Lokalsport

Älbler in der Rolle des Wadlbeißers

Handball-Derby in der Owener Teckhalle wird für die Gastgeber heute zum Schlüsselspiel

Laupheim war gestern – heute ist Grabenstetten. Mit etwas Glück und zwei Punkten könnte sich der TSV Owen gegen das Schlusslicht von der Alb auf Tabellenplatz elf verbessern und sich damit in zweifacher Hinsicht rehabilitieren: Nach der schmachvollen Niederlage im Hinspiel und dem schwachen Auftritt vor zwei Wochen gegen den Tabellennachbarn aus dem Oberschwäbischen. Wenn‘s dumm läuft, stecken die Owener nach dem 20. Spieltag in der Württemberg­liga tief im Abstiegssumpf.

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BERND KÖBLE

Owen. Es war die vielleicht schwärzeste Stunde der bisherigen Saison. Nicht wenigen der Owener Fans, die von der Tribüne der Lenninger Sporthalle aus das Geschehen verfolgten, dämmerte es: Es würden schwere Zeiten anbrechen für Owens Ballwerferelite. Vor dem Spiel hoch gewettet und schließlich tief gefallen. Wie geprügelte Hunde schlichen die Favoriten im Oktober vom Platz. Gedemütigt vom bis dahin noch punktlosen Lokalrivalen aus Grabenstetten. Für den blieb die euphorisch gefeierte Watschn‘ für den Nachbarn das bisher einzige Erfolgserlebnis der Saison. Sechs Spieltage vor Schluss hat der Aufsteiger aus der Landesliga sein Punktekonto seitdem um lediglich zwei Zähler aufgestockt. Fürs heutige Spiel heißt dies: Der TSV Grabenstetten kann sich voll und ganz auf die Rolle des Wadlbeißers konzentrieren. Das Thema Württembergliga ist auf der Alb so gut wie abgehakt. „Es müsste schon ein Wunder geschehen“, meint Grabenstettens Trainer Hubert Kullen, der die oft ungestüme weil noch blutjunge Truppe vor drei Wochen von seinem Vorgänger Skip Anhorn übernahm. Der Ex-Pfullinger hatte offenbar eine andere Auffassung von Trainingsmoral als ein Teil der Mannschaft und warf die Brocken kurzerhand hin. Die Trotzreaktion folgte prompt: Grabenstetten holte im darauffolgenden Spiel gegen den Tabellenvierten SG Lauter mit einem Unentschieden den vierten und vorerst letzten Punkt der Saison.

„Der Aufstieg kam für diese junge Mannschaft im Prinzip ein Jahr zu früh“, sagt Kullen, den die Tabellensituation nicht überrascht. Die Chance, zum endgültigen Angstgegner des Nachbarn aus dem Täle aufzusteigen, besteht hingegen weiterhin. Das allein reicht, um motiviert in die heutige Partie zu gehen und sollte in der Teckstadt ernst genommen werden. Wer die heutigen Gäste als willkommenen Aufbaugegner auf die Rechnung setzt, sollte sich jedenfalls versuchen zu erinnern: Schließlich erwiesen sich die Owener zuletzt äußerst freigiebeig, wenn es darum ging, waidwunden Gegnern neuen Lebensmut zu schenken. „Wir müssen zu dem zurück finden, was uns auszeichnet“, sagt Spielertrainer Christoph Winkler und meint damit: Herz und Emotionen. Er, den zum wiederholten Male in dieser Saison Verletzungen plagen und der in den letzten beiden Spielen das Geschehen vorwiegend von der Bank aus verfolgen musste, verspricht gegen den Nachbarn aus Grabenstetten deshalb „60 Minuten Volldampf.“ Für den Trainer selbst dürfte diese Devise allerdings kaum gelten. Welches Pensum er dem eigenen Körper zumuten kann, wird erst der heutige Abend beantworten. Gefährdet ist auf Owener Seite auch der Einsatz von Marius Schmidt, der über Schulterprobleme klagt und als Joker im rechten Rückraum womöglich ausfallen wird. Ebenso wie der junge Nico Sigel als Alternative auf der Mittelposition. Seine Kollision mit dem Zeitnehmertisch am vergangenen Samstag in Donzdorf zog schmerzhafte Prellungen nach sich.

Egal, wer bei den Gelben heute auflaufen wird, für die Owener wird es ein Schlüsselspiel im Kampf gegen den Abstieg. Zu den 15 Punkten, die Christoph Winkler als Minimalziel ausgibt, fehlen dem TSV noch drei Siege aus den verbleibenden sechs Spielen. Eine Niederlage gegen den Abstiegskandidaten Nummer eins würde die Chancen auf den Klassenverbleib erheblich schmälern, nachdem mit Laupheim der schärfste Konkurrent im Kampf um den Nichtabstieg nach Punkten aufgeschlossen hat. Eine andere Marke erfordert weniger Rechenaufwand, denn ganz nebenbei wartet die Mannschaft noch immer auf das erste Erfolgserlebnis in eigener Halle. Eine Saison ohne einen einzigen Heimsieg, das wäre in Owen ein Novum.