Fussball Landesliga

Nafi-Rückzug spült Weilheim in die Relegation

Fußball Der abgestiegene TSVW bekommt unverhofft die Chance auf den Landesligaverbleib. Das entscheidende Spiel steigt am 23. Juni in Jesingen. Von Peter Eidemüller

Die Ansage ist klar: Benjamin Geiger und die Weilheimer haben den Klassenerhalt in der Landesliga wieder in eigener Hand. Foto:
Die Ansage ist klar: Benjamin Geiger und die Weilheimer haben den Klassenerhalt in der Landesliga wieder in eigener Hand. Foto: Markus Brändli

Dem TSV Weilheim winkt unverhofft die zehnte Spielzeit in der Fußball-Landesliga. Da Nafi Stuttgart kein Team für kommende Saison gemeldet hat und so als erster Absteiger der abgelaufenen Runde feststeht, rücken die eigentlich abgestiegenen TSVW-Kicker auf den Relegationsplatz. Am Sonntag kommender Woche (23. Juni, ab 15 Uhr) kann das Team um Trainer Benjamin Geiger doch noch das rettende Landesliga-Ufer erreichen. Gegner in Jesingen wird der Sieger des Bezirksliga-Vize-Duells TSV Köngen gegen SG Bettringen sein, das am kommenden Sonntag in Nellingen steigt.

„Das ist eine Riesenmöglichkeit für uns“, jubelte Benjamin Geiger gestern Vormittag, nachdem der Württembergische Fußballverband per Mail bestätigt hatte, was seit Tagen durch die Gerüchteküche gewabert war: Die personell und finanziell leck geschlagenen Nafi-Kicker lassen die auf Mittwochabend 23.59 Uhr gesetzte Meldefrist für die neue Saison verstreichen und sorgen so für Stühlerücken im Tabellenkeller. „Man hat bis zuletzt eine Lösung gesucht, um den Verein am Leben zu halten“, sagt Nafi-Spielertrainer Damir Bosnjak, „aber schließlich ist man zu dem Entschluss gekommen, dass es keinen Sinn macht, den Verein unter den jetzigen Umständen weiter am Leben zu lassen.“ Folge: Stuttgart steigt ab und Weilheim rutscht in die Relegation, die dem TV Echterdingen damit erspart bleibt. „Weilheim hat sich das verdient“, kommentierte TVE-Trainer Christopher Eisenhardt, bis Ende Juni vergangenen Jahres bekanntlich selbst Coach an der Lindach.

Unruhige Nacht für Geiger

Dort waren Spieler und Funktionäre laut Benjamin Geiger bereits seit Tagen in Alarmbereitschaft. Nachdem sich die Gerüchte um das Nafi-Aus im Lauf der Woche immer weiter verdichtet hatten, stand Geigers Telefon nicht mehr still „Von Mittwoch auf Donnerstag habe ich ganz schlecht geschlafen“, gesteht der 39-Jährige, der bei aller Freude um den unverhofften Rettungsring demütig bleibt. „Uns ist bewusst, dass man als Drittletzter normalerweise absteigt.“

Die Vorbereitung auf das entscheidende Spiel in neun Tagen ist jedoch alles andere als optimal. Einige urlaubende Spieler werden bis dahin zwar wieder im Lande sein, können aber nicht alle Trainingseinheiten, die Geiger kurzfristig angesetzt hat, mitmachen. Immerhin: Der TSVW darf auch die Akteure einsetzen, die den Verein verlassen werden. Laut WFV-Sprecher Heiner Baumeister werden Abmeldungen für den Fall ausgesetzt, ohne ihre Gültigkeit für die kommende Saison zu verlieren. Soll heißen: Spieler wie Elffachtorschütze Matteo-Pio Stefania, der zur TSV Oberensingen wechseln wird, können in Jesingen im Weilheimer Trikot auflaufen.

Ob‘s in den Lehenäckern zur Rettung für die Roten reicht? „Das wird unabhängig vom Gegner ein Fifty-fifty-Spiel“, zuckt Benjamin Geiger mit den Achseln, „aber wir sind als Gewinner der Rückrunde auf dem aufsteigenden Ast.“

Chance nicht entgehen lassen

Der finanziell bedingte Rückzug der Landesliga- kicker von Nafi Stuttgart ist in seiner Dimension beispiellos. Zwar muss man den Verantwortlichen aus dem Norden Stuttgarts zugute halten, dass sie bis zuletzt alles versucht hatten, um kommende Saison doch in der siebten Liga antreten zu können. Und auch, dass sie sich vor Ende der Deadline abgemeldet und so als erster Absteiger die sportliche Verantwortung für das Chaos in der Rückrunde übernommen haben, kann man den Nafi-Machern hoch anrechnen.

Ob man es muss, ist eine ganz andere Frage. Dafür hatte sich der Niedergang seit der Winterpause zu deutlich und öffentlichkeitswirksam angekündigt. Nach der Hinrunde als Tabellenzweiter noch heißer Titelanwärter, verloren die Nafi-Kicker 13 der 15 Rückrundenspiele, nachdem den Spielern keine Gehälter mehr gezahlt worden waren und die Platzmiete in Zuffenhausen nicht mehr beglichen werden konnte. Dass eine verlässliche Planung für die Zukunft vor diesem Hintergrund nicht möglich war, hätten die Stuttgarter früher erkennen und entsprechend handeln müssen.

Leidtragende sind die, die sich eigentlich wie die Schneekönige freuen sollten: Der TSV Weilheim hätte bei einem frühzeitigeren Nafi-Rückzug ein deutlich entspannteres Saisonfinale gehabt. Von einer besseren Position in Personalgesprächen für die kommende Saison mal ganz abgesehen - wechselwilligen Spielern die Landesliga als Perspektive bieten zu können, wäre für Benjamin Geiger ein As im Ärmel gewesen, das nun bei einem möglichen Relegationserfolg nicht mehr stechen wird, weil der Spielermarkt bereits weitestgehend leer ist.

Trotzdem: Über Umwege doch noch die Klasse halten und kommende Saison wieder gegen lokale Topteams wie Bad Boll, Ebersbach und Geislingen antreten zu können, ist eine Chance, die sich die Weilheimer nicht entgehen lassen dürfen. Egal, wer der Gegner im Entscheidungsspiel sein wird.

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