Lokalsport

Abgezockte Knights

KIRCHHEIM Wer hätte das gedacht? Nach dem Fingerbruch von Chuks Neboh am 4. Februar hatte die optimistischste Rechnung noch gelautet: ein Sieg aus den Spielen in Ludwigsburg und gegen Weißenhorn, mit Neboh trotz Einschränkung vielleicht zwei Punkte in Rastatt und die Hoffnungen auf die Aufstiegsrunde in die zweite Liga bleiben intakt. Statt dessen haben noch viel kühnere Optimisten die es zumindest im Umfeld der Knights gar nicht gab Recht behalten: Es sprangen zwei Siege heraus, und Rastatt verlor seither zwei Mal.

Anzeige

Wie aber hat die Truppe von Theo Leftakis das geschafft? Erstens durch eine aufopferungsvolle Verteidigung: "Weißenhorn auf 64 Punkte zu halten, ist eine Leistung", sagt Leftakis. Das Problem Mirko Buljubasic konnte allerdings nur ansatzweise gelöst werden. Der 2,13-Meter-Riese machte 29 Punkte, traf dabei starke zwölf von 19 Würfen (63 Prozent). Unter dem Korb war Weißenhorn also überlegen, sogar als Team. Vor allem die 16 Offensiv-Rebounds taten richtig weh. Zum Vergleich: Der VfL angelte sich gerade mal fünf. Doch außer Buljubasic hatte der FV an diesem Abend zu wenig zu bieten. Die Stars Rashaad Carter, Mario Simic und Chris Williams blieben meist blass. Vor allem von außen drohte weder von ihnen noch vom ehemaligen Zweitliga-Scharfschützen Dominik Vollmer oder Jochen Dirr Gefahr. Nur ganze fünf Mal versuchte es der FV von der Dreipunktelinie bei nur einem Treffer, was auch an Buljubasic lag: "Er ist kein guter Passer, vor allem auf der anderen Seite sieht er niemand", analysiert Leftakis.

Bei Kirchheim lief es da schon besser: Wieder zehn Dreier, bei einer starken Quote von 43 Prozent. Kai-Uwe Kranz traf bis zum vierten Viertel keinen einzigen aus dem Dreipunktland. "Meine erste Hälfte war wieder mal scheiße", nimmt Kranz kein Blatt vor den Mund. Doch als es darauf ankam, war er da. "Plötzlich habe ich meinen Rhythmus gefunden und super Pässe bekommen."

Großen Anteil am Erfolg hatten auch die kleinen Großen des VfL: Bill Goehrke, Wilu Lenger und Nenad Lukic. Goehrke stand so lange wie noch nie für die Knights auf dem Feld, nämlich 39 Minuten, fischte 13 Rebounds und war mit acht Assists noch vor Ross Jorgusen (7) bester Passgeber. Wilu Lenger machte wieder die kleinen Dinge, die in keiner Statistik auftauchen: Blocks stellen, Gegner durch die Gegend schieben, Freiräume für die Kollegen schaffen. Leider hatte ihn der ansonsten tadellose Schiedsrichter Oliver Gichert wieder einmal auf dem Kieker. Wegen Foulproblemen bekam das "Kampfschwein" der Knights nur 16 Minuten Spielzeit. Dadurch erhöhte sich der Anteil von Nenad Lukic, der 25 Minuten auf dem Feld stand. 50 Prozent Wurfquote, drei Rebounds, drei Assists, elf Punkte (sechs davon im vierten Viertel): Lukic ließ erahnen, auf was die Knights den größten Teil der Saison verzichten mussten. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, hätte er auch an diesem Samstag gefehlt.

Zusammen mit der KGJ Schwenningen, die am Samstagabend zur Pause noch mit 37:48 gegen Karlsruhe zurücklag und dann in einem fulminanten dritten Viertel (29:7) den SSC pulverisierte, stellen die Knights derzeit das beste, vor allem aber das abgezockteste Team der Liga. Am kommenden Wochenende soll beim Oberligisten Ettlingen die Teilnahme am Final Four um den BBW-Pokal klar gemacht werden, bevor in Rastatt das Schlüsselspiel der Saison steigt. Leftakis: "Wenn wir dort gewinnen, sind wir durch." Natürlich fährt ein Fanbus an diesem 4. März (Anmeldung: 0 70 21/4 12 19 oder ulrich@tangl.de).

mad