Lokalsport

790 Euro Satte Strafe für die TG Kirchheim

Ein Urteil und seine Folgen: Das Sportgericht Neckar/Fils hat Fußball-B-Ligist TG Kirchheim unter anderem wegen unsportlichem Verhalten beim und nach dem Dettinger Hallenturnier Ende Januar insgesamt 790 Euro Strafe aufgebrummt und sorgt damit für erhitzte Gemüter an der Jesinger Allee. TG-Abteilungsleiter Wolfgang Kretzschmar will in Berufung gehen und hat bereits Konsequenzen gezogen.

PETER EIDEMÜLLER

Anzeige

KIRCHHEIM Das Urteil trifft die TG Kirchheim hart. Sandro Giacobbe: vier Monate Sperre wegen unsportlichem Verhaltens. Costa Giacobbe: sechs Monate Sperre und 60 Euro Geldstrafe wegen Tätlichkeit und unsportlichem Verhaltens. TG Kirchheim: 350 Euro Geldstrafe wegen Verschulden eines Spielabbruchs und sportwidrigem Verhaltens. Wolfgang Kretzschmar: 200 Euro wegen sportwidrigem Verhaltens zuzüglich der anhänglichen Verfahrenskosten beläuft sich die gesamte Geldstrafe, die der Verein berappen muss, auf 790 Euro.

Die Meinungen über das Urteil sind naturgemäß höchst unterschiedlich: "Das ist eine den Anlässen angemessene Strafe", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Sportgerichts, Siegfried Bippus. "Das werden wir so nicht hinnehmen", sagt Wolfgang Kretzschmar. Der TG-Boss kündigte gestern an, bei der nächsthöheren Instanz (Verbandsgericht in Stuttgart) in Berufung gehen zu wollen und schloss auch personelle Konsequenzen nicht aus: "Sollte das WFV-Gericht das Urteil bestätigen, lege ich sofort mein Amt als Abteilungsleiter nieder." Laut Kretzschmar habe auch der verurteilte Costa Giacobbe, selbst übrigens aktiver Jugendschiedsrichter, entsprechend auf das Urteil reagiert: "Costa wird nicht mehr pfeifen." Die Empörung wiegt hoch, die Gemüter sind erhitzt und die Frage, die sich stellt ist: Was ist passiert?

Auslöser der Querelen ist das vorgestern ergangene Urteil des Sportgerichts Neckar/Fils bezüglich der Vorkommnisse beim Dettinger Hallenturnier am 23. Januar. Dort trafen in der Zwischenrunde der TSV Notzingen II und die TG Kirchheim aufeinander. Beim Stande von 4:2 für Notzingen kam es kurz vor Ende der Partie in Folge eines vermeintlichen Fouls eines Notzingers zu tumultartigen Szenen. Darin waren unter anderem Notzingens Torwart Manuel Langguth, als auch die beiden TG-Kicker Sandro Giacobbe und Costa Giacobbe verwickelt. Letzterer, unter anderem ehemaliger Oberligakicker beim VfL Kirchheim, soll den Notzinger Goalie mit einer Hand am Hals gepackt, sein jüngerer Bruder Sandro ihn weggeschubst haben so vermerkte es der Schiedsrichter der Partie, Olaf Penka, im Spielbericht.

Nachdem sich die Situation wieder beruhigt hatte, verwies der Unparteiische das kickende Brüderpaar wegen der Aktionen gegen Langguth jeweils per Roter Karte des Feldes. Daraufhin seien die beiden auf Penka zugegangen, Sandro Giacobbe soll den Referee am Hals gepackt und ihm im Augenbereich Verletzungen in Form von Kratzspuren zugefügt haben. Penka hatte daraufhin das Spiel abgebrochen, die TG wurde von der Turnierleitung disqualifziert.

Einen Tag später nahm der Verein Stellung zu den Geschehnissen. Abgesehen davon, dass die Vorfälle relativiert wurden, holte TG-Abteilungsleiter Kretzschmar zum Rundumschlag gegen die Schiedsrichterzunft aus: Es mache keinen Spaß mehr, denn die Götter in Schwarz dürften sich alles erlauben, die Vereine seien immer die Dummen, so Kretzschmar am 24. Januar in der Stellungnahme.

Am 3. März wurde die Sache vor dem Sportgericht in Eislingen unter dem Vorsitz von Siegfried Bippus verhandelt. Auf seine Ausführungen in der Stellungnahme angesprochen, antwortete Kretzschmar, dass Schiedsrichter Olaf Penka bewusst und gewollt falsche Entscheidungen getroffen habe. Folge: Zu Beginn der Hauptversammlung wurde ein Verfahren gegen Penka wegen sportwidrigem Verhaltens eingeleitet. Dieser stritt die Vorwürfe ab, weswegen auch gegen Kretzschmar ein Verfahren eingeleitet wurde. Plötzlich ging es nicht mehr nur um die Gebrüder Giacobbe, sondern auch um die Äußerungen von TG-Boss Kretzschmar mit bekanntlich teuren Folgen.