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Frickenhausens Tischtennistrainer Qiu hält Bundesligarückzug für falsch

Es wurde viel geschrieben über den TTC Frickenhausen seit dem angekündigten Bundesliga-Rückzug vor gut zwei Wochen – und viel diskutiert. Wie soll es weitergehen mit dem finanzschwachen Tischtennis-Traditionsverein? Einer kam bei der Geschichte noch nicht zu Wort. Eine Schlüsselfigur: Jian Xin Qiu. Nach einem Gespräch mit dem Trainer wird nur eines schnell klar: Und zwar, dass noch überhaupt nichts klar ist.

Hat Redebedarf: TTC-Trainer Jian Xin Qiu hält nach dem Bundesligarückzug die Zukunft seiner Person und die seiner Söhne in Frick
Hat Redebedarf: TTC-Trainer Jian Xin Qiu hält nach dem Bundesligarückzug die Zukunft seiner Person und die seiner Söhne in Frickenhausen offen. Foto: Calagan

Frickenhausen. In den Zeitungen zu blättern, das machte Jian Xin Qiu in den zurückliegenden zwei Wochen nicht sonderlich viel Spaß. Vom „Bundesliga-Aus für Frickenhausen“ war zu lesen, vom Hauptsponsor, der abspringt, von „finanziellen Altlasten“, die den Verein plagen, von der Suche nach neuen Geldgebern, bis hin zum Neuaufbau in der Zweiten Bundesliga – mit Trainer Qiu und seinen beiden Söhnen Liang und Dang. Vieles wurde geschrieben. Aber wurde intern auch viel gesprochen?

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Qiu ist angefressen. „Ich halte den Bundesliga-Rückzug für falsch“, macht der Trainer aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Denn vor allem der Zeitpunkt der Entscheidung liegt ihm im Magen. „Wenn du deine Leistung nicht gebracht hast und sportlich den Klassenerhalt nicht geschafft hast, dann okay“, sagt Qiu. „Warum aber ein Rückzug? Und warum am Beginn der Rückrunde?“, fragt er sich. Die Entscheidung hat ihn überrascht. Denn für den international bestens vernetzten Trainer ist der öffentlich gemachte Rückzug, bei dem ihm zu oft das Wort „Schulden“ gefallen ist, in erster Linie eines: „Kein gutes Image für den Verein.“

Den Trainer hat es gestört, dass er bei diesem heiklen Thema nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden worden ist. „Es heißt immer, der TTC sei meine Familie. Aber so ist es wohl doch nicht, sonst hätte der Vorstand über den Bundesliga-Rückzug nicht ohne mich entschieden“, zeigt sich Qiu nicht nur über die in seinen Augen mangelnde Kommunikation im Verein enttäuscht.

Diese dürfte nun mehr gefordert sein denn je. Denn auf die brennende Frage aller Frickenhausener Fans hin, ob Qiu den Weg in Liga zwei mitgeht, hält sich der Erfolgstrainer bedeckt. „Ich weiß noch nicht, was ich machen werde“, sagt Qiu. „Aber ich hoffe, dass mich die Leute, egal wie ich mich entscheide, verstehen werden und nicht böse sind.“ Zumindest (noch) nicht sicher ist es auch, wie es mit seinen beiden Söhnen, den Hoffnungsträgern Liang und Dang, weitergeht. „Die beiden sind alt genug. Sie können selbst entscheiden, wo sie spielen wollen“, sagt Qiu. Bevor man Genaueres sagen könne, so der Vater weiter, müsse erst einmal ein Angebot des TTC vorliegen. „Beide zusammen werden aber wahrscheinlich nicht in Frickenhausen spielen.“

Fakt ist, dass Qiu international als Tischtennis-Fachmann gilt und mit seinem im vergangenen Sommer eingeweihten Tischtennis-Zentrum in der Nürtinger Sattlerstraße zumindest finanziell vom TTC unabhängig ist. Zwar betont der Linsenhofener seine Verbundenheit mit dem Verein und der Region. Von einem bedingungslosen Treueschwur kann aber keine Rede sein.

„Natürlich hat Qiu viele Möglichkeiten und ist unabhängig von uns“, sagt TTC-Manager Jürgen Veith, auf dessen Schultern aktuell viel Verantwortung lastet. Er will den Verein wieder fit machen für die Zukunft und fordert erst mal nur eins: Zeit. „Jetzt ist Geduld angesagt. Auch von Qius Seite“, sagt Veith, laut dem die Bekanntgabe des Bundesliga-Rückzugs erste Impulse ausgelöst hat. Viele Leute hätten sich gemeldet, die sich einbringen und engagieren wollen. „Wenn wir merken, dass jetzt viele Menschen helfen wollen, dann haben wir schon gewonnen“, sagt Veith, der den finanziell entscheidenden Mosaikstein aber noch sucht.

„Wir suchen einen ,kleinen Liebherr‘“, sagt Veith mit Blick auf den Sponsor des schwäbischen Bundesligarivalen aus Ochsenhausen. Denn Veith zeigt sich überzeugt, dass ein Tischtennis-Bundesligaverein die ideale Werbeplattform für Firmen bietet, die auf dem asiatischen Markt Fuß fassen wollen. „Wenn wir ein Jahr Zweite Liga spielen, dann sind wir erneuert, dann sind die Altlasten weg“, so der Manager.

Für den Trainer ist das momentan noch Zukunftsmusik. Er hat das Sportliche zu verantworten und da befindet sich der TTC – Bundesliga-Rückzug hin oder her – mitten im Abstiegskampf. Am Sonntag gastiert das Tälesteam beim Tabellenletzten TTC Hagen, ein Sieg ist unabhängig aller Querelen Pflicht. „Wir versuchen trotzdem den Klassenerhalt zu schaffen. Was die Zeitung sagt, interessiert mich nicht“, will Qiu zumindest bis Saisonende alles geben.

„Mein Herz wird immer für den TTC schlagen, aber auch ohne mich wird es mit dem Verein weitergehen“, sagt Jian Xin Qiu. „Vor allem bei einer Person muss ich mich wahnsinnig bedanken: Rolf Wohlhaupter-Hermann. Ohne ihn wäre ich nicht seit 23 Jahren hier.“ Ein Satz, der nach Abschied klingen könnte. Aber nicht muss.