Lokalsport

Abschied ohne Reue

VfL-Turnerinnen vor dem Saisonfinale in der Bundesliga

Ein guter Schluss ziert alles: Die Turnerinnen des VfL Kirchheim wollen sich am dritten und letzten Wettkampftag am Samstag im fränkischen Veitshöchheim erhobenen Hauptes aus der Bundesliga verabschieden. Mit Rückkehrerin Adina Hausch steigen die Chancen auf ein versöhnliches Saisonfinale.

Bernd Köble

Kirchheim. Der Abstieg ist beschlossene Sache. Es käme schon einem Wunder gleich, könnte Kirchheims Vorzeige-Riege am letzten Wettkampftag noch die Hand nach einem Relegationsplatz ausstrecken. Mehr als 16 Punkte Rückstand auf den Tabellensiebten aus Leipzig sind eine schwere Hypothek. Beim VfL regiert indes Gelassenheit. Von enttäuschten Erwartungen kann am Ende einer Erstliga-Saison, die niemand auf der Rechnung hatte, keine Rede sein. Der überraschende Nachrücker stand in der Deutschen Turnliga von Beginn an als krasser Außenseiter fest. Ohne die angeschlagene Adina Hausch und mit Dorothee Henzler, die nach einjähriger Verletzungspause erst langsam wieder zur gewohnten Sicherheit findet, war der Klassenerhalt kein realistisches Ziel.

Daran konnte auch die kurzfristige Verpflichtung von Hanna Grosch nichts ändern. Immerhin: Die österreichische Staatsmeisterin am Stufenbarren, die vor zwei Wochen in Kirchdorf ihren Titel erfolgreich verteidigte, bot in beiden Wettkämpfen eine solide Leistung und erwies sich als echte Verstärkung im blutjungen Kirchheimer Team. Anders als ihre Teamkolleginnen hat die 17-jährige Innsbruckerin Erfahrung auf internationaler Bühne. Sowohl bei der EM 2008 als auch im Weltcup vertrat sie die Farben ihres Heimatlandes, zuletzt am vergangenen Wochenende beim DTB-Pokal in der Stuttgarter Porsche-Arena. Pech für den Kirchheimer Talentschuppen: Nie wog ein starkes Leistungsgefälle innerhalb der Mannschaft schwerer als in dieser Saison. Grund ist ein Novum im Reglement, das erstmals keine Streichwertung vorsieht.

Deshalb ruhen die Hoffnungen von VfL-Trainerin Michaela Pohl am Samstag auf dem Comeback von Adina Hausch. Zwar kehrt auch mit der erst 13-jährigen deutschen Vizemeisterin am Stufenbarren nicht gerade geballte Routine ins Kirchheimer Team zurück. Doch mit ihr steigen die Chancen am Kirchheimer Problemgerät deutlich. Satte 7,55 Punkte betrug beim Saisonauftakt im Saarland der Rückstand am Barren auf den Tabellensiebten aus Leipzig. Das sind Ausreißer, die in der Gesamtwertung kaum mehr wettzumachen sind.

Pohls Kampfansage gilt am Samstag den Konkurrenten am Tabellenende. Mit der TG Mannheim und dem TuG Leipzig lagen beim zweiten Saisonvergleich in Bergisch-Gladbach gleich zwei Mannschaften in der Tageswertung in Schlagweite. „Wir wollen Platz sieben“, meint die Trainerin mit neu gewonnenem Selbstvertrauen. „Wir sind nicht so weit davon entfernt.“ Sie weiß, wie wichtig ein solches Trostpflaster für die Moral in der jungen Mannschaft wäre.

Viel abhängen wird dabei auch von der Frage, wie es um die Moral von Dorothee Henzler bestellt ist. Das Kirchheimer Ausnahmetalent, das nach einjähriger Zwangspause verbissen um den Anschluss kämpft, musste am vergangenen Wochenende einen Rückschlag einstecken. Beim Kadertest in Dortmund verpasste die 16-Jährige nach zwei Missgeschicken am Schwebebalken und am Stufenbarren die Rückkehr in den Bundeskader. So oder so: Die Motivation in der Mannschaft stimmt, davon ist die Trainerin fest überzeugt. Die beiden Turnflöhe Pia Pohl und Lisa Kiedaisch haben sich die Woche über konzentriert auf die letzte Chance vorbereitet, sich auf höchster deutscher Ebene am Samstag zu empfehlen und auch Alina Binder brennt trotz gerade überstandener Grippe auf einen Einsatz vor den Toren Würzburgs.

An der Tabellenfront dürfte es zum erwarteten Zweikampf zwischen dem Spitzenreiter aus Chemnitz und dem schwäbischen Fusions­club aus Stuttgart und Ulm kommen. Gleichzeitig das Duell der beiden Nationalmannschaftskolleginnen Joeline Möbius (Chemnitz) und Kim Bui (Stuttgart). In Lauerstellung liegt das Turnteam aus Köln, das zeigen muss, ob es in der Lage ist, den Ausfall der alles überragenden Oksana Chusovitina zu verkraften. Die 33-jährige Silbermedaillengewinnerin in Peking zog sich beim Swiss Cup in Zürich vor zwei Wochen einen Abriss der Achillessehne zu.

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