Lokalsport

Alle Augen auf 48° 37‘ 55“ N, 9° 25‘ 50“ O

Heute Abend wird die 42. Auflage des Hahnweidwettbewerbs eröffnet – 110 Segelflieger hoffen auf Thermik

Segelflugsport der Spitzenklasse verspricht die heute Abend offiziell beginnende 42. Auflage des Hahnweid-Wettbewerbs am Himmel über Kirchheim. Mit 110 gemeldeten Teilnehmern hat die veranstaltende Fliegergruppe Wolf Hirth die Kapazitätsgrenze in den fünf Wettbewerbsklassen schon vor Wochen erreicht, unter die Fliegerschar haben sich wieder etliche nationale und internationale Top-Piloten gemischt – eine erfolgreiche Wettbewerbswoche kann nur der Wettergott verhindern.

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Peter eidemüller

Kirchheim. Preisfrage: Was verbindet Otto Normalverbraucher mit der Zahlen-Buchstaben-Kombination 48° 37‘ 55“ N, 9° 25‘ 50“ O? Wahrscheinlich nichts. Navigationskundige erkennen darin immerhin schonmal die Koordinaten einer Position irgendwo auf der Erde. Segelflugliebhaber hingegen wissen es ganz genau – schließlich kreist ihr gesamtes Interesse acht Tage lang um diese Koordinaten. Selbige beschreiben nämlich das Fluggelände Hahnweide, wo heute Abend um 20 Uhr die 42. Auflage des gleichnamigen Wettbewerbs beginnt. Nach der offiziellen Eröffnung durch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und dem allgemeinen Wettbewerbs-Briefing ist Samstag als erster Wertungstag angesetzt – sofern das Wetter mitmacht.

Ein Blick auf die Teilnehmerlisten der fünf Wertungsklassen (Offene, 18 m, 15 m, Standard und Doppelsitzer) verrät: Selten zuvor war die renommierte Veranstaltung vor den Tore Kirchheims so hochkarätig besetzt wie in diesem Jahr. Unter den insgesamt 110 Teilnehmern finden sich amtierende Staatsmeister, aktuelle und ehemalige Welt- und Europameister, Grand-Prix- und WM-Teilnehmer sowie zahllose Nationalmannschaftsmitglieder aus aller Herren Länder – der Hahnweidwettbewerb hat sich seit der ersten Auflage 1966 als große Hausnummer in der Segeflugwelt etabliert. „Unser Wettbewerb ist einer der wenigen weltweit, die immer voll besetzt sind“, freut sich der Segelflugreferent der veranstaltenden Fliegergruppe WolfHirth, Peter Bittner. Bereits seit Wochen sind die Teilnehmerlisten voll, es gibt deutlich mehr Anfragen als Kapazitäten. „Mit 110 Teilnehmern bewegen wir uns am absoluten Limit“, stöhnt Bittner angesichts der knüppelharten Woche, die auf das rund 45-köpfige Team der Fliegergruppe wartet.

Mit ein Grund für das rege Piloten-Interesse: Sowohl 15-m- als auch 18-m-Klasse sind als Qualifikationsklassen für die deutschen Meisterschaften 2009 ausgeschrieben. Kein Wunder also, dass beide mit 28 (15 m) und 40 (18 m) die höchsten Teilnehmerzahlen zu verzeichnen haben. Der Run auf diese beiden mit etlichen Top-Piloten (unter anderem mit den ehemaligen Weltmeistern aus Frankreich, Christophe Ruch und Marc Schroeder) aufwartenden Klassen geht allerdings zu Lasten der Offenen Klasse, in der aus Kapazitätsgründen weniger Starter gemeldet sind – 13 im Vergleich zu 23 aus dem Vorjahr. „Wir mussten die restlichen Klassen kleiner halten“, sagt Peter Bittner. Grund: Wer sich für die Qualifikationsklassen anmeldet, den muss die Fliegergruppe Wolf Hirth auch starten lassen – so schreibt‘s der Dachverband DAEC (Deutscher Aero Club) dem Veranstalter vor.

Der Attraktivität wird dies allerdings keinen Abbruch tun. Zumal in der Offenen Klasse trotz des kleineren Teilnehmerfelds so illustre Piloten wie der Finne Lehto Antti, die Österreicher Sven Kolb und Franz-Josef Eder oder der Schweizer Markus ­Gäumann vertreten sind. Nicht nur diese drei nutzen den Hahnweidwettbewerb als Vorbereitung für weitere Top-Events in diesem Jahr: Neben der WM in Lüsse Ende Juli findet 2008 auch die Junioren-DM statt – wie es der Zufall will auf der Hahnweide. Nicht zuletzt deshalb tummeln sich heuer 32 Nachwuchspiloten unter 25 Jahren auf der Hahnweide. Einer davon: Patrick Puskeiler, der mit seinen 20 Jahren als derzeit hoffnungsvollstes Talent in Reihen der Fliegergruppe Wolf Hirth gilt und in der 18-m-Klasse als Lokalmatador für Furore sorgen will.

Sein älterer Bruder Marc (26) steht derweil vor seinem zweiten Jahr im Amt des Sportlichen Leiters – ein Knochenjob, wie Peter Bittner weiß: „Marc war die gesamte Woche schon jeden Tag ununterbrochen vor Ort und wird während des Wettbewerbs kaum zur Ruhe kommen.“ Die kniffligste seiner zahllosen Aufgaben ist die wetterabhängige Entscheidung, ob geflogen werden kann oder nicht. Anhand aufwändiger Rechenmodelle muss Marc Puskeiler in Zusammenarbeit mit „Wetterfrosch“ Jupp Dahlem das Zeitfenster mit den optimalen Witterungsbedingungen bestimmen und entsprechend die Flugaufgaben für die Teilnehmer erstellen – eine alltägliche Gratwanderung, die auch schon mal in die Hose gehen kann. „Das kommt vor, dass ein Wertungstag neutralisiert wird und keine zehn Minuten später herrschen Top-Bedingungen“, weiß Peter Bittner.

Die Wetterprognosen für die Wettbewerbswoche sehen übrigens bestens aus. Laut aktueller Berechnungen kann sich die Fliegerschar auf sechs Wertungstage freuen – angesichts eines Durchschnitts von knapp vier in den vergangenen Jahren wäre dies ein absoluter Glücksfall. „Allerdings“, so Peter Bittner, „ist man nach fünf Flugtagen hintereinander auch so kaputt, dass man eine Pause braucht.“

Egal, ob diese nun witterungsbedingt ist oder aus Erholungsgründen ansteht: Für flugfreie Tage haben die Wolf Hirth‘ler wieder ein abwechslungsreiches Alternativprogramm zusammengestellt. Mit Besuchen des Thermalbads in Beuren, des Daimler-Museums in Stuttgarts oder den Ausflugszielen rund um Kirchheim will die Fliegergruppe ihren Gästen das Schwabenländle näher bringen und sich als freundlicher Gastgeber präsentieren – der über Jahrzehnte gewonnene gute Ruf muss schließlich gepflegt werden, damit unter Segelflugfreunden die Koordinaten 48° 37‘ 55“ N, 9° 25‘ 50“ O auch in Zukunft so beliebt bleiben.