Lokalsport

Alle wollen nur einer kommt durch

Der Countdown läuft: Am Samstag beginnt mit dem Heimspiel der Kirchheim Knights gegen TuS Treis-Karden die Aufstiegsrunde zur zweiten Basketball-Bundesliga. Alle vier Teilnehmer rechnen sich Chancen aus.

KIRCHHEIM Ein Ex-Zweitligist, ein Aufstiegsrunden-Routinier, ein absoluter Newcomer und die Kirchheim Knights: Das ist das Feld der vier Klubs, die zwischen dem 22. April und dem 14. Mai um den einen Platz streiten, der die Eintrittskarte in den professionellen Basketball bedeutet. Zwei Tage, bevor der Countdown zum Start abläuft, ist bei der Frage nach dem Favoriten nur eines sicher: Alle sind sich einig, dass es keinen gibt.

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Es gäbe einen, könnte beim VfL Chuks Neboh auflaufen. Doch der Center hat sich seinen kleinen Finger zum zweiten Mal gebrochen und fällt aus (siehe Extra-Artikel). Wird es also der Ex-Zweitligist ASC Theresianum Mainz? Es war 1999, als der ASC als Nord-Zweiter alle anderen, darunter das Theo-Leftakis-Team Cosmos Tübingen, hinter sich ließ und den Sprung in die zweite Liga schaffte. Zwei Jahre später folgte der Abstieg, und erst jetzt hat sich der Klub so richtig davon erholt. Coach Dejan Kreclovic, im zweiten Jahr beim ASC, baut vor allem auf die Ausgeglichenheit seines Teams: "Unsere Bank ist lang und tief, wir haben große Leute und bewegliche Leute. Und wir haben mehrere Spieler, die an einem guten Tag alle ein Spiel entscheiden können."

Allen voran wohl Nemanja Matejic, der Zwei-Meter-Mann und mit 19,9 Punkten pro Spiel Topscorer des ASC. Er kann unter dem Korb alle Positionen spielen und ist auch schon von VfL-Coach Theo Leftakis als wertvollster Spieler der Pfälzer ausgemacht worden. Aber auch auf Aufbauspieler Ron Merriwether (13 Punkte pro Spiel) muss man aufpassen, ebenso wie auf die Ex-Zweitliga-Akteure Ilja Ickert (15,5) und Sebastian Adeberg (13,0). Insgesamt neun Spieler der 18, die in der vergangenen Saison eingesetzt wurden, enden auf -ic, ebenso wie der Trainer ein gewisser jugoslawischer Trend ist unverkennbar. Nach einem schwachen Start und 4:4-Siegen gewann der ASC 13 Spiele nacheinander und wurde Meister die Form also scheint zu stimmen. Und darauf kommt es laut Kreclovic auch an: "Die Tagesform wird entscheiden, und die physische Vorbereitung. Bei zweimal drei Spielen in sieben Tagen spielt die Physis eine große Rolle."

Eine ähnliche Entwicklung wie Mainz machte Treis-Karden durch. Nach 8:4 Punkten beendete Trainer Christian Rupp seine erst kurz zuvor begonnene Tätigkeit, sein Vorgänger wurde sein Nachfolger: Edo Hotic hat Treis-Karden als Spieler seit 1992 und als Trainer seit 2002 aus der Kreisliga bis in die Aufstiegsrunde zur zweiten Liga geführt, und er übernahm spontan, obwohl sein Abschied von einigen Dissonanzen begleitet war. Der Titelverteidiger setzte sich erneut durch, und nur wegen des um einen einzigen Korbpunkt schlechteren direkten Vergleiches blieb diesmal nur Platz zwei. Hotics Prognose: "Alle vier Vereine haben eine reelle Chance, am Ende Erster zu sein. Ich hoffe, dass wir bei unserer dritten Teilnahme diesmal unsere Erfahrung nutzen können."

Nach 2003 und 2005 nimmt die TuS den dritten Anlauf in die zweite Liga, und zwei Stars waren immer dabei: Josip Bosnjak, inzwischen 36-jähriger Dauerbrenner, über den Hotic sagt: "Ich habe selten einen fitteren Spieler gesehen." Der zweite ist Sprungwunder Colin Stein (27), eine Reboundmaschine, die aber auch punkten kann. Zu diesen beiden und der intakten Mannschaft stießen der Amerikaner Mensah Taylor aus San Diego, der mit 25,5 Punkten pro Spiel auf Anhieb Topscorer der Liga wurde, und Ex-Zweitliga-Akteur Joe Robisch (unter anderen 1. FC Kaiserslautern). Hotic ist überzeugt davon, dass Mainz zweimal geschlagen werden wird, wobei zum Teil auch die große Fangemeinde beitragen wird: Zu den Heimspielen kommen regelmäßig über 500 Zuschauer, womit Treis-Karden nach dem VfL der Klub mit den meisten Fans in der Viererrunde ist.

Deutlich weniger Anhänger hat der TV Rastatt-Rheinau, seit drei Jahren Begleiter der Knights in der Regionalliga. Allesmacher Zoran Seatovic glaubt aber an das Potenzial: "Jetzt wollen wir auch aufsteigen", sagt der Spielertrainer. Ob sich der Verein das leisten kann? "Diese Frage bekommen wir immer wieder gestellt. Die Antwort: Wir haben keine 400 000 Euro, aber es gibt auch andere Vereine, die erst nach einem Aufstieg neue Strukturen geschaffen haben."

Von den Strukturen her wäre also der VfL, bei dem sich nach der Aufstiegsrunde 2004 sehr viel grundlegend verändert hat, am besten geeignet für die zweite Liga. Sollte es klappen, würde man die Knights aus dem Hauptverein heraustrennen und eine GmbH gründen. Doch zunächst muss gewonnen werden. Wer das Team auch bei den Auswärtsfahrten unterstützen will, kann sich übrigens für die drei Fanbusse anmelden (07021/41219, ulrich@tangl.de).

mad