Lokalsport

Aktion "Schlüsselgewalt" kommt bei Clubs bestens an

Haftungs- und Versicherungsfragen im Sportverein sowie Neubau und Sanierungen von Kirchheimer Sportstätten standen im Mittelpunkt einer Klausurtagung des Stadtverbandes für Leibesübungen (SfL) im VfL-Haus in Riezlern.

HELGE WAIDER

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Back to the roots zurück zu den Ursprüngen: Nach dem 2002er Intermezzo im SVL-Skihaus in Schopfloch, gingen die Vertreter von Vereinen, Schulen, Stadtverwaltung, Gemeinderat und SfL wieder im Kleinwalsertal in Klausur. Das VfL-Haus in Riezlern bot für den im zweijährigen Turnus veranstalteten und ob der Lage des traditionellen Konferenzortes im Volksmund gerne "Kanzelwandtagung" genannten Gedankenaustausch einmal mehr die perfekte Heimstatt. Von Freitagabend bis zum Sonntagnachmittag war das idyllisch gelegene Haus auf rund 1200 Metern für die 30 Teilnehmer Konferenzsaal, Restaurant und Hotel zugleich.

Nach der Begrüßung durch den SfL-Vorsitzenden Siegfried Hauff gehörte der erste Tagesordnungs-punkt dem Gastreferenten Jörg Schlegel vom Versicherungsbüro des Württembergischen Landessportbundes (WLSB). Der Vortrag "Haftungs- und Versicherungsfragen im Verein" brachte für die Konferenzteilnehmer Licht ins Dunkel des Sport-Versicherungsdschungels.

Schlegel wies auf Unterdeckungen, Versicherungslücken und Stolper-fallen in Vertragstexten hin. Er infor-mierte über versicherte Veranstal-tungen wie Feste, Ausflüge, Freizei-ten, aber auch Vorstands- und Aus-schusssitzungen und gab Empfeh-lungen und Tipps. Haftungsrechtlich dazu passend wurde anschließend die Schlüsselgewalt der Vereine in bestimmten Kirchheimer Sportstätten thematisiert. Als Pilotprojekt war hier im letzten Jahr das Hallenbad auserkoren worden, für das die im SfL organisierten Vereine Tauchgruppe Teck (TGT), VfL Kirchheim und die DLRG vor rund vier Wochen Schlüssel erhielten. Stellvertretend für die teilnehmenden Vereine zog der TGT-Vorsitzende Stefan Gölz ein durchweg positives Resümee der Neuerung: "Wir haben eine neue Qualität im Training."

Mittlerweile wurde die Aktion "Schlüsselgewalt" auch in der Sport-halle Stadtmitte, der Walter-Jacob-Halle und der Konrad-Widerholt-Halle etabliert. Nachdem das Votum der anwesenden Vereinsvertreter nach teilweise sehr kontroverser Diskussion über Machbarkeit und Verantwortlichkeit eindeutig war, er-ging das Signal an die Stadt, die Ak-tion weiter auszubauen. Etwaiges Konfliktpotenzial, das besonders die Vertreter der Schulen hinsichtlich der Haftung bei Schäden, die von Vereinen verursacht werden, sahen, soll durch den Einsatz so genannter "Störbücher", die eine Rückverfol-gung auf den Schadenverursacher ermöglichen, entschärfen.

Einen Ausblick auf geplante Neu-bauten und Sanierungen von Kirch-heimer Sportstätten gab Oberbür-germeisterin Angelika Matt-Heidecker. Thema Nummer eins war hierbei der Hallenbad-Neubau. Nachdem sich für die ursprüngliche Variante eines Groß-Bades kein In-vestor für die geplanten Kosten in Höhe von 18,6 Millionen Euro finden ließ, fand, so die Oberbürgermeiste-rin, ein Umdenken statt. Die neue Konzeption sieht nun ein kleineres Bad inklusive Saunabereich auf dem Gelände des Freibads vor, welches mit rund 10 Millionen Euro zu veran-schlagen wäre. Unklar ist in dem Zu-sammenhang noch, ob die Stadt selbst oder eine Betreibergesell-schaft das Bad führen soll. Fakt ist jedoch, dass die Entscheidung im nächsten Jahr fallen wird und das Bad nach jetzigem Fahrplan 2007 fertiggestellt sein soll. Matt-Heidecker bestätigte dann auch auf Nachfrage: "Ein solches Bad ist auch in der heutigen Zeit für die Stadt machbar."

Bei den Sporthallen genieße, so Matt-Heidecker weiter, die Rauner-Schulturnhalle oberste Prioriät. Als zweiteilige Turnhalle, die überwie-gend dem Schulsport zur Verfügung stehen soll, wäre mit Kosten in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro zu rech-nen. Der Entwurf für den Gemeinde-rat sieht eine Inbetriebnahme 2006 vor, während die Naberner Gießnauhalle demnach um zwei weitere Jahre auf 2008 verschoben wäre. Bei den Sanierungen steht die Ötlinger Eduard-Mörike-Sporthalle, wo der Hallenboden erneuert werden muss, an erster Stelle. Der Entwurf sieht diese Investition für 2006 vor.

Die Investitionsbereitschaft der Vereine ist hingegen, so SfL-Vorsitzender Hauff, leicht rückläufig: "Es wurden weniger Zuschussanträge gestellt als in den Jahren zuvor." Mittel aus dem so genannten Sportfördertopf der Stadt wurden vom SfL mit insgesamt 92 500 Euro in gleicher Höhe wie letztes Jahr beantragt und von der Stadt in dieser Höhe in den Haushaltsentwurf eingestellt. Ausführungen zur Kirchheimer Aktion "Kinder in Bewegung", ein Kooperationsprogramm zwischen Kindergärten/Grundschulen und Sportvereinen machte Doris Imrich. Die VfL-Vorsitzende war im letzten Jahr, als die Aktion, für die sich mittlerweile auch andere Städte interessieren, anlässlich des Landeskinderturnfestes ins Leben gerufen wurde, maßgeblich an der Umsetzung beteiligt. Es wurde, so Imrich, ein Lenkungskreis gegründet, der sich aus Vertretern der Kindergärten (Erzieherinnen), Schulen und der Vereine zuammensetzt und die Federführung in dem Projekt übernehmen soll, das vorsieht, Kinder behutsam durch Bewegung an den Sport heranzuführen.