Lokalsport

2:1 – Fehlstart ist perfekt

VfL schlägt gegen Normannia Gmünd aus Überlegenheit kein Kapital

Fleißig, aber erfolglos: Fußball-Oberligist VfL Kirchheim wartet auch nach dem dritten Saisonspiel auf den ersten Sieg. Die 1:2 (0:2)-Heimniederlage gegen Normannia Gmünd war am Samstag Resultat einer unseligen Mischung aus Pech und Pannen.

Anzeige

REIMUND ELBE

Kirchheim. Im Kirchheimer Stadion ging es nach dem Abpfiff zu wie einst in der ARD-Fernsehsendung „Pro und Contra“: Auf der einen Seiten fanden sich jene, die von der Leistung der Teckstädter durchaus angetan waren und folglich von einem völlig unverdienten Erfolg für die Normannia sprachen. Das positive Urteil beruhte in erster Linie auf der Tatsache, dass der VfL über weite Strecken das Tempo in der durchaus unterhaltsamen Oberliga-Begegnung diktiert und häufiger in Ballbesitz war. Doch heraus kam dabei (fast) nichts. Das war auch der Hauptkritikpunkt der Contrafraktion unter den Kirchheimer Anhängern. Um‘s salopp zu sagen: Die VfL-Kicker machten am Samstag im richtigen Augenblick das Falsche. So wurden mehrmals Hoffnung weckende Angriffe wenig durchdacht zu Ende geführt.

Vor allem nach dem Anschlusstreffer zum 1:2 versäumte es der VfL gegen eine in der Deckung immer anfälliger werdende Gmünder Mannschaft, der Partie die Wende zu geben. Unmotivierte Fernschüsse (Polat, Eisenhardt, Koch) statt auf besser postierte Mitspieler zu passen, sich aufreiben in überflüssigen Zweikämpfen. Nur zwei Beispiele, warum sich die gegenüber der schwachen Partie in Illertissen verbesserten Kirchheimer so schwer taten.

Wenn du kein Glück hast, kommt auch noch das Pech hinzu: Frei nach dem Zitat-Klassiker des Ex-Bundesligatorjägers Jürgen Wegmann erging es den Kirchheimern in der 66. Minute. Mit einem klugen Pass hatten der VfL die Gmünder Abwehr düpiert, der Weg für Uwe Beran Richtung Tor war frei. Doch ein Wink des Schiedsrichterassistenten machte die Hoffnung auf das 2:2 zunichte. Die Abseitsentscheidung war einer der wenigen Fehler des ansonsten solide leitenden Schiedsrichtertrios um Referee Florian Boller. In punkto Anfälligkeit in der Defensive konnten die Kirchheimer allerdings am Samstag locker mit den Gmündern mithalten. Beide Tore resultierten aus Unaufmerksamkeiten nach Standardsituationen. Mit einem in den Fünfmeterraum gezogenen Eckball düpierte der ehemalige Kirchheimer Mittelfeldstratege Steffen Kaiser gleich zwei VfL-Kicker: Abwehrspieler Mario Grimm verließ sich auf den neben ihm postierten Torwart Uttikal und der beförderte die Kugel zur Überraschung der 250 Zuschauer mit der Hand ins eigene Gehäuse.

Nur drei Minuten später sorgte Gmünds Youngster Manuel Grampes (19) – einzige nominelle Spitze beim Team von Alexander Zorniger – für eine Torrarität. Der Angreifer verwertete eine Freistoß-Hereingabe von Steffen Kaiser aus elf Metern Entfernung per Hacke zum 2:0. In Folge kombinierten die Gmünder ein ums andere Mal vielversprechend in der Kirchheimer Hälfte, vor allen Dingen im defensiven Mittelfeld hatte der VfL in dieser Phase große Probleme. Wie „Hacke“-Torschütze Grampes in komplizierten Situationen überraschende Lösungen finden, das konnten die Kirchheimer am Samstag bis auf wenige Ausnahmen nicht bieten. Wenigstens der direkt nach der Pause für Kagan Söylemezgiller eingewechselte Mittelfeldakteur Nicole Spina belebte nicht nur das VfL-Offensivspiel, sondern traf auch aus dem Gewühl heraus zum 1:2 (58.). Demgegenüber standen jedoch teils kläglich vergebene Torgelegenheiten und schlampig eingeleitete Vorstöße. „Ich bin nach diesem Spiel aufgewühlt“, bekannte Kirchheims Trainer Dietmar Sehrig. „Wir haben vor allen Dingen in der zweiten Halbzeit sehr engagiert gespielt“, ärgerte sich der VfL-Coach, „aber unsere Energie ist nicht in die richtigen Bahnen geraten. Bei vielen Angriffen waren wir zu übermotiviert.“ Normannia-Trainer Zorniger spielte in seinem Statement auf die Vorgeschichte der beiden Tore an. „Zum Fußball gehören eben auch Standardsituationen“, merkte der Gmünder trocken an.

VfL Kirchheim: Uttikal – Koch, Kauffmann, Grimm, Eisenhardt – Ohran (84. Isci), Er, Söylemezgiller (46. Spina), Polat – Beran, Altinsoy (66. Kadrija).

Normannia Gmünd: Zech – Göhl, Kasunic, Zimmermann, Accardi – Catizone (90. Faber), Dominik Kaiser (81. Krätschmer), Mangold, Steffen Kaiser, Molinari (88. Guimares) – Grampes.

Tore: 0:1 Steffen Kaiser (31.), 0:2 Grampes (34.), 1:2 Spina (58.).

Gelbe Karten: Grimm, Kauffmann, Söylemezgiller – Mangold, Steffen Kaiser.

Schiedsrichter: Florian Buller (Leonberg).

Zuschauer: 250.