Lokalsport

3:2 – Rolf Baumann als Hans im Glück

Fürs Lottospielen ist in der Familie Baumann die Schwiegermutter zuständig. Vielleicht hätte diesmal ausnahmsweise der Schwiegersohn das Ankreuzen der Lottozahlen übernehmen sollen. Denn mit dem glücklichen Händchen, das VfL-Trainer Rolf Baumann gegen den Offenburger FV bewies, hätte er große Gewinnchancen gehabt: Mit viel Dusel und zwei „Joker“-Toren gewann Kirchheim das Oberliga-Kellerderby Vorletzter gegen Letzter mit 3:2 (0:1).

KLAUS SCHLÜTTER

Kirchheim. Nach dem Abpfiff bildeten elf überglückliche VfL-Spieler samt Reservisten und Betreuer einen Kreis, tanzten Ringelreihen und klatschten sich ab. Übermütig feierten sie den enorm wichtigen Sieg, erst den dritten in dieser Saison, mit dem eigentlich keiner der 300 Zuschauer mehr gerechnet hatte. Einen Sieg, der neue Hoffnungen auf das Minimalziel der Saison, den Klassenerhalt, weckte.

Die Uhr des Schiedsrichters tickte in der dritten Minute der Nachspielzeit, als das kleine Wunder an der Jesinger Allee Wirklichkeit wurde. Ferdi Er flankte von rechts hoch in den Strafraum. Selim Altinsoy fasste sich ein Herz, knallte den Ball mit links aus spitzem Winkel unhaltbar ins kurze Eck. „Ein toller Volleyschuss zu einem glücklichen Sieg“, strahlte Rolf Baumann später.

Anfangs hatte Fortuna ihre Finger nicht im Spiel. In der 6. Minute entschied der schwache Schiedsrichter Sven Lehmann (Neustadt/Baden) auf Freistoß gegen Kirchheim und alle schimpften. Auch Baumann: „Eine Fehlentscheidung, ein Skandal.“ Dominik Gassmann bedankte sich für das Geschenk und versenkte die Kugel aus 17 Metern über die Mauer zum 0:1 in die Torwartecke.

Der FV Offenburg (Durchschnittsalter 21 Jahre) spielte mit zwei Spitzen und war gefährlicher als der VfL, der sich auf einen Stürmer (Maximilian Laible) beschränkte. Baumann verteidigte seine Taktik: „Ich habe mich für ein Fünfer-Mittelfeld entschieden und fand das gar nicht schlecht.“

Allerdings brauchte es trotzdem viel Glück, dass die Partie nicht schon vor der Pause zugunsten der Gäste entschieden war. Adrian Vollmer stand nach einem Abwehrfehler plötzlich völlig frei vor dem leeren VfL-Tor, traf den Pfosten (43.).

Nach einer verkorksten ersten Halbzeit mit vielen Fehlpässen schwor der erfahrene Oliver Otto seine Mitspieler auf dem Platz auf einen besseren zweiten Durchgang ein. Das fruchtete. Kirchheim mit den nun eingewechselten Offensivkräften Selim Altinsoy und Nicola Spina wirkte wie verwandelt. Als sich OFV-Abwehrspieler Sebastian Braun wegen eines verrenkten Halswirbels draußen behandeln lassen musste, nutzte Verteidiger Matthias Koch die Verwirrung beim Gegner und erzielte den Ausgleich (48.). Zwei Minuten später rettete Gael Baillargeault bei einem Kopfball von Nico Kauffmann auf der Linie. Doch der Führungstreffer ließ nicht lange auf sich warten. Otto leitete ihn mit einer Kopfball-Vorlage zu Emrah Polat ein. Dessen Flanke verwandelte Spina mit Köpfchen (54.)

Danach war vorerst Schluss mit der Kirchheimer Herrlichkeit. Derselbe Koch, der vorher noch das 2:1 besorgt hatte, leistete sich einen schweren Abwehrschnitzer. Benjamin Göhringer kam frei zum Schuss, aber Patrick Gühring reagierte blitzschnell (69.). Weil sich Koch vorher eine nicht geahndete Tätlichkeit an Marco Petereit geleistet hatte und später Gelb sah, nahm ihn Baumann vorsichtshalber aus dem Spiel. Aber nun patzte ausgerechnet Ferdi Er, einer der Zuverlässigen. Der Abwehrchef fiel auf eine simple Körpertäuschung von Alexander Christ herein, verschuldete damit das 2:2 durch den OFV-Torjäger. In der 86. Minute wurde Gühring gegen Sedat Ülker als Sieger in einer Eins-gegen-Eins-Situation erneut zum Retter seiner Mannschaft.

Es spricht für die Moral der VfL-Truppe, dass sie sich noch einmal aufrappelte und mit letztem Einsatz auf den Siegtreffer drängte. Altinsoy belohnte sich und seine Jungs mit dem Last-Minute-Tor. Baumann: „Wir haben nicht die Möglichkeit, über 90 Minuten konstant zu spielen. Aber wir arbeiten dran.“

VfL Kirchheim: Gühring – Koch (75. Thies), Kauffmann, Er, Eisenhardt – Polat, Orhan (46. Altinsoy), Söylemezgiller, Otto, Kadrija (46. Spina) – Laible

Offenburger FV: Göppert – Baillargeault, Gassmann, Braum, Benz – Göhringer, Vollmer, Gottwald, Salihu (56. Ülker) – Christ, Petereit

Tore: 0:1 Gassmann (6.), 1:1 Koch (48.), 2:1 Spina (54.), 2:2 Christ (70.), 3:2 Altinsoy (90.)

Gelbe Karten: Gühring, Er, Polat, Koch (alle Kirchheim) – Ülker

Zuschauer: 300

Schiedsrichter: Lehmann (Neustadt).

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