Lokalsport

Ältere sorgen für den Boom

Die Mitgliederzahl im Deutschen Behindertensportverband steigt weiter an

Der organisierte Behindertensport in Deutschland boomt. Auch im Südwesten nimmt die Zahl derer, die auf Vereinsebene ihrem Handicap zum Trotz aktiv sind, weiter zu: Der Württembergische Behinderten- und Rehabilitationsverband (WBRS) zählt mit über 21 000 Mitgliedern in 324 Vereinen zu den stärksten Behindertensportverbänden Deutschlands. Das Gros der Aktiven ist dabei bereits jenseits der 60.

Peter Eidemüller

Kirchheim. „Es lebe der Sport, er ist gesund und macht uns hart. Er gibt uns Kraft, er gibt uns Schwung, er ist beliebt bei alt und jung.“ Dem Refrain von Rainhard Fendrichs Ohrwurm aus dem Jahr 1982 ist eigentlich nur noch eines hinzuzufügen: Sport ist beliebt bei Menschen mit Behinderung. Seit der Gründung des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) im Jahr 1951 hat sich die Zahl der Mitglieder explosionsartig vervielfacht (siehe Grafik). Die Zahl aus dem Jahr 2007 (414 070) dürfte dabei nur eine weitere Marke auf der stetig nach oben verlaufenden Kurve darstellen. Die Statistik zeigt: Von den rund acht Millionen in Deutschland mit Behinderung lebenden Menschen erkennen immer mehr, dass Sport entscheidend dazu beiträgt, die Lebensqualität zu verbessern, das Selbstvertrauen zu stärken und das Leben trotz Einschränkung zu bejahen. Am eindrucksvollsten demonstrieren dies Leistungssportler wie die unterschenkelamputierte Gutenbergerin Christine Wolf, die für Australien startend vergangenes Jahr in Peking Gold im Weitsprung gewann – ein Vorbild an Kampfeswillen und Lebenslust gleichermaßen.

Wer es der 28-Jährigen nachmachen will, kann innerhalb des DBS 33 Sportarten ausüben, von denen 19 zum Programm der Paralympics zählen. Die Angebote richten sich dabei nach Art und Grad der Behinderung, wobei Gehörlose in einem eigenen Verband mit rund 12 000 Mitgliedern organisiert sind.

Als einer der 17 Landesverbände, die dem DBS angehören, bietet auch der Württembergische Behinderten- und Rehabilitationsverband (WBRS) zahlreiche Angebote, unter anderem für Amputierte, Gefäß- und Wirbelsäulenerkrankte, geistig Behinderte oder psychisch Erkrankte. Neben der Förderung von Paralympic-Teilnehmern und Kaderathleten widmet sich der Verband auch dem Breitensport. Hier organisiert der WBRS Feste, Freizeiten und Kurse für Kinder und Erwachsene. Den dritten Tätigkeitsschwerpunkt bildet der Rehabilitationssport. Mit speziell ausgebildeten Übungsleitern wird Betroffenen die Möglichkeit gegeben, sich mit der Problematik des eigenen Handicaps auseinanderzusetzen.

Dass die Zahl der Mitglieder auf Landes- und Bundesebene kontinuierlich steigt, ist vor allem den über 60-Jährigen zu verdanken: Mit 49 Prozent ist knapp die Hälfte aller DBS-Mitglieder älter als 61, in den Altersklassen darunter nimmt die Zahl der Behindertensportler ab – auch in Württemberg: Hier sind von den 19- bis 40-Jährigen nur knapp 1 700 im Verein aktiv. Im Vergleich: Im mitgliederstärksten Verband Nordrhein-Westfalen sind in derselben Altersgruppe über 26 000 Behindertensportler registriert. Dies ist bundesweit zwar die große Ausnahme, doch zeigt die Altersstruktur des DBS ansonsten, dass die Bereitschaft zur sportlichen Aktivität bei Menschen mit Behinderung erst mit zunehmendem Alter einsetzt.

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