TB Neckarhausen) hat die SGEH einen Torhüter verpflichtet, um der Keeperproblematik der laufenden Runde in der kommenden besser Herr zu werden. Torwart-Urgestein Jürgen Rechner (47) will sich nun offenbar endgültig auf seine Rolle als Notnagel für extreme Ausnahmefälle zurückziehen. Der einstige VfL-Torwart hatte bei der Sportgemeinschaft immer wieder ausgeholfen, zuletzt aber nahezu durchgehend gespielt. Die SGEH-Kicker ließen am Pfingstsamstag-Abend die Saison gemeinsam mit der zweiten Mannschaft, dem Betreuerteam plus Edelfans am Hardtwaldstadion bei Gegrilltem und Salatkost ausklingen. „Wir sind trotz des schlechten Starts nie nervös geworden“, bilanzierte Lenuzza.

Kurioses Ende für Dettingen

Das weitgehend bedeutungslose Spiel der SF Dettingen bei Mitabsteiger TSV RSK Esslingen begann mit fast einer Stunde Verspätung. Der kuriose Grund: Schiedsrichter Emrah Benzetti (Murrhardt) wurde von seinem Navigationsgerät nach Stuttgart-Uhlbach gelotst. „Die Uhlbacher Ortsgrenze ist zwar nur 500 Meter Luftlinie von unserem Sportplatz an der Katharinenlinde entfernt, jedoch auf öffentlichen Straßen von dort nicht direkt erreichbar“, berichtete RSK-Sportleiter Thomas Schuler. Die Esslinger schickten kurz entschlossen ein „Rettungsteam“ nach Uhlbach, das den Schiedsrichter über öffentliche Straßen zum Spielort eskortierte.

Die Partie spiegelte die Dettinger Schwäche in dieser Runde wider. Nach besseren Auftritten folgten meist desaströse, wie nun beim 2:7 in Esslingen. „Hätten die Dettinger nicht ihren guten Torwart Onur Cekic gehabt, wäre das Match wohl zweistellig für uns ausgegangen“, sagte Schuler. Neben dem Keeper stach bei den Sportfreunden nur noch Servet Isik als Doppeltorschütze heraus. Warum die Dettinger nach einem Jahr wieder runter in die Bezirksliga müssen, lässt sich neben der geringen Punktezahl (25) auch am Torverhältnis ablesen. 47 Treffer sind Liga-Minuswert, 110 erhaltene die zweitschlechteste Marke.

Göppinger melden fristgerecht ein Team für kommende Saison

Entwarnung vom Sorgenkind: Die SGM T/T Göppingen wird kommende Bezirksligarunde nun doch eine Mannschaft ins Rennen schicken. Das teilte Bezirksspielleiter Johannes Veit mit. Vergangenen Freitag hatte eine Mail Veits für Unruhe in der Szene gesorgt, weil sich bei einem gerüchteweise kolportierten Göppinger Rückzug vor dem Meldestichtag am kommenden Donnerstag die Abstiegskonstellation der zu Ende gegangenen Runde geändert hätte. Wie bereits berichtet, hätte in dem Fall der eigentlich abgestiegene TSV Denkendorf an der Relegation teilgenommen und der FTSV Kuchen wäre gerettet gewesen. Durch das rechtzeitige grüne Licht der Göppinger bleibt nun allerdings alles beim Alten: Denkendorf steigt ab, Kuchen geht in die Relegation und trifft dort am Freitag in Reudern auf A3-Vizemeister Faurndau. „Ich bitte die Unruhe zu entschuldigen“, teilte Johannes Veit im Namen der Bezirksoberen mit, „uns blieb aber keine andere Möglichkeit, als mit dem Thema proaktiv umzugehen.“pet

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