Lokalsport

4:0 VfL behält in Eislingen die Nerven

Der Tanz auf der Rasierklinge endete mit Freudensprüngen: Mit einem überzeugenden 4:0 (1:0)-Sieg über den FSV Bissingen hat sich Verbandsligist VfL Kirchheim gestern in Eislingen vor rund 1 100 Zuschauern den Klassenerhalt in der Verbandsliga gesichert.

REIMUND ELBE

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EISLINGEN Man kann wirklich nicht behaupten, dass das Glück den Kirchheimer Kickern in dieser Saison hinterhergelaufen ist. Mit zig Negativerlebnissen aus der jüngsten Vergangenheit belastet, gingen die Mannen von Spielertrainer Michael Rentschler in das Alles-oder-nichts-Match an der Fils. Doch wenn einem so viel Schlechtes widerfährt, scheint offenbar ab und an doch wieder das Glück zurückzukehren.

Wie in der fünften Minute, als ausgerechnet dem Bissinger Routinier Roman Kasiar der Aussetzer des Jahres passierte. Als ein hoher Ball Richtung Strafraum segelte, bekam der 35-jährige Bissinger die Kugel nicht unter Kontrolle und trat zudem am Ball vorbei. Damit ging die Spekulation von VfL-Angreifer Marcel Klon auf, der sich nahe des Nervenbündels Kasiar positioniert hatte Klon erspitzelte sich das Leder und traf mit einem Flachschuss aus kurzer Distanz zum 1:0.

Für Klon war es der traumhafte Auftakt zu einem seiner besten Spiele im Kirchheimer Trikot. Spielertrainer Michael Rentschler hatte den VfL-Offensivmann als einzige Spitze nominiert das bedeutete für den angehenden Polizisten extrem viel Laufarbeit bei Temperaturen von rund 30 Grad im Schatten.

Doch der Schachzug des VfL-Übungsleiters trug, auch dank der Konditionsstärke Klons, Früchte. Immer wieder setzten die Kirchheimer Mitspieler den antrittsschnellen Offensivakteur mit langen Pässen in Szene, stifteten damit in der Defensive des Landesliga-Vizemeisters große Verwirrung. Einziges Manko: Die fast im Minutentakt erspielten Chancen wurden nicht in Treffer umgemünzt.

Und die Bissinger? Über weite Strecken harmlos. Selbst Ex-Profi Alfonso Garcia (35) gelang es nicht, Akzente im Bissinger Spiel zu setzen. Das 2:0 gegen die nahezu chancenlosen FSV-Kicker schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Warten mussten die rund 350 angerückten VfL-Anhänger darauf allerdings bis zur zweiten Hälfte.

Doch die in dieser Saison oftmals strapazierten Nerven der VfL-Symphatisanten erfuhren doch noch Beruhigung. Der vom Verbandsliga-Aufsteiger FC Eislingen umworbene VfL-Mittelfeldmann Coskun Isci machte per Kopf (57.) und Fuß (65.) den Bissinger Aufstiegsträumen ein Ende. Erfreulich zudem, dass die Vorarbeit zu den Treffern spielerisch exzellent waren. Vor dem 2:0 hatte Defensivakteur Guido Fuchs eine äußerst präzise Flanke in den Fünf-Meter-Raum geschlagen, der zuletzt des Öfteren gescholtene Fabio Morisco bediente sieben Minuten später Isci mit einem uneigennützigen Pass, was der umworbene Kirchheimer Kicker zu einem weiteren Treffer nützte.

Von diesem Zeitpunkt an war die Luft bei den Gästen raus. "Es hat bei uns heute einfach die Substanz gefehlt", klagte Alfonso Garcia nach dem Abpfiff, "das frühe 0:1 war bei diesem warmen Wetter Gift."

Das 4:0 für den VfL (90.) hatte zwar vornehmlich nur noch statistischen Wert, für Kirchheims Angreifer Antonino Singh war es nach verletzungsträchtigen Wochen jedoch ein schöner persönlicher Saisonabschluss.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich längst VfL-Fans und Funktionäre am Spielfeldrand formiert, um beim Abpfiff zum kollektiven Freudensprung anzusetzen der Auftakt zu einer langen Nacht im Clubheim an der Jesinger Allee, zu dem sich die Kirchheimer nach Spielende aufmachten.

VfL Kirchheim: Rechner Fuchs, Eisenhardt, Rentschler, Siopidis Isci (86. Dashi), Kutscher, Grimm, Polat Morisco (77. Baumer), Klon (69. Singh).FSV 08 Bissingen: Burkhardt (73. Tepegiozis) Kasiar Vritschan (66. Sert), Helmle, Taipliadis (11. Widmann) Ballat, Garcia, Rothkopf, Dambacher Schwingenschlögl, Bahmer. Tore: 1:0 Klon (5.), 2:0 Isci (57.), 3:0 Isci (65.), 4:0 Singh (90.). Gelbe Karten: Fuchs, Grimm, Morisco Vritschan, Ballat, Rothkopf, Widmann.Zuschauer: 1 100 (900 Zahlende). Schiedsrichter: Bundesliga-Referee Markus Schmidt (Stuttgart) leitete ausgezeichnet.