Lokalsport

16 Stunden zwischen Rathaus, Marktplatz und Sparkasse

KIRCHHEIM In alten Zeiten wäre er als Hans Dampf in allen Gassen bezeichnet worden. Tausendsassa

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PETER EIDEMÜLLER

hätte man ihn in jüngerer Vergangenheit genannt. Im heutigen Sprachgebrauch würde man Johannes Dornhofer wohl einen "Allrounder" nennen. Für den Rennleiter des Kirchheimer Radrennens gab es während der gestrigen Veranstaltung kein Problem, das er nicht gelöst, keine Frage, die er nicht beantwortet hätte. Zu keinem Zeitpunkt wirkte der gebürtige Bonner mit Wohnsitz in Pähl am Ammersee gestresst oder genervt, im Gegenteil: "Wir haben einen richtig schönen Tag verbracht", verkündete der 43-Jährige gestern Abend um kurz vor 21 Uhr da war er bereits seit rund 16 Stunden auf den Beinen.

Etliche Zeigerumdrehungen vorher: Johannes Dornhofer pendelt zwischen Rathaus, Marktplatz, Wachthaus und dem Rennleiter-Stand an der Kreissparkasse. Ständig ist er per Funkgerät und Kopfhörer mit seinem Co, Hans-Jürgen Rotter in Kontakt. "Wo ist das Absperrband?", "Jemand hat seine Sprint-Prämie nicht abgeholt", "Wann ist mit dem Start des Hauptrennens zu rechnen?" sämtliche Fragen und Probleme, die während einer Marathon-Veranstaltung wie dieser auftauchen, werden drahtlos beantwortet und gelöst. "Du brauchst nur die richtigen Leute um dich rum, dann klappt das alles fast von selbst", sagt Dornhofer.

Auf einem seiner zahllosen Male quer durch die Innenstadt begrüßt der einst in Wolfschlugen lebende Rheinländer den sportlichen Leiter der Kirchheimer Fußballmannschaft, Norbert Krumm. "Den Nobby kenne ich noch aus meiner Zeit als Fußballer beim TSV Ötlingen", verrät er, "das ist aber schon ewig her." Immer wieder schüttelt er Hände, gibt Auskünfte oder packt selbst mit an. So schiebt er an der Ecke Rathaus/Marktstraße kurzerhand einen Anhänger unter den Torbogen, damit keine Zuschauer rüber auf die Max-Eyth-Straße laufen. "Das ist mit die gefährlichste Stelle der ganzen Strecke", sagt Dornhofer schon wieder zurück auf dem Weg zur Sparkasse. Dort sitzt seine Frau Sabine im Foyer und fungiert als Prämienpreis-Verteilerin. Viel Zeit für Privates bleibt den beiden nicht: Als Rennleiter wird Dornhofer an allen Ecken und Enden gebraucht und gewünscht. So auch kurz nach dem Start des Amateurrennens. Am Stand der Sparkasse vor der Stadtbücherei stoßen die Honorationen mit einem Gläschen Sekt an: RKV-Boss Roland Geiger, der Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann sowie Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer und Sparkassen-Boss Dietmar Ederle nippen genussvoll diskutierend an ihren Gläsern Johannes Dornhofer leert seins da etwas zügiger, länger als fünf Minuten ist er an diesem Tag nirgends zu sehen.

Kurz vor 13 Uhr die erste größere Aufregung: Die Anzeige-Tafel über der Start- und Ziellinie fällt während des Amateurrennens kurzfristig aus. Dornhofer lapidar: "Immer schön ruhig bleiben." Wo andere in vergleichbaren Situationen womöglich in Hektik verfallen würden, legt er betonte Gelassenheit an den Tag. "Am Ende wird alles gut", so sein Leitspruch. Damit dies auch für die teilnehmenden Radler gilt und keiner mit Blessuren nach Hause kommt, muss er kurz vor Ende des Amateurrennens wieder selbst eingreifen: Die Werbekolonne von fünf Autos, die zwischen den Rennen über die Strecke rollt, droht dem herannahenden Feld im Wege zu stehn. Dornhofer "verscheucht" den Tross kurzerhand, ohne dabei auch nur im entferntesten böse oder laut zu werden.

Ruhig und gelassen kann er sich so dem nächsten Problem widmen: Eine Teilnehmerin des Damen-Rennens ist verzweifelt auf der Suche nach Helm und Trikot. Dornhofer weiß Rat und verweist an den entsprechend Verantwortlichen. Selbst kurz vor dem Hauptrennen sucht man Nervosität vergebens auf seinem Gesicht. "Der Puls ist ruhig", sagt er augenzwinkernd. Den Sieg von Stefan Schumacher um kurz nach halb sechs erlebt der gelernte Physiotherapeut da, wo er sich während des ganzen Tages nur sporadisch aufhalten konnte: An der Rennstrecke.

Nachdem die Strecken-Absperrungen abgebaut sind, findet endlich auch er die Zeit, sein Funkgerät abzuschalten und kurz durchzuschnaufen. "Ich ruhe in mir selbst", sagt er und erteilt einer nahe liegenden Vermutung eine Absage: "Müde bin ich eigentlich nicht. Dank des tollen Teams ist der Tag ganz schnell rumgegangen." Nicht ohne Stolz berichtet er von einem ersten bilanzierenden Gespräch mit dem Hauptsponsor, der Sparkasse: "Die haben gesagt, dass war die bisher beste Veranstaltung." Auf diesen Lorbeeren will er sich in Zukunft jedoch keinesfalls ausruhen. "Im kommenden Jahr soll's noch besser werden", gibt er als Ziel aus, "oder wenigstens genau so gut." Für einen Allrounder, Tausendsassa und Hans Dampf in allen Gassen wie ihn ein würdiger Anspruch.