Lokalsport

0:3 VfL-Überflieger wie gehemmt



REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Die Sportler-Psyche ist manchmal unergründlich. Da sollte man meinen, dass Erfolge beflügeln und regelrecht Lasten von den Schultern der Agierenden nehmen. Für die VfL-Fans unter den 270 Zuschauern gab's vorgestern an der Jesinger Allee das Paradebeispiel des Gegenteils. Nicht wiederzuerkennen waren die Kirchheimer, die dem 2:1-Auftaktsieg über die SF Dorfmerkingen ein ungefährdetes 2:0 in Ditzingen hatten folgen lassen.



Gehemmt und unkonzentriert wirkten die VfL-Kicker von Beginn an, das Team von Spielertrainer Michael Rentschler fand gegen die vor allem vor der Pause eigentlich harmlosen Gäste nie eine spielerische Linie. Fehlpässe und das Aufreiben in überflüssigen Zweikämpfen, ohne Not hohe Bälle aus der Abwehr in die gegnerische Hälfte schlagend und fast keine gelungenen Kombinationen: es war schon harter Tobak, den beide Teams bei 28 Grad im Schatten dem Publikum offerierten.



Da war es dann fast schon so etwas wie die Ironie des Schicksals, dass dem VfL in der 30. Minute bei einer seiner wenigen geglückten Angriffsbemühungen ein mit höchster Wahrscheinlichkeit reguläres Tor versagt wurde. Nach einem Dashi-Freistoß segelte der Ball hoch in den Strafraum, den anschließenden Kopfball von Fabio Morisco schlug SG-Mittelfeldakteur Rainer Schwarz ("ich kann nicht beurteilen, ob der Ball hinter der Linie war oder nicht") mit einer akrobatischen Einlage wohl erst nach Überschreiten der Linie ins Spielfeld zurück was der Schiedsrichterassistent freilich anders sah.



Die Chance von Coskun Isci (verfehlte fünf Minuten später nach einem Sprintduell mit einem SG-Verteidiger mit seinem Schuss von der Strafraumgrenze das gegenerische Tor nur um Zentimeter) war im Nachhinein deshalb bemerkenswert, weil es die letzte Gelegenheit der Heimmannschaft bis zum Schlusspfiff war. Isci war an diesem Tag sowieso nicht zu beneiden, denn durch den kurzfristigen Ausfall von Mittelfeldkollege Mario Grimm (beruflich verhindert) fehlte dem VfL-Spielgestalter ein routinierter Zuarbeiter.



Aber auch der vermeintliche Titelmitfavorit aus der Backnanger Ecke enttäuschte. Nicht nur die Zuschauer, sondern sogar den eigenen Trainer Herbert Bentz: "Mit der Leistung kann ich nicht zufrieden sein," resümierte der 48-Jährige nach dem Abpfiff trotz des deutlichen Erfolges. Allerdings verstand die SG an diesem spätsommerlichen Samstag vor allen Dingen eines praktisch "aus dem Nichts" (Bentz) Tore zu erzielen. Erst traf Blaskic in der Nachspielzeit der ersten Hälfte mit einem Schrägschuss von der Strafraumkante "zentimetergenau" unten links ins Gehäuse. Erhan Polats Schuss aus 18 Metern landete sogar im Torwinkel (53.) und Einwechselspieler Fichter markierte zu guter Letzt seinen Treffer quasi im sitzen (81.). Die im spielerischen Sinne nicht gerade vor Kreativität strotzenden Gäste bewiesen diese Eigenschaft zumindest beim wichtigsten Punkt im Fußball dem Torerfolg.



Die Kirchheimer bekamen so eine unterm Strich zu hohe Abreibung. Immerhin gab es beim VfL gegen Ende noch einige positive spielerische Ansätze. Die Kombinationen spielten sich allerdings fast ausschließlich vor dem Gäste-Strafraum ab. Mit mehr Präzison wäre sogar noch eine Ergebniskorrektur drin gewesen. So lagen die Kirchheimer nach dem Spiel ausgelaugt und enttäuscht auf dem Rasen zum ersten Mal waren sie in dieser Saison bei einem Verbandsliga-Match in Rückstand geraten und prompt hatten sie nicht mehr viel entgegenzusetzen gehabt.

VfL Kirchheim: Gühring Fuchs, Eisenhardt, Rentschler, Siopidis (55. Polat) Lambor, Baumer, Isci, Dashi Morisco (72. Korkmaz), Klon (71. Erenler).

SG Sonnenhof Großaspach: Hock Wagner, Gentner, Franz Liebentritt, Di Biccari (61. Grüttner), Polat (70. Fichter), Schwarz, Cimander Blaskic, Rometsch (61. Reiß)

Tore: 0:1 (45.) Blaskic, 0:2 (53.) Polat, 0:3 (81.) Fichter

Gelbe Karten: Lambor, Baumer, Dashi Wagner

Zuschauer: 270 (225 Zahlende)

Schiedsrichter: Serkan Gümüstekin (Senden) leitete mit ruhiger Hand.