Lokalsport

Acht Monate Sperre für Altdorfs Marc Mayer

Weil er versucht haben soll, eine Partie seiner Mannschaft zu manipulieren, ist der Spielertrainer des Fußball-A-Ligisten TSV Altdorf, Marc Mayer, zu einer achtmonatigen Sperrstrafe als Spieler, Trainer und Schiedsrichter verdonnert worden. Der Verein stellt sich hinter Mayer und prüft bereits weitere Schritte.

PETER EIDEMÜLLER

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ALTDORF Der stellvertretende Vorsitzende des Bezirks-Sportgerichts, Siegfried Bippus, spricht von einem Novum der negativen Art: "Einen Fall mit Manipulationsversuchen hatten wir noch nie." Der Beschuldigte ist in der Teck-Region kein Unbekannter: Marc Mayer (29) schnürte bis vor vier Jahren noch für den TSV Jesingen die Kickstiefel, war davor Coach der SGEH. In seiner jetzigen Funktion als Spielertrainer des TSV Altdorf, den er vergangene Saison in die Kreisliga A führte, sieht sich der auch als Referee für die Schiedsrichtergruppe Nürtingen tätige Mayer schweren Vorwürfen ausgesetzt: Das Bezirkssportgericht glaubt, ihm versuchte Spielmanipulation nachweisen zu können und zieht ihn deshalb für acht Monate aus dem Verkehr.

Am 1. April pfiff Mayer die A-Jugendpartie zwischen der SG Neckartenzlingen/Neckartailfingen und dem TSV Wendlingen. Im Verlauf des Spiels verwies Mayer einen Wendlinger Kicker per Roter Karte des Feldes, der TSVW gewann dennoch mit 2:1. Für die Wendlinger war auch Jonatan Ghebremariam am Ball, der nebenbei ebenfalls als Schiedsrichter tätig ist. Nach dem Spiel erzählte er Mayer, dass er am darauffolgenden Tag die Kreisliga-A-Partie zwischen Linsenhofen und Altdorf pfeifen werde. Daraufhin soll Mayer seinen 18-Jährigen Referee-Kollegen in die Schiedsrichterkabine gebeten und ihm dort einen "Deal" vorgeschlagen haben: Wenn Ghebremariam das Spiel des TSV Altdorf gut leiten würde, könne Mayer dafür sorgen, dass der Wendlinger Spieler, den er des Feldes verwiesen hatte, nicht oder weniger lang gesperrt werde. Auf die Frage, was er damit meine, soll Mayer gesagt haben, dass er zwar keine drei Elfmeter haben wolle, Ghebremariam aber gut pfeifen solle. Dieser lehnte ab und informierte umgehend seine beiden Trainer, später auch das Sportgericht.

Nach Anhörung beider Beteiligten bestanden für das Sportgericht laut Urteil "nicht die geringsten Zweifel" an der von Ghebremariam geschilderten Version des Sachverhalts. "Die Angaben Ghebremariams sind überaus schlüssig, plausibel und glaubhaft", ist dem Urteil zu entnehmen, und: "Das Fehlverhalten Mayers ist zweifelsfrei erwiesen." Siegfried Bippus, der als Vorsitzender des Sportgerichts zusammen mit seinen Kollegen Hans Sattmann und Jürgen Preißing die Sache zu entscheiden hatte, kommt überdies zu dem Schluss, dass Mayer insbesondere dem Ansehen des Schiedsrichterwesens einen nicht unerheblichen Schaden zugefügt hat.

Mayer weist die Vorwürfe entschieden zurück."Ich kann doch nicht für etwas bestraft werden, das ich nicht gemacht habe." Näher wollte er sich nicht äußern, verriet nur: "Ein Anwalt ist eingeschaltet." Die Verantwortlichen des TSV Altdorf verstehen ebenfalls die Welt nicht mehr. "Wir haben nichts zu verbergen und sind uns sicher, dass da nichts dran ist", sagt der Spielleiter des Clubs, Dietmar Kohler. Auf einer eilig für den späten gestrigen Abend einberufenen Ausschusssitzung wollte man eine Erklärung verfassen, in der sich die Verantwortlichen des Tabellensiebten hinter ihren Spielertrainer stellen. "Wir werden es aber auf keinen Fall dabei belassen", schließt Kohler eine Berufung auf Verbandsebene nicht aus. Sollte das Urteil dort bestätigt werden, droht Mayer die Streichung von der Schiedsrichterliste. "In diesem Fall wäre er nicht mehr tragbar", sagt Bezirksschiedsrichter-Obmann Klaus Bühler, "ein entsprechender Antrag müßte beim Verband eingereicht werden."