Lokalsport

13 Monate Sperre

Ungewöhnlich hohe Sperrstrafen hat das Bezirkssportgericht im Fall des Spielabbruchs der Kreisligapartie TSV Kohlberg gegen KSV Nürtingen Ende September gefällt: So muss der Nürtinger Sinan Sezer ganze 13 Monate aussetzen.

PETER EIDEMÜLLER

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KOHLBERG "Ich bin überrascht, dass die Strafe für Sezer so hoch ist." Rainer Heß, Trainer des TSV Kohlberg, hatte zwar mit einer Sperre gegen den Nürtinger gerechnet, dass sie so lange dauern wird, hätte selbst er als vermeintlicher "Gegner" jedoch nicht gedacht. Neben Sezer bekamen die KSV-Spieler Engin Ulucay und Serdal Sezer jeweils sieben Monate wegen Tätlichkeit und Verursachen eines Spielabbruchs aufgebrummt. Zudem müssen beide Vereine wegen sportwidrigen Verhaltens 250 Euro berappen.

Rückblende: Acht Minuten vor dem Abpfiff war der Kick zwischen dem TSVK und dem KSVN beim Stande von 3:6 (Heß: "Die waren an dem Tag sportlich wirklich besser als wir") abgebrochen worden. Schiedsrichter Robert Sigg aus Blaubeuren sah sich außer Stande, die Partie ordnungsgemäß zu Ende zu leiten. Zuvor war es auf dem Platz zu tumultartigen Szenen zwischen Spielern, Zuschauern und Funktionären beider Teams gekommen. Das Sportgericht hatte unter der Leitung von Siegfried Bippus nun die diffizile Aufgabe, zu klären, was passiert war und wer Schuld daran ist.

Laut Urteil kam es zwischen den Spielern Sinan Sezer (KSV) und Markus Ruoff (TSV) zu einer handfesten Auseinandersetzung, in Folge derer Ruoff mit blutender Nase und Sezer mit blutender Stirn am Boden saßen wie das in solchen Fällen so ist, will's keiner gewesen sein. Da aber beim Kohlberger nachträglich ein Nasenbeinbruch diagnostiziert wurde, der operiert werden musste, ging das Sporgericht davon aus, dass Sezer der Schuldige sei. Dieser Eindruck wurde auch dadurch bestätigt, dass der KSV-Spieler weder bei der mündlichen Verhandlung anwesend war, noch er sich schriftlich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußerte.

Nach der offenkundigen Kopfnuss Sezers setzten Tumulte zwischen den Spielern ein, unter ihnen auch Engin Ulucay und Serdal Sezer. Laut Schiedsrichter Sigg trat Ulucay einen am Boden liegenden Spieler ins Gesicht, Sezer tat dasselbe mit der Faust bei einem anderen. Komplettiert wurde das Chaos durch ein gutes Dutzend Personen aus beiden Vereine, die inzwischen auf das Spielfeld gestürmt waren. Darunter auch der Vater des Kopfnuss-Opfers, Otto Ruoff, der Dinge wie "Geht zurück in die Türkei" und "Zigeuner" schrie anschaulicher kann man Öl wohl nicht ins Feuer gießen. Dass Ruoff selbst am besten weiß, dass er dadurch nicht gerade zur Beruhigung der Situation beigetragen hat, wird wie bei Sezer dadurch deutlich, dass er ebenfalls bei der Verhandlung abwesend war und ebensowenig schriftliche Angaben gemacht hat. Sein Verhalten wurde im Nachhinein als sportwidrig gewertet und mit 100 Euro sanktioniert dank Vereinshaftung zahlt jedoch der TSV Kohlberg diesen Betrag.

Das traurige Ergebnis der Ausschreitungen: Blut, Blessuren, Blaulicht und eine Menge Arbeit für Bippus, der vermutet: "Da kommt auf zivilrechtlichem Wege bestimmt noch was nach für den KSV." Daneben bleibt ungläubiges Kopfschütteln, wenn man sich den Spielstand von 6:3 für den KSV vor Augen führt. "Keiner, dem ich davon erzähle, glaubt mir das", bestätigt Kohlbergs Trainer Heß. Naheliegende Vermutungen, die Kohlberger hätten die Nürtinger so lange gereizt, bis diese ausgeflippt seien, weist Heß zurück: "Wenn's so war, dann gebe ich es zu. Ich hatte meine Spieler aber eindringlich gefragt und keiner will was gemacht haben."

Auch wenn das Spiel im Nachhinein nun mit 3:0 für Kohlberg gewertet wurde, freuen kann sich unter dem Jusi keiner: "Mir wird schon ein bisschen mulmig, wenn ich an das Rückspiel denke", gibt Heß zu. Dieses wird allerdings laut Urteil unter Platzaufsicht gestellt. Am 26. März ist's so weit.