Lokalsport

Achterbahn in Parkposition

Der TSV Owen hat am Sonntag mehr als nur den Klassenerhalt geschafft

Mit Vollgas durch die letzte Schikane und am Ende punktgenau geparkt. Statt Freibier zum Saisonausklang servierte der TSV Owen am Sonntag Adrenalin in hohen Dosen. Wer nach sechsmonatiger Kurvenjagd durch die Landesliga am Sonntag in der Teckhalle der gelb-schwarzen Achterbahn entstieg, der wusste Bescheid: Auch im Handball wächst man gelegentlich mit den Aufgaben.

TSV Owen (Manuel Bauer) - Grabenstetten
TSV Owen (Manuel Bauer) - Grabenstetten

Owen. Als alles vorbei war, war der Mann auf der Bank als Erster weg: Es war nicht die Flucht in die innere Einkehr, die Manfred Haase im Moment des Triumphs das Feld räumen ließ, sondern die Einladung zu einer privaten Geburtstagsfeier. Andere hielten es länger aus als der Trainer. Die Vollentladung nach fast eineinhalbstündigem Hochvolt-Handball fand hernach in einer örtlichen Gaststätte statt.

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Der TSV Owen ist in der Landesliga gerettet. Das steht seit dem Sieg gegen den Tabellenzweiten aus Schmiden am Sonntagabend unwiderruflich fest. Eine Kontobereinigung, die nach nackten Zahlen auch am Sonntag darauf beim Tabellenletzten noch möglich gewesen wäre. Doch wen interessiert das schon. So war es nicht nur ein werbewirksames „Servus bis September“, mit dem man die Zuschauer auf den nächtlichen Heimweg schickte. Es war vor allem ein passender weil verrückter Abschluss einer verrückten Saison.

Die Stehaufmännchen der Klasse, gegen Nebensitzer bisweilen grandios gescheitert, haben einem Schwergewicht mal wieder das Kinn poliert. Dass selbst der Trainer bis zuletzt dem Frieden nicht traute, liegt an dessen intaktem Erinnerungsvermögen. Eine Woche zuvor hatte seine Mannschaft in Unterensingen mit sechs Treffern vorne gelegen und in den Schlusssekunden den Sieg noch vergeigt. Diesmal betrug der Vorsprung in der Schlussphase nur drei Treffer, und Haase kann rechnen. Doch diesmal hatten die Gelben mit den eigenen Nerven den ärgsten Feind sicher im Griff. Wer sein bestes Saisonspiel abliefert, wenn der Druck am größten ist, beweist jene Reife, die man der Mannschaft vor Saisonstart noch mehrheitlich abgesprochen hatte.

Darauf lässt sich bauen, das weiß auch der Trainer. „Im Falle des Abstiegs hätten wir uns über die sportlichen Perspektiven unterhalten müssen“, sagt Manfred Haase und meint damit seine eigene Zukunft. So gab es am Sonntag keinen weiteren Redebedarf. So ist das nun mal im Sport: Zwischen Glanz-Dekors und Scherbenhaufen liegen oft nur wenige Minuten. Am Abschied aus der Landesliga wäre die Mannschaft zerbrochen, soviel stand schon vorher fest. Jetzt besteht nicht nur Gewissheit, dass tragende Säulen wie die zuletzt verletzten Jörn Lehmann, Raphael Schmid und Sebastian Martin bleiben werden, die Nachrücker, die die Karre aus dem Dreck gezogen haben, sind in ihrer Entwicklung zudem einen großen Schritt voran gekommen. Spieler wie Manuel Bauer oder Manuel Jauss haben ihre Chance beim Schopf gepackt und sind von Bankdrückern zu Führungskräften gereift. Wenn es dem TSV gelingt, mit Janick Lehmann seinem Spielmacher eine goldene Brücke zu bauen, muss der Gedanke an die Landesliga niemandem schlaflose Nächte bereiten. Auch wenn die in der neuen Saison die vielleicht stärkste seit langem sein wird. Lehmann, der am Sonntag überragender Mann auf dem Platz war, studiert in Freiburg, hat dort unter der Woche zuletzt auch trainiert und könnte sich vorstellen, die Wahlheimat auch zu seiner sportlichen Heimat zu machen.

Doch auch für den Fall der Fälle ist man unter der Teck diesmal gerüstet: Die Alternative in der Rückraummitte heißt Sebastian Kerner und ist ein Eigengewächs, das früh den Weg in die Talentschmiede der JSG Neuhausen-Metzingen gefunden hat und zurzeit beim Landesliga-Vertreter TV Neuhausen II im Kader steht. Der 21-Jährige liebäugelt mit einer Rückkehr zu seinem Heimatverein, bei dem er schon seit Jahresbeginn regelmäßig mittrainiert. „Ein besonnener, umsichtiger Spielertyp, zuverlässig in der Abwehr und mit einem guten Wurf“, freut sich Manfred Haase. Mehr noch freut er sich darauf, zum ersten Mal seit seinem Wechsel nach Owen, nicht der Not gehorchen zu müssen, sondern frei gestalten zu können.

„Jetzt heißt es erst einmal abschalten.“ Nach dem Wochenende hat Haase seinen Jungs trainingsfrei gegeben, am Donnerstag folgt Ballbehandlung per Fuß. Gegen den Tabellenletzten Wangen/Börtlingen gilt es am Samstag, sich achtbar zu schlagen. Schwer genug: Kreisläufer Raphael Schmid wird nach einer Platzwunde am Kopf, die genäht werden musste, pausieren. Manuel Bauer ist ebenfalls verletzt und Abwehr-Stratege Lars Kirchner wird ebenso wie Torhüter Uwe Raichle am Samstag die zweite Mannschaft in Neuffen verstärken. Dort geht es um die letzte Chance auf Rettung in der Bezirksklasse. Was immer passiert: Hinterher führen alle Wege wieder zusammen, wenn im Vereinsheim der Saisonabschluss gefeiert wird. Fest steht: Diesmal wird auch der Trainer nur einen Pflichttermin haben.