Lokalsport

0:2 Schiedsrichter als Sündenbock

Unseliger Tag für den VfL Kirchheim: Nach dem unter seltsamen Schiedsrichterentscheidungen zu Stande gekommenen 0:2 (0:1) gegen Oberliga-Anwärter TSG Balingen droht nun doch noch der Gang in die Relegationsspiele.

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Martin Vonier ist Schiedsrichterlehrwart des Württembergischen Fußballverbandes und gibt anerkannte Vorlesungen und Seminare bezüglich der Pfeiferei. Was den Verbandsliga-Schiedsrichter aus Blaubeuren am Samstag allerdings zu manch Handeln auf dem Platz bewegte, blieb, weil er nach dem Spiel jedes Statement verweigerte, sein Geheimnis. Dabei war das Match zwischen dem VfL und dem Tabellendritten aus dem Zollernalbkreis bis zur 18. Minute eigentlich ein munteres und faires Match mit ein paar netten Offensivaktionen hüben wie drüben.

Doch dann kam es zur ersten auffälligen Aktion des Mannes in Grün. Nach einem Sprintduell mit dem Balinger Angreifer Nikolic foulte VfL-Defensivakteur Archontis Siopidis den TSG-Spieler etwa zwanzig Meter vor dem Kirchheimer Tor. Statt der allseits erwarteten Gelben Karte für den VfL-Routinier zog Vonier zum Erstaunen Rot wegen einer angeblichen Notbremse. Doch Letzteres konnte es selbst bei aller frei interpretierten Regelkunde nicht sein: Zum einen befand sich Siopidis' Defensivkollege Guido Fuchs zum Zeitpunkt des Fouls auf gleicher Höhe, zum anderen war VfL-Abwehrmann Christopher Eisenhardt zum Zeitpunkt des Tacklings sogar noch einen Schritt näher am Kirchheimer Tor. Für den VfL hatte der Platzverweis im taktischen Bereich drastische Folgen. Emrah Polat musste in den linken Bereich der Viererabwehrkette zurückbeordert werden, der VfL war damit eines großen Stückes seiner Offensivkraft über die linke Seite beraubt.

Doch es kam noch dicker. In der 27. Minute parierte VfL-Keeper Jürgen Rechner zunächst den Schuss eines TSG-Akteurs. Urplötzlich entschied Vonier jedoch auf indirekten Freistoß auf Höhe des Elfmeterpunktes. Grund: Den Blaubeurener Referee hatte es offenbar genervt, dass VfL-Spielertrainer Michael Rentschler den Schiedsrichterassistenten mit einem Zuruf auf eine vermeintliche Abseitsstellung des Balingers Angreifers hingewiesen hatte. Vonier zog erst Gelb für Rentschler, danach nutzte die TSG das Geschenk aus heiterem Himmel clever aus nach dem quer ausgeführten Freistoß besorgte Angreifer Felice de Lucia per Flachschuss das 1:0. Rentschler ärgerte sich in der Pressekonferenz über die Entstehungsgeschichte der lächerlich anmutenden Freistoßentscheidung gewaltig. "Das Tor geht mit auf meine Kappe, denn ich hätte merken müssen, wie dieser Schiedsrichter heute drauf ist", so der VfL-Spielertrainer mit einem Anflug von bissigem Sarkasmus.

Von diesem Zeitpunkt an war das Match an der Jesinger Allee weitestgehend gelaufen. Zwar spielte der VfL in Unterzahl durchaus gefällig, kam auch zu einigen guten Strafraumszenen, doch der letzte Tick fehlte vorgestern. Die TSG vergab zunächst mehrere gute Kontergelegenheiten, markierte dann aber doch noch das letztlich verdiente 2:0. Für die restliche Unterhaltung während der Spielzeit sorgte der Unparteiische. Scheinbar wahllos zückte er Gelbe Karten für Akteure beider Seiten.

Am Ende hatte der VfL verloren das Zittern geht weiter.

VfL Kirchheim: Rechner Fuchs, Eisenhardt, Rentschler, Siopidis Baumer, Raspe (76. Lambor), Morisco, Polat Klon (68. Raguz), Erenler (72. Dashi).TSG Balingen: Pesket Taube, Link, Willig, Raab Schreyeck (63. Schelling), Heinrich (67. Todorovic), Rill (83. Krämer), Nikolic Di Lucia, Sahin.Tore: 0:1 (27.) Di Lucia, 0:2 (70.) Di Lucia.Gelbe Karten: Rentschler, Polat, Raspe, Dashi, Raguz Schreyeck, Heinrich, Tadorovic.Zuschauer: 150.Schiedsrichter: Martin Vonier (Blaubeuren).