Lokalsport

Afrika-Star zum Schnäppchenpreis

Eine neuartige Spielerauktion im Internet machte es möglich: Die VfL-Fußballer haben einen neuen Superstar. Bis zum Saisonende 2004/05 steht ein tunesischer Ex-Nationalspieler unter Vertrag, der schon Afrikas Fußballer des Jahres war.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM/STUTTGART Kirchheims neuer Hoffnungsträger heißt Abajomi Omolera, ist 27, Angreifer und 33-facher tunesischer A-Nationalspieler. Seit September 2003, nach einem Kreuzbandriss im afrikanischen Champions-League-Spiel zwischen seinem Ex-Verein Espérance Tunis und Al-Hilal aus dem Sudan (5:2), ist seine Länderspiel-Karriere vorbei und Omolera inzwischen in Deutschland, wo er Wohnsitz (Stuttgart-Vaihingen), Frau und Job hat. Eines hatte der beidfüßige Torjäger, inzwischen medizinisch wieder voll rehabilitiert, zuletzt auch: wieder Lust auf Fußball.

Dass Omolera bei der Vereinssuche sich jetzt dem Medium Internet bediente, Mitglied im Auktions-Portal ebay wurde und sich ganz unorthodox schließlich selbst versteigern wollte, geriet zum Glücksfall für die VfL-Fußballabteilung: Nach einer hoch spannenden Auktion sicherte sich der Teckstadtclub just am Dienstagnachmittag 16.33 Uhr die Dienste des Ausnahmefußballers zum Schnäppchenpreis von genau 354,65 Euro. "Wir haben Omolera jetzt bis zum Saisonende 2004/05 unter Vertrag und eine Option für ein weiteres Jahr", frohlockte Geschäftsführer Kurt Antel gestern, nachdem (bis auf die noch ausstehenden Freigabe-Bemühungen beim DFB) bereits alle Modalitäten vollzogen waren: Die Kaufsumme ist an den neuen VfL-Fußballer längst überwiesen und von diesem per E-Mail bestätigt.

Vorausgegangen war ein "nervenzerfetzendes Bieten um einen Spieler, der von Haus aus in der Bundesliga spielen müsste", wie Antel die dramatische Schlussphase der neu geschaffenen ebay-Auktion in der Kategorie "Spielertransfers" kommentierte. Als der Geschäftsführer zusammen mit VfL-Abteilungsleiter Winfried Scholz am privaten PC den Spieler schließlich gegen zwei verbliebene Mitbieter in hartnäckigen Ein-Euro-Schritten ersteigert hatte, war das Erstaunen groß. "Dass wir an der Spielerversteigerung überhaupt mitgeboten haben, war anfangs nur Spaß. Wir haben bis zuletzt nicht ernsthaft daran geglaubt, das Rennen machen zu können", sagte Scholz. Mit Sicherheit lag das unverhoffte Happyend fürs Kirchheimer Bieterduo mit dem Nickname "vaueffell" aber auch an fehlender Bieter-Konkurrenz: Noch sind Internet-Spielerauktionen hier zu Lande kaum publik.

Denkbar, dass sich dies nach dem spektakulären VfL-Transfer von Abajomi Omolera etwas ändert. Der, in der Saison 2001/02 mit 34 Treffern bester tunesischer Torjäger und anschließend Afrikas Fußballer des Jahres, macht keinen Hehl daraus, wohin es ihn zieht: "Ich will mittelfristig in die Bundesliga, am liebsten zum FC Bayern." Dass er vorher noch vertragsgemäß eine Mission bei einem Fünftligisten zu erfüllen hat, kommt dem gläubigen Omolera gerade recht: "Ich werde dem VfL Kirchheim sportlich helfen, wo immer ich kann." Michael Rentschler, der den neuen VfL-Teamstar heute Abend zum ersten Training begrüßt, weiß auch schon auf welcher Position. "Omolera ist ein klassischer Mittelstürmer. Torgefährlich, schnell, kopfballstark."

Und dann schiebt Kirchheims Trainer einen Satz nach, der normalerweise nicht über seine Lippen kommt. "Wenn Omolera hält, was er verspricht, dann erhöht sich die Chance, dass der VfL in dieser Saison doch noch Verbandsliga-Zweiter wird, sprunghaft." Oberliga dank Omolera: Eine schöne Vision . . .