Lokalsport

767 Kilometer: Heimann fliegt deutschen Rekord

Das vergangene Segelflug-Bundesligawochenende hielt eine Überraschung bereit: Horst Heimann von der Fliegergruppe Wolf Hirth flog eine Zielrückkehrstrecke über 767 Kilometer und brach damit den bestehenden deutschen Rekord.

KIRCHHEIM Heimanns Flug zählte auch für die Segelflug-Bundesliga. Gemeinsam mit seinen Vereinskameraden Tim Sigel und Mario Kießling erflogen die Kirchheimer den 5. Platz im 14. Durchgang und verbesserten sich damit auf Platz sieben der Gesamtwertung. Die Dettinger Segelflieger landeten auf Tages-Platz 14 (siehe Extrabericht).

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Horst Heimann hatte in den letzten Wochen zwei glücklose Versuche hinter sich, den bestehenden Rekord über 752 Kilometer zu verbessern, doch er gab nicht auf: An diesem Sonntag sah es nach einer brauchbaren Wetterlage für einen langen Zielrückkehrflug in den Schweizer Jura aus. Sein Optimismus wurde auch nicht durch die ungläubigen Gesichter seiner Fliegerfreunde auf der Hahnweide erschüttert, die dem Wetter nicht recht trauten. Nur Fliegerfreund Bernd Weber (Fliegergruppe Köngen) wollte sich Heimann anschließen. Die beiden starteten gegen 10.30 Uhr, zu einer für den Hochsommer recht frühen Zeit, was sich aber mit hohen Reisegeschwindigkeiten über 100 km/h gleich zu Beginn auszahlen sollte.

Die ersten Tücken ihres Fluges stellten sich den beiden nach Durchflug des Schwarzwaldes: die Überquerung des meist thermiklosen Rheintals, die Höhenbeschränkung für Segelflieger im Luftraum Zürich und die Wetterentwicklung im Jura. Doch wenn auch das Wetter weiter nicht so gut aussah, gestaltete sich der Weiterflug erfreulich. An den Hügelketten des Jura sausten die beiden knapp über dem Grat entlang und trafen dort auf "fliegende Hindernisse: viele Gleitschirm- und Drachenflieger, für die diese Gegend ein fliegerisches Paradies darstellt. Den Hahnweide-Piloten erschien der Himmel bisweilen so voll von den Fliegerkollegen, sodass ihnen ein Durchkommen schier unmöglich erschien. Es gelang ihnen jedoch problemlos, und das Wetter wurde langsam auch immer besser.

Als Belohnung flogen sie eine 80-Kilometer-Strecke, ohne einen Kreis zur Höhengewinnung machen zu müssen. So erreichten die beiden Piloten die Wende westlich des Genfer Sees eine halbe Stunde vor ihrem aufgestellten Zeitplan fast 400 Kilometer von der Hahnweide entfernt. Ihr Rückflug nach Kirchheim verlief zunächst problemlos bei Reisegeschwindigkeiten bis zu 120 km/h, bis sie Funksprüche von anderen Piloten über der Schwäbischen Alb empfingen: Überentwicklungen mit Schauern auf der Alb. Die beiden erfahrenen Piloten ließen sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen, da der Schwarzwald nach aufgestiegenem Nebel die beiden schon wieder mit guter Sonneneinstrahlung empfing. Die weitere Schauertätigkeit auf der Schwäbischen Alb ließ die beiden Piloten einen Umweg bis weit hoch in den Schwarzwald fliegen, sodass sie erst kurz vor der Kontrollzone Stuttgart in Richtung Alb querten.

Heimann und Weber flogen mit dem letzten "Bärtchen" (Segelflieger-Jargon: schwaches Aufwindfeld) zurück und landeten kurz vor 19 Uhr glücklich auf der Hahnweide. Dann wurde mit den Fliegerfreunden der deutsche Klassenrekord gefeiert. Die beiden anderen Wolf-Hirth-Piloten Tim Sigel und Mario Kießling hatten ihre Strecken am Sonntag wettertechnisch nicht ganz so glücklich gewählt wie die beiden Rekordpiloten. Sie wollten Stuttgart "umrunden", das heißt die Kontrollzone Stuttgart im Großen Viereck umfliegen. Beide starteten erst recht spät und hatten dann bereits mit Überentwicklungen auf der Alb zu kämpfen, sodass sie ihre geplanten Strecken verkürzen mussten. Dennoch trafen sie auf ihren Strecken auf sehr gute Steigwerte von 3 bis 4,5 Metern pro Sekunde und konnten so die für die Segelflug-Bundesliga schnellen Schnitte erfliegen: Kießling erflog auf seinem 535 km-Vieleck einen Schnitt von 109,38 km/h (der drittschnellste Flug in ganz Deutschland an diesem Wochenende), Sigel gelang über 456 km ein Schnitt von 95,55 km/h.

Die Segelflug-Bundesliga wird weiterhin souverän angeführt vom Alpensegelflugverein Königsdorf (206 Punkte), gefolgt von Esslingen (186) und Öhringen (179). Noch fünf Runden sind zu fliegen.

kh