Lokalsport

Achterbahn fährt aufwärts

Basketball: VfL gewinnt erstes Relegationsspiel um Oberligaverbleib

Das war nichts für schwache Nerven. Zwischen völlig emotionslos bis zu total aufgedreht reichte die Spannbreite bei den Kirchheimer Oberliga-Basketballern am Sonntag. Am Ende stand nach dem ersten von zwei Relegationsspielen um den Verbleib in der Oberliga der wichtige 73:66-Auswärtssieg bei der BSG Ludwigsburg II.

Ludwigsburg. Es geht um alles oder nichts. Es geht um den Abschluss einer Seuchensaison, die mit einer letzten großen Anstrengung gerettet werden kann. Es geht womöglich um die Zukunft des Kirchheimer Basketball-Programms. Und was passiert? Die Oberliga-Truppe des VfL Kirchheim – wie erwartet ohne den am Knöchel verletzten Derrick Stevens – leistet sich fast den totalen mentalen Durchhänger. In den Worten des ziemlich ratlosen Trainers Pasko Tomic: „Kein Biss, keine Lust zu laufen, wenig Wille, keine Emotion, ohne Stolz.“

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Was sich am Sonntagnachmittag nach 15 Uhr in der Ludwigsburger Rundsporthalle aufseiten der Kirchheimer abspielte, war einfach nicht zu fassen. Die mit drei Regionalligaspielern verstärkte Landesligatruppe der BSG Ludwigsburg, die doch nicht, wie gerüchteweise vermutet, mit der kompletten NBBL-Mannschaft an­trat, konnte das in den ersten zehn Minuten zum Glück für den VfL nur teilweise nutzen. 19:13 lautete es bis eine Sekunde vor der Viertelsirene, dann gestalte Shkelzen Bekteshi, dessen Comeback mit 29 Punkten in 40  Minuten Spielzeit insgesamt als sensationell bezeichnet werden kann, mit einem Dreier von der Mittellinie das Ergebnis freundlicher.

Offensichtlich weckte Bekteshi damit die Lebensgeister seiner Kollegen. Denn nun fuhr die Achterbahn bergauf. Und erreichte ihren ersten Höhepunkt zwischen der 15. (27:29) und 18. Minute, als Bekteshi, Paul Howard – der mit seinen Landsleuten Stevens und Smallwood nach einer selbst verschuldeten Irrfahrt erst zwei Minuten vor Spielbeginn in der Halle eingetroffen war – und Manuel Ivanovic einen 9:0-Lauf zum 36:29. Ludwigsburg aber konterte zum 36:36-Ausgleich zur Pause.

Das wiederum schien die Kirchheimer erneut zu lähmen. Sieben Minuten lang kopierten sie die lasche Vorstellung des ersten Viertels, die BSG zog auf 54:40 davon – die Landesliga war so nah wie noch nie in dieser Spielzeit, die Achterbahn war am zwischenzeitlichen Tiefpunkt angekommen. Doch Paul Howard hatte nun am allermeisten gegen die Talfahrt. Sein Dreier zum 43:54 (27.) sorgte für die nächste Wende, den Rest des Spiels dominierte der VfL mit all den Tugenden, die das Team zuvor schon oft gezeigt hat. Howard erzielte 17 Punkte zwischen jener 27. und der 38. Minute, Bekteshi steuerte sieben zwischen der 29. und 33. Minute bei – bis zum Schluss und dem 73:66 ging es auf diese Weise angestoßen nur noch aufwärts.

Im Hinblick auf das Rückspiel am kommenden Samstag (19.30 Uhr, Sporthalle Stadtmitte) bedeutet das in den Worten von Tomic: „Sieben Punkte sind gar nichts. Es geht bei null los.“ Dass dann Derrick Stevens wieder mitspielen wird, ist eher unwahrscheinlich. Sein Fuß war am Wochenende noch so dick, dass eine abschließende Diagnose nicht möglich war. Womöglich kann Constantin Munz, der an diesem Wochenende seine Priorität auf die NBBL-Play-offs mit Urspring legte und dann auch mit dem schriftlichen Abitur fertig ist, unter dem Korb für ein bisschen Entlastung sorgen. Aber jetzt wird erst dreimal hart trainiert.ut

VfL Kirchheim: Bekteshi (29/4), C. Bozic (11), Eberle (2), Howard (22/2), Ivanovic (5), Reza (2), Schraml (2)