Lokalsport

1:4 Gastgeschenke in der Kurpfalz

Der VfL Kirchheim garantiert seinen Gastgebern in der Oberliga weiterhin schöne Momente. Selbst bei den zuletzt (nach sieben Niederlagen in Folge) völlig verunsicherten Fußballern des VfR Mannheim setzte es eine 1:4-Klatsche.

REIMUND ELBE

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MANNHEIM Sieben Auswärts-trips, null Zähler. Die Zwischenbilanz des VfL Kirchheim auf fremdem Terrain liest sich wie ein Armutszeugnis. Dem meist bieder agierenden VfR Mannheim genügten am Samstag bei tristen Herbstwetter wenige blitzgescheite Ideen, um die Partie im erhofften Sinne zu gestalten.

Allein die Entstehungsgeschichte der ersten drei Mannheimer Treffer im Rhein-Neckar-Stadion zeigt, dass der eine oder andere Kirchheimer Kicker an diesem Tag schlichtweg überfordert oder nicht so recht bei der Sache war. So rückte vor dem 1:0 für den VfR die Kirchheimer Viererkette ohne Not auf, spekulierte auf Abseits. Ungewollte Folge: Die Mannheimer erkannten die vielversprechende Situation, reagierten geistesgegenwärtig und der steil angespielte Haris Tahirovic schoss den Ball aus zehn Metern unbedrängt an die Unterkante der Latte, von wo aus die Kugel den Weg ins Netz fand. Zwölf Minuten später kam es noch dicker für die Kirchheimer. Nach einem Eckball verlängerte der am "kurzen" Pfosten stehende Coskun Isci die Flugbahn des Balles mit einem missglückten Kopfball beträchtlich. Zwar beobachteten eine ganze Reihe Kirchheimer Spieler inklusive Torwart die weitere Flugkurve des Spielgerätes, beachteten jedoch nicht, dass VfR-Torjäger Rubio-Sanchez am "langen" Pfosten lauerte. Der 24-Jährige nahm das Geschenk dankend an, konnte dem Ball quasi nicht mehr ausweichen und nickte brav zum 2:0 ein. Nur 60 Sekunden später ließen sich die nun völlig desorientiert wirkenden Kirchheimer zum dritten Mal übertölpeln, Nutznießer diesmal Timo Dörflinger.

Aber die geneigte VfL-Anhängerschaft weiß, dass die Kirchheimer Fußballer ab und an mehr zu bieten haben als laienhafte Fehler. Das 3:0 gegen den Regionalligisten Stuttgarter Kickers jüngst im WFV-Pokal lieferte eine Kostprobe vom durchaus vorhandenen Können des Oberliga-Aufsteigers ab. Auch in Mannheim hatten die Kirchheimer starke Momente. Trotz eines vermeintlich uneinholbaren Rückstandes gelang es dem Team von Michael Rentschler und Christian Hofberger vor allen Dingen nach der Pause Feriz Meha hatte zuvor in der 37. Minute nach punktgenauem Zuspiel von Sven Lukac das 1:3 besorgt den zuvor so schmerzlich vermissten Druck aufzubauen. Plötzlich war Kombinationsfluss vorhanden und der VfR Mannheim offenbarte erste Schwächen.

Nach dem Abpfiff trauerte Trainer Michael Rentschler besonders jener Situation nach, in der Feriz Meha in der 71. Minute aus seitlicher Position frei zum Schuss kam. Doch der Ball landete direkt in den Armen des VfR-Schlussmannes. "Solche Chancen muss man verwerten", kritisierte Rentschler nach dem Spiel ungewohnt deutlich. Statt einem 2:3 und einer womöglich spannenden Schlussphase folgten stattdessen weitere Kapriolen in der VfL-Hälfte. So spielte Abwehrspieler Andreas Mayer bei einer völlig überhasteten Abwehraktion den Ball direkt vor die Füße des eingewechselten Patrick Marschlich; jener durfte sich frei stehend förmlich das Eck aussuchen und entschied sich für das linke.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Als es in der Schlussphase mehrere Freistöße in der Kirchheimer Hälfte zugunsten des VfR gab, meldete sich nochmals der Mannheimer Anhang lautstark zu Wort. "Einer geht noch rein", skandierte der Vorsänger im Fanblock per Megafon mit Schalk in der Stimme. Galgenhumor hingegen bei einem der rund 30 VfL-Getreuen im Stadion. "1:9 in Heidenheim, 1:5 in Walldorf, nun 1:4 in Mannheim die Auswärtsniederlagen werden immerhin knapper." Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

VfR Mannheim: Weiss Bertholdt, Sieverling, Vidakovic, Terrazzino Dörflinger, Hien, Ekiz (46. Marschlich), Spencer Tahirovic (73. Glutsch), Rubio-Sanchez (83. Arif).VfL Kirchheim: Gühring Eisenhardt, Mayer, Koch, Lovric Kutscher, Raspe, Polat, Isci (68. Söylemezgiller) Lukac (84. Altinsoy), Meha (82. Gonsior).Tore: 1:0 Tahirovic (18.), 2:0 Rubio-Sanchez (30.), 3:0 Dörflinger (31.), 3:1 Meha (37.), 4:1 Marschlich (76.).Gelbe Karten: Rubio-Sanchez, Hien Mayer, Söylemezgiller.Zuschauer: 300.Schiedsrichter: Marcel Göpferich (Bretten) leitete souverän.